Dominique Strauss-Kahn: Der Unbelehrbare

Dominique Strauss-Kahn stellt sich nach dem Sex-Skandal nun als Freund der freien Liebe dar. Reue zeigt er nicht

Dominique Strauss-Kahn

Ein Hotelgast, der aus der Dusche kommt und deshalb splitternackt in seiner Suite steht.

Ein Zimmermädchen, das dort gerade aufräumt. Es knistert. Sie wirft ihm lüsterne Blicke zu, schaut ihm tief in die Augen, dann herausfordernd auf sein Geschlechtsteil. Und er lässt sich nicht zweimal bitten ...

Die Gegenoffensive: Nach seinem tiefen Fall meldet sich Dominique Strauss-Kahn in dem Interviewbuch "Affaires DSK, la contre-enquête" zu Wort. Hier präsentiert Autor Michel Taubmann das Werk.

Was anmutet wie die Einstiegsszene eines ranzigen Pornos, ist in Wahrheit ein Einblick in die Welt des Dominique Strauss- Kahn, 62. Genauer gesagt: seine persönliche Sicht auf das, was sich am 14. Mai 2011 in der Suite des New Yorker "Sofitel"- Hotels zugetragen hat. So steht es im Enthüllungsbuch "Affaires DSK, la contreenquête". Diese "Gegenuntersuchung" des Journalisten Michel Taubmann ist jetzt in Frankreich erschienen. DSK ein Vergewaltiger? Lächerlich! Der Oralsex mit dem Zimmermädchen Nafissatou Diallo sei zwar "dumm" gewesen, habe aber "einvernehmlich" stattgefunden, betont Strauss-Kahn in dem Buch, für das Taubmann ihn mehrfach interviewte. Tatsächlich sei er hormongesteuert, gibt der ehemalige Hoffnungsträger der französischen Sozialisten unverblümt zu. Er liebe Sexpartys und generell die Abwechslung. Aber das stehe in der Politik und im Geschäftsleben doch ohnehin auf der Tagesordnung. Illegal sei es schließlich auch nicht. Bei Themen wie Prostitution und Zuhälterei empfinde er dagegen "Abscheu und Entsetzen". Deshalb sei es für ihn unerträglich, dass ihn die Presse damit in Verbindung bringt.

Auch Dominique Strauss-Kahns Ehefrau Anne Sinclair äußert sich in dem Buch - mit einer Kampfansage an Feministinnen.

"Ja, ich habe im Hotel 'Carlton' in Lille an freizügigen Abenden teilgenommen, dafür aber nie auch nur einen Centime bezahlt. Denn im Allgemeinen sind die Besucherinnen solcher Partys keine Prostituierten", berichtet Strauss-Kahn bockig. Sein Biograf Michel Taubmann bietet dem langjährigen Freund ein Forum für solch krude Erklärungsversuche. Wie andere DSK-Fans geht der Journalist davon aus, dass Strauss-Kahn das Opfer einer Intrige ist. Auch seine Ehefrau Anne Sinclair wird in dem Buch zu ihrer Sicht der Affäre befragt. Die Antwort der 63-Jährigen: "Das ist unser Problem." Sie allein werde entscheiden, wann sie sich dazu äußere. Vielleicht ebenfalls in einem Buch wolle sie dann erläutern, "wie ich die Ehe verstehe. Und ich werde jenen Feministinnen antworten, die mich verurteilt haben, ohne etwas zu wissen." Angesichts der Sex-Geständnisse ihres unbelehrbaren Gatten eine gewagte Ankündigung. Alexander Nebe

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