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Dirk Bach + Knacki Deuser "Zeig denen da oben mal, was 'ne gute Show ist!"

Dirk Bach, Knacki (Klaus Jürgen) Deuser
Dirk Bach, Knacki (Klaus Jürgen) Deuser
© Picture Alliance
Mit nur 51 Jahren starb Dirk Bach vergangene Woche an Herzversagen. Einer seiner Wegbegleiter, der Comedian und Moderator Knacki Deuser, sagt ihm in "Gala" Lebewohl

Lieber Dirk,

ich saß im Auto und kämpfte mich gerade durch die Kölner Innenstadt zu einem Auftritt, als mich ein gemeinsamer Freund anrief und mir ganz aufgelöst von Deinem Tod erzählte. Ich war geschockt, und auch jetzt kann ich das Unfassbare und so schrecklich Endgültige immer noch nicht richtig aussprechen. Dabei waren wir noch nicht einmal die engsten Freunde. Das zu behaupten wäre unverfroren - auch wenn wir uns gut kannten, uns oft über den Weg gelaufen sind und uns dann immer lange angeregt unterhalten haben. Aber ich kenne kaum einen Künstler, dessen Weg ich so genau und so bewundernd beobachtet habe wie Deinen. 1983 betrat ich als Mitglied der Comedy-Gruppe "Die Niegelungen" die Welt der Bühne. Immer wieder hörten wir damals Geschichten von einer anderen Gruppe junger und freier Schauspieler, die Köln unsicher machten. Aus diesen Erzählungen kristallisierten sich schnell drei Namen heraus: Hella von Sinnen, Ralph Morgenstern und vor allem Dirk Bach.

Kurz danach kam es an der Bar des "Bel Air" auch schon zu unserem ersten Aufeinandertreffen. Es war sehr spät abends, oder soll ich besser sagen: sehr früh morgens, und da standst Du - die perfekte Mischung aus Clown, Diva und herzensgutem Menschen. Immer im Mittelpunkt des Geschehens, doch ohne Dich dabei irgendjemandem aufzudrängen oder den anderen die Luft zum Atmen zu nehmen. Du warst halt Dirk. Aber das war nichts gegen meine Begeisterung, als ich Dich zum ersten Mal auf der Leinwand sah, in "Im Himmel ist die Hölle los" von Walter Bockmayer, und kurz danach live im Kölner "Theater in der Filmdose" in der "Geierwally". Wie schräg war das denn?!? Ende der Achtzigerjahre besuchte ich in London zum ersten Mal eine Comedy-Improvisations-Show. Kaum komme ich zurück nach Deutschland - wen sehe ich zwei Wochen später in Bonn als Mitglied des Impro-Theaters "Die Springmaus" über die Bühne toben? Dich! Aber anstatt nur auf Deine großartigen Improvisations-Fähigkeiten zu setzen, hast Du stets an Dir gearbeitet und Dich weiterentwickelt. So durfte ich zwei Jahre später im kleinen Kölner Atelier-Theater Deinen wahren Geniestreich erleben: Dein Solo-Programm "Edgar". Ich wusste nicht - soll ich jetzt vor Begeisterung heulen oder mich kaputt lachen? Es gehört auch heute noch zu den drei besten Soloprogrammen, die ich jemals gesehen habe. Nach der Show standen wir wieder mal gemeinsam an der Bar und quatschten über Bühnen-Timing, welche Songs man unbedingt einbauen sollte, in welchen TV-Shows es richtig abgeht und über welche wir nur herzhaft gähnen können.

Weitere zwei Jahre später wurdest Du als erster freier Schauspieler der Kölner Szene ins Ensemble des Stadttheaters aufgenommen. Mann, war ich beeindruckt! Doch im nächsten Jahr folgte unser verblüffendstes Aufeinandertreffen. Verblüffend deshalb, weil wir uns zufällig im Foyer eines Musicals am Broadway in New York trafen. War es nicht "Rent"? Bis damals dachte ich immer, dass ich der einzige Depp wäre, der auf solche Ami-Inszenierungen steht, aber dann wurde mir klar: Ich bin nicht alleine. Zwischen Popcorn und Sekt (diese wilde Mischung vertragen nur wenige!) erklärte ich Dir, wie Dein Weg und Deine künstlerischen Entscheidungen mich beeindruckten. Aber nett und bescheiden wie Du warst, hast Du nur gelacht, irgendwie leicht beschämt zur Seite geschaut und erst mal mit mir angestoßen. Aus unserem Gespräch an der einen Bar wurde ein Gespräch an der nächsten Bar und dann an einer weiteren und weiteren ...

Wenn ich an Dich denke, dann denke ich an den einzigen Grund, warum ich mir manchmal "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" angetan habe. Ich denke an einen einzigartigen Komiker mit dem Gespür für perfektes Timing und dem Hang zu nicht wirklich dezenten Kostümen. Ich denke an den Helden der Improvisation, den großartigen Schauspieler, voller Gefühl und Wärme. Aber vor allem denke ich an einen lustigen, kleinen, selten stillstehenden und immer herzensguten Menschen. Ich könnte heulen. Vor allem weil ich beim Schreiben schon wieder zweimal lächeln musste. Lieber Dirk, schnapp Dir den Rudi Carrell und zeig denen da oben mal, was 'ne gute Show ist! Du fehlst uns hier unten jetzt schon.
Dein Knacki Der Autor
Klaus-Jürgen "Knacki" Deuser, 50, wurde mit der TV-Comedy-Show "Night Wash" (derzeit auf Einsfestival) bekannt. Ab 2013 tourt er mit seinem dritten Soloprogramm "Nicht jammern - klatschen"

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