Dieter Wedel: Ein Darsteller stellt sich gegen ihn

Immer mehr Frauen bezichtigen Dieter Wedel der sexuellen Belästigung. Nun untermauert Schauspieler Michael Mendl die Vorwürfe.

Der Missbrauchsskandal um den Regisseur Dieter Wedel (75) weitet sich aus. Im Dossier der aktuellen "Zeit" kommen neue Horrorgeschichten rund um sexuelle Belästigung bis hin zu Vergewaltigung ans Licht. Wedel selbst, der aktuell wegen einer Herzattacke im Krankenhaus liegt, wollte sich zu den neuen Vorwürfen nicht äußern, hatte aber Anfang der Woche in einer persönlichen Stellungnahme verkündet, dass er "zutiefst verstört und erschüttert" von den Beschuldigungen sei.

Michael Mendl berichtet als Augenzeuge

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Die "Zeit" zitiert Wedels eidesstattliche Versicherung: "Wenn eine Schauspielerin (...) bereit war, aus privaten Gründen mit mir auf ein Hotelzimmer zu gehen, habe ich sie nicht physisch bedrängt oder belästigt oder gar versucht, sie in irgendeiner Form zu sexuellen Handlungen zu zwingen." Gegenwind bekommt er für diese Aussage nun auch von einem männlichen Schauspieler, nämlich Michael Mendl (73, "Der Untergang"), der selbst mit Wedel gearbeitet hat. "Wenn er das tut, kann ich nur sagen: Er lügt!", kommentierte er das Verhalten des Regisseurs und bestätigte damit die Anschuldigungen.

Zwar habe er "keinerlei Ambitionen, Dieter Wedel fertigzumachen", so Mendl. Dass er sich äußere, habe lediglich etwas mit Zivilcourage zu tun. Doch seiner Meinung nach gehe es nicht, "dass er die Frauen der Lüge bezichtigt".

Was passierte im Hotelzimmer?

Mendl selbst wurde einst Zeuge, wie sehr sich eine Schauspielerin von Wedels Avancen belästigt fühlte. Im Rahmen der Dreharbeiten zum Mehrteiler "Der Schattenmann", bei denen der Cast und der Regisseur im Frankfurter Hotel Steigenberger übernachteten, habe er eines Abends von der Frau erfahren, dass der Regisseur sie nachts in seinem Hotelzimmer sehen wolle. Weil sie nicht wusste, wie sie sich verhalten sollte, suchte sie Rat bei ihren Kollegen, die ihr den Rat gaben, "sich auf gar keinen Fall darauf einzulassen".

Dennoch habe sich die Schauspielerin Wedel nicht entzogen - oder nicht entziehen können. Mendl erinnert sich: "Natürlich war keiner von uns im Hotelzimmer dabei. Aber als die Frau am nächsten Morgen zu uns in den Frühstücksraum kam, war sie in Tränen aufgelöst und seelisch mitgenommen." Der Regisseur sei indes in der Galerie des Hotels "in Herrscherpose im weißen Bademantel auf und ab stolziert". Um keinen Finger in die Wunde zu legen, habe Mendl nicht nach Details aus der Nacht gefragt.

Mobbing und Gewaltausbrüche

Der Fall der nicht namentlich genannten Schauspielerin ist nicht der einzige, der erschüttert. So berichtet beispielsweise die Schweizer Schauspielerin Esther Gemsch im "Zeit"-Artikel, dass der Regisseur sich einst auf sie setzte und ihren Kopf an die Wand und die Bettkante schlug. Schauspielerin Ute Christensen erzählt von Mobbing-Vorwürfen - sie verlor wegen eines Nervenzusammenbruchs am Filmset sogar ihr ungeborenes Baby.

Eine weitere nicht namentlich genannte Schauspielerin erzählt ebenfalls von Mobbing und nächtlichem Telefonterror durch Wedel. Nachdem sie seine Einladung auf einem Hotelzimmer ablehnte, soll er ihr am nächsten Drehtag mit der Faust in den Rücken geschlagen haben, woraufhin sie stolperte und zu Boden fiel. Daraufhin habe er sie angebrüllt, wie dumm sie sich anstelle, sie vergeude teures Filmmaterial. "Ich ahnte nicht, dass dies der Auftakt für eine Zermürbungskampagne sein würde, die gar nichts damit zu tun hatte, ob ich gut oder schlecht spiele."

Der Schlimmste, aber nicht der Einzige?

Von Abenden, an denen sich Schauspieler untereinander ihre "Wedel-Geschichten" erzählt hätten, ist die Rede in der "Zeit". "Wedel ist vielleicht der Schlimmste, aber er ist nicht der Einzige", berichtet außerdem eine Schauspielerin, die man offenbar aus Filmen und zahlreichen Fernsehproduktionen kennt. Ihren Namen will sie aus folgenden Gründen nicht nennen: Wer jetzt über Wedel spreche, plaudere womöglich auch negative Erlebnisse mit anderen aus. Jemand, der als illoyal gelte, werde nicht mehr besetzt. "Ich habe eine Familie zu ernähren, ich kann es mir nicht leisten, bei irgendjemandem in Ungnade zu fallen." Es bleibt die Frage, wie schlimm die Zustände in Deutschlands Filmbranche tatsächlich sind...

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