Die Windsors: Weihnachten bei der Queen

Die Windsors verbringen die Feiertage traditionell auf Schloss Sandringham. Ein ziemlich schräges Fest mit skurrilen Bräuchen

Die Weihnachtsansprache der Queen schaut die Familie zusammen im Fernsehen. 

Was legt man bloß der Königin von England unter den Baum? Geschmeide, kostbare Bücher, seltene Weine? Eine Frage, die sich derzeit sicher auch Doria Ragland, 63, stellt, die Mutter von Herzogin Meghan. Erstmals darf sie in diesem Jahr mit der neuen Verwandtschaft ihrer Tochter auf Schloss Sandringham Weihnachten feiern. Und kann sich entspannen: Denn teuer muss es nicht sein bei Königs.

Nach dem Festessen geht's auf die Waage

Der Queen, 92, und allen anderen Erwachsenen schenkt man ausschließlich Kleinigkeiten. Einzige Bedingung: Das Mitbringsel sollte für gute Stimmung sorgen. Herzogin Meghan, die voriges Jahr Weihnachtspremiere bei den Royals hatte, schenkte der Königin einen singenden Stoffhamster – der sofort auf Platz Eins der innerfamiliären Geschenke-Top-Ten wanderte. Allgemeine Heiterkeit löste auch aus, dass sich der (mittlerweile verstorbene) letzte Corgi der Königin das Plüschtier sofort schnappte. Er hatte allerdings nicht lange Freude daran. Der Grund, um es vorsichtig zu formulieren: des Corgis übervoller Magen. Denn der Kleine hatte kurz vor der Bescherung ein üppiges Menü verputzt, das traditionell an Weihnachten für die Lieblinge der Queen zubereitet wird. Immerhin wurde der Vierbeiner nicht vor und nach dem Essen auf der berüchtigten historischen Waage gewogen. Dieses Schicksal ereilt nur die Royals und ihre Gäste. Das Ritual geht auf König Edward VII. zurück, der mit der Gewichts-Kontrolle seine Gastfreundlichkeit zur Schau stellen wollte. Als Besucher sollte man sich eine Speckschicht anfuttern, sonst reagierte der Monarch angeblich vergrätzt.

Pietro Lombardi

Er spricht über seine Gefühle für Sarah und Melissa

Sarah und Pietro Lombardi
Sänger Pietro Lombardi spricht offen über seine Gefühle.
©Gala

Kein Knoblauch bei der Queen

Frühstück, Tea Time und Dinner spielen auch heute noch eine wichtige Rolle. Heiligabend serviert das Personal – rund 100 Angestellte arbeiten über Weihnachten auf Sandringham – vor der Bescherung einen leichten Lunch mit viel Gemüse, wie der langjährige königliche Küchenchef Darren McGrady erzählt. Wichtigste Nicht-Ingredienz: Knoblauch. Elizabeth II. verzichtet selbst im kleinsten Kreis auf die Knolle, deren Ausdünstungen sie als Feind vertraulicher Zweier-Gespräche betrachtet.

Um (Knollen-)Gemüse rankt sich auch eine andere Anekdote, von der ein Palast-Angestellter GALA berichtet. Als Prinz Charles einmal samt Gattin Camilla und einer Kiste selbst gezogener Gartenerzeugnisse auf Sandringham eintraf, begegnete ihm als Erstes sein Vater Prinz Philip. Der für seine trockene Art bekannte Herzog von Edinburgh knurrte bloß: „Scheiß Bio-Zeug.“

Es wird nicht nur viel gegessen (ob bio oder nicht), sondern auch viel getrunken. Direkt im Anschluss an den Gottesdienst am ersten Weihnachtsfeiertag in der Kirche St. Mary Magdalene werden Drinks gereicht. Die Queen genießt – same procudere as every year – einen Gin mit Dubonnet; Ehemann Philip gönnt sich ein Bier. Der Rest der Familie nippt an Champagnerkelchen.

Truthahn für George und Charlotte

Und die Kinder? George, Charlotte und überhaupt alle Youngster essen ihren Truthahn um Punkt ein Uhr mittags unter Aufsicht der Nannys in einem anderen Raum, damit die Erwachsenen sich ungestört unterhalten können. Als Tischwein für deren Menü lässt die Queen einen süßlichen Gewürztraminer ausschenken.

Könnte sein, dass dieser schwere Wein Doria Ragland, die als Amerikanerin eher Chardonnay gewohnt ist, nicht sonderlich mundet. Um des Weihnachtsfriedens willen sollte sie allerdings ein Anstands- Achtel trinken und die obligatorische Frage: "Schmeckt es?“ mit einem "Vorzüglich, Mam“ beantworten. Sonderwünsche, sagt der Palast-Mitarbeiter zu GALA, würden zwar anstandslos erfüllt, aber als unhöflich betrachtet.

Als Nachtisch gibt’s einen alkoholgetränkten Christmas-Pudding mit Brandy-Soße. Auf im Dessert verborgene Münzen oder Schmuckstücke, wie sie zu diesem Anlass eigentlich Tradition haben, werde verzichtet, erklärt Ex- Küchenchef McGrady. Kein Koch wolle schuld an einem röchelnden Royal sein.
Nach der Mahlzeit ist vor der Mahlzeit: Abends schaut (und lobt) die ganze Familie die Weihnachtsansprache der Königin im TV ,spielt ein paar Runden Scharade und nascht Scones oder Früchtekuchen. Dabei verhalten sich die Royals laut McGrady erstaunlich diszipliniert, Fressattacken habe er noch nie erlebt. Für alle, die trotzdem noch der kleine Hunger plagt, steht wenig später ein Buffet mit typisch englischen Spezialitäten wie Ochsenzunge und Schweinskopf bereit.

Eins ist sicher: Langweilen wird sich Meghans Mum bei den Royals sicher nicht. Und hungern muss sie auch nicht.

Royale Weihnachtserinnerungen

Alle Jahre wieder

1940  Prinzessin Elisabeth von Dänemark schmückt mit ihrem Vater Prinz Knud den kleinen Christbaum.
1953  König Leopold von Belgien feiert mit seiner Frau Prinzessin Lilian und der gemeinsamen Tochter Prinzessin Marie-Christine Weihnachten.
1967  Prinzessin Cristina und Prinzessin Elena spielen vor dem Weihnachtsbaum mit ihren Geschenken. Ihr Vater Juan Carlos, der acht Jahre später König von Spanien wird, schaut ihnen zu.
1971  Prinzessin Cristina (l.), Prinz Felipe und Prinzessin Elena von Spanien haben sich schick gemacht und versenden mit diesem Bild Weihnachtsgrüße.

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