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"Rosenheim Cops"-Star Dieter Fischer "Oft werden Traumrollen auch zu Albtraumrollen"

Dieter Fischer in seinem Obst- und Gemüsegarten.
Dieter Fischer in seinem Obst- und Gemüsegarten.
© Dieter Fischer
Dieter Fischer ist ein viel beschäftigter Mann: Als Anton Stadler gehört er zum festen Ensemble der "Rosenheim-Cops", in seiner Freizeit kümmert er sich um seinen Obst- und Gemüsegarten. Ein Gespräch über Chancen in der Krise, die Liebe zur Schauspielerei und die Tücken unserer Zeit.
Für "Die Rosenheim-Cops" steht Dieter Fischer seit über 14 Jahren vor der Kamera, er hat seine Leidenschaft zu seinem Beruf gemacht. "Die Liebe zur Schauspielerei war immer da", erzählt er GALA während eines Abendspaziergangs am Telefon.  

Dieter Fischer über die Chancen in der Coronakrise

Doch nicht nur das: Der 49-Jährige ist zudem ein begeisterter Gärtner, seine Familie muss den Supermarkt nur noch selten besuchen. Vor allem die ehrliche Landwirtschaft liegt ihm besonders am Herzen. Kein Wunder also, dass ihn die Skandale der letzten Wochen auch in unserem Interview beschäftigen. "Wäre der Tönnies-Skandal ohne Corona aufgedeckt worden? Ich glaube nicht", sagt Fischer im Interview mit GALA. Ein Leben als Landwirt – ganz ohne die Schauspielerei – kann er sich trotzdem nicht vorstellen: Er vermisst seinen Beruf schon, wenn er mal drei Tage Pause hat.
GALA: Sie drehen im Moment die erste Staffel der "Rosenheim Cops" ohne Joseph Hannesschläger. Wie fühlt sich das an?
Dieter Fischer: Komisch. Überall liegen noch Requisiten von ihm, man hat das Gefühl, der Joseph ist noch da. Er ist einfach omnipräsent, seit seinem Tod hat sich am Set nicht wirklich viel verändert.
Wie war es für Sie, nach der Corona-bedingten Drehpause wieder vor der Kamera zu stehen?
Am Anfang bin ich sehr ehrfürchtig ans Werk gegangen, vor allem an den ständigen Mund-Nasen-Schutz musste ich mich gewöhnen. Mittlerweile haben wir aber einen ganz guten Weg gefunden und drehen "Die Rosenheim-Cops" auf Abstand weiter.

"Die Rosenheim-Cops" in Zeiten von Corona

Müssen Sie in Ihrem Privatleben auch strenge Regeln einhalten?
Nein, da gibt es keine expliziten Vorschriften. Aber jeder von uns hat eine Zeit hinter sich, in der er oder sie nicht arbeiten durfte. Deswegen weiß jeder von uns, welche Verantwortung er hat.
Denn wenn die Dreharbeiten zum Stehen kommen, haben über 60 Menschen wegen einer Person vorübergehend keine Arbeit. Dessen sind wir uns bewusst.
Haben Sie vor einem zweiten Lockdown Angst?
Nein, ich glaube, dass wir da ganz gut durchkommen werden. Bei uns am Set läuft wirklich alles sehr vorbildlich ab, jeder hält sich an die Regeln – ohne Murren und Knurren.
Ist die Stimmung am Set deswegen immer noch gut?
Aber ja! Unsere Mannschaft ist ja für seine gute Laune bekannt – und die lassen wir uns durch Corona auch nicht verderben. Wir kennen uns mittlerweile ja alle über zehn Jahre, da sind richtige Freundschaften entstanden.
Haben Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen in der Zeit des Lockdowns sehr vermisst?
Natürlich, aber wir hatten zwischendurch auch immer wieder Kontakt, mit Marisa, Igor und Max habe ich oft sehr lange telefoniert. Das ist bei uns aber auch nichts Ungewöhnliches.
"Die Rosenheim-Cops 19. Staffel": Polizeihauptmeister Mohr (Max Müller, l.), Kommissar Anton Stadler (Dieter Fischer, m.) und Kommissar Sven Hansen (Igor Jeftić, r.) haben bisher noch jeden Fall gelöst.
"Die Rosenheim-Cops 19. Staffel": Polizeihauptmeister Mohr (Max Müller, l.), Kommissar Anton Stadler (Dieter Fischer, m.) und Kommissar Sven Hansen (Igor Jeftić, r.) haben bisher noch jeden Fall gelöst.
© ZDF/ Bojan Ritan
Wie haben Sie die drehfreie Zeit genutzt?
Unsere Winterpause wurde durch den Lockdown ja quasi verlängert, deswegen war ich sowieso zuhause. In der freien Zeit konnte ich meinen Garten etwas umgestalten, habe ein Gemüsebeet angelegt und ein Gewächshaus gebaut - das macht mir unglaublich viel Spaß! Ohne Corona wäre ich nie so weit gekommen. (lacht)

"Die Schauspielerei fehlt mir schon, wenn ich drei Tage nicht spiele"

In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" habe ich gelesen, dass Ihnen die Landwirtschaft sehr am Herzen liegt. Erzählen Sie mal.
Ich interessiere mich sehr für das Thema Selbstversorgung, meine Familie und ich essen Gemüse und Obst mittlerweile nur noch aus unserem Garten – das ist schon toll!
Könnten Sie sich vorstellen, sich irgendwann nur noch auf Ihren Garten, die Landwirtschaft und das Thema Selbstversorgung zu konzentrieren?
Nein, wenn ich ehrlich bin, fehlt mir die Schauspielerei schon, wenn ich nur drei Tage nicht spiele. Im Corona-Lockdown hat mich mein Garten davon abgelenkt, aber auf Dauer kann ich mir das nicht vorstellen. Ich mag meinen Beruf schon sehr gerne!
Vor Ihrer Karriere haben Sie eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann gemacht. Wie haben Sie die Liebe zur Schauspielerei entdeckt?
Die Liebe war immer da. Ich habe in meiner Kindheit und Jugend schon immer gerne geschauspielert, allerdings wusste ich damals noch nicht, dass es Ausbildungsstätten für Schauspieler gibt. Irgendwann habe ich dann aber davon Wind bekommen, habe mich beworben und wurde Schauspieler. (lacht)
Ihren alten Beruf vermissen Sie nicht?
Nein, ich bin in der glücklichen Situation, seit über 20 Jahren gut von der Schauspielerei leben zu können. Über einen Plan B habe ich mir nie Gedanken gemacht.
Wenn Sie sich jetzt für einen Plan B entscheiden müssten: Welcher Beruf würde Sie reizen?
Irgendwas mit Schauspielerei … Wenn ich schreiben könnte, wäre ich vielleicht Drehbuchautor. (lacht) Das müsste ich aber vorher nochmal ausprobieren.

"Oft werden Traumrollen aber auch zu Albtraumrollen – oder umgekehrt"

Im SZ-Interview sagen Sie außerdem: "Ich war nie der Helden- oder Beautytyp." Welche Rollen würden Sie trotzdem gerne nochmal spielen?
Mittlerweile komme ich in das Alter vom "Dorfrichter Adam" aus "Der zerbrochene Krug" von Heinrich von Kleist. Diese Rolle juckt eigentlich jedem in meinem Rollenfach unter den Fingern. Oft werden Traumrollen aber auch zu Albtraumrollen – oder umgekehrt. (lacht)
Haben Sie ein Beispiel?
Im Theaterstück "Nathan der Weise" habe ich mal einen Klosterbruder gespielt, eine winzig kleine Rolle. Vorher hatte ich überhaupt keine Lust darauf, aber mittlerweile zählt diese Rolle zu meinen Liebsten.
Vor allem Theater leiden unter der Coronakrise extrem …
Ja! Für Schauspielerinnen und Schauspieler, die nur Theater spielen, ist das aktuell eine ganz schlimme Situation! Abstand halten im Flugzeug? Von wegen! Aber im Theater wird penibel drauf geachtet. Das ergibt für mich keinen Sinn.
Ihre Kollegin Marisa Burger hat mir im Interview erzählt, dass Sie das Gefühl hat, Kulturschaffende fallen aktuell durchs System. Sehen Sie das ähnlich?
In dieser Zeit wurde mir eins klar: Wenn es in einer Krise eng wird, sind wir die Ersten, die aufhören müssen zu arbeiten. Die Gesellschaft braucht uns nicht, um zu überleben. Das ist schade, aber wir müssen das akzeptieren.
Fällt Ihnen das schwer?
Die Realität ist hart, aber eben nicht zu ändern. Wenn in Deutschland darüber abgestimmt werden sollte, ob ein Fußballstadion oder ein Theater gebaut wird, würde das Theater immer den Kürzeren ziehen. Genauso ist scheinbar für die Menschen wichtiger, mit dem ersten Flieger zum Ballermann zu fliegen. So tickt unsere Gesellschaft eben. Ich hoffe einfach, dass nicht so viel Kultur verloren geht.
Man kann Kunst nicht nur dann konsumieren, wenn es einem gut geht.
Welche Chancen sehen Sie in der Coronakrise?
Viele. Wäre der Tönnies-Skandal ohne Corona aufgedeckt worden? Ich glaube nicht. Viele Missstände, vor allem in Schlachtbetrieben, sind jetzt endlich ans Licht gekommen und werden hoffentlich etwas an dem Konsumverhalten unserer Gesellschaft ändern.
Wo kaufen Sie ihr Fleisch?
Mit Sicherheit nicht bei Tönnies. (lacht) Ich kaufe mein Fleisch direkt beim Bauern, das mache ich schon immer so. Ich brauche diesen Schnick-schnack dazwischen nicht.
Verwendete Quellen:eigenes Interview
Gala

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