GALA erklärt: Die Oscars - Höhen, Tiefen & Skandale

Dieses Datum hält man sich in Hollywood im Kalender frei: die alljährliche Oscar-Verleihung. Seit über 90 Jahren wird der Preis nun schon verliehen - Höhen, Tiefen, Skandale und Freudentränen inklusive

Beim Anblick ihres Goldjungen wird Lady Gaga ganz emotional.

Wenn sich im Frühjahr die gesamte Hollywood-Prominenz trifft, dann kann das nur eins bedeuten: die Oscars werden verliehen. Im Laufe der Jahre avancierte die Verleihung zur wichtigsten Veranstaltung der Filmbranche; Schauspieler, Regisseure und Musiker träumen davon, den Preis eines Tages in den Händen halten zu dürfen. Doch was verbirgt sich hinter diesem Preis und was macht ihn so begehrenswert? GALA schaut hinter die Kulissen.

Der erste Oscar wurde 1929 verliehen

Als am 16. Mai 1929 die erste Oscar-Verleihung stattfand, interessierte sich kaum jemand für die heute weltberühmte Veranstaltung. Ohne viel Aufsehen zu erregen, sollen die Preise bei einem Bankett im Hollywood Roosevelt Hotel in etwa fünf Minuten vergeben worden sein. Eingeladen hatte MGM-Direktor Louis B. Mayer (1884-1957), etwa 270 Personen nahmen an dem Essen teil. Stummfilm-Legende Douglas Fairbanks (1883-1939) fungierte als erster Moderator und vergab die Preise in zehn Kategorien - die Sieger waren bereits im Vorhinein bekannt. Überlegt man sich, dass heute nicht nur 30 Auszeichnungen vergeben, sondern auch die Suche nach einem passenden Moderierenden von riesigem Interesse ist - ganz zu Schweige von der Geheimniskrämerei um die Sieger - so ist ein solches, fast schon langweiliges Prozedere kaum mehr vorstellbar.

Emil Jannings als erster Preisträger

Schauspieler Emil Jannings war der erste Oscar-Preisträger überhaupt.

Übrigens: Der erste Preisträger in der Kategorie "Bester männlicher Hauptdarsteller" war der deutsche Emil Jannings (1884-1950). Bis heute ist er der einzige Deutsche, dem diese Ehre zuteil wurde. Umso verwunderlicher erscheint es, dass Jannings bei der Verleihung 1929 nicht einmal selbst anwesend war. Er wollte nach drei Jahren Arbeit in Hollywood schnell nach Hause, bekam seine Trophäe daher schon Wochen vor der eigentlichen Veranstaltung überreicht. 

Heute würde sich wohl niemand mehr entgehen lassen, den begehrten Preis höchstpersönlich abzuholen. Denn die Veranstaltung ist nicht nur äußerst glamourös geworden, sie ist auch zu einem Abend mit politischer Strahlkraft avanciert. Dazu aber später mehr. Der Grundgedanke von Louis B. Mayer war simpel: Er war auf der Suche nach neuen Mitgliedern der 1927 gegründeten "Academy of Motion Picture Arts and Sciences", die sich für den Fortschritt innerhalb der Filmwirtschaft einsetzte. Mit Erfolg: Die Veranstaltung wurde immer populärer, ab 1930 sogar live im Radio übertragen. 

Warum heißt der Oscar Oscar?

Möchte an der Namensgebung des Oscars mitgewirkt haben: Schauspielerin Bette Davis im März 1978 in Beverly Hills.

Auf diese Organisation begründet sich auch der offizielle Name der Veranstaltung: Academy Awards. Warum diese aber im Volksmund "Oscars" genannt werden, könnte auf eine Anekdote aus den 1920er Jahren zurückgehen. Die Bibliothekarin der Akademie, Margaret Herrick (1902-1976), soll beim Anblick der goldenen Statue erstaunt gesagt haben: "Der sieht ja aus wie mein Onkel Oscar." Obwohl das vermutlich eher ein Witz gewesen ist, hat sie damit den Namen der berühmtesten Trophäe der Welt geprägt. Oder etwa nicht? Es gibt noch zwei weitere Anwärter, die sich die Namensgebung der Statue auf die Fahne schreiben wollen: Schauspielerin Bette Davis (1908-1989) und Kolumnist Sidney Skolsky (1905-1983). 

Der Oscar - ein Design von Cedric Gibbons

Aber was verbirgt sich genau hinter DEM Oscar, der den Preisträgern Jahr für Jahr in Hollywood überreicht wird? Da gibt die offizielle Website der Veranstaltung selbst Aufschluss: Demnach ist die berühmte Statue ein Entwurf des MGM-Art-Director Cedric Gibbons, der für die jährliche Verleihung einen auf einer Filmrolle stehenden und das Schwert eines Kreuzfahrers umklammernden Ritter designte. Gefertigt wurde die Trophäe letztendlich von Bildhauer George Stanley (1903-1970).

Eine der begehrtesten Trophäen der Welt: der Oscar.

Heute gestaltet sich die Produktion der gut 34 cm hohen und etwa 3,8 kg schweren Figur einfacher: sie wird jährlich von der Kunstgießerei Polich Tallix im New Yorker Hudson Valley gegossen. Das Gewicht ergibt sich aus dem verwendeten Material - der Oscar besteht aus massiver Bronze, die mit 24 Karat Gold plattiert wird. Obwohl die Statue an sich damit auch einen gewissen Wert hat, so überwiegt bei der Verleihung wohl doch die emotionale Komponente. 

Die Jury

Denn wer einen Oscar erhält, der kann sich sicher sein, dass die Mehrheit der etwa 8000 Jury-Mitglieder für die eigene Leistung abgestimmt hat. Hinter diesen Personen verstecken sich Künstlerinnen und Künstler, die ihre Stimmen schon einige Tage vor der eigentlichen Verleihung abgeben. So ist der Abstimmungszeitraum für das Jahr 2019 auch jetzt schon vorbei: Bis zum Dienstag, den 19. Februar, mussten alle Stimmzettel bei den zuständigen Personen eingegangen sein. Geprüft und ausgezählt werden sie dann von der Prüfgesellschaft PricewaterhouseCoopers.

Das ist im Jahr 2019 anders

Apropos 2019: In diesem Jahr müssen die Oscars das erste Mal ohne einen Moderator auskommen. Lange Zeit war Schauspieler und Comedian Kevin Hart im Gespräch. Doch es hagelte Kritik - Hart hatte sich vor zehn Jahren im Netz homophob geäußert, hatte negativ über gleichgeschlechtliche Liebe gesprochen. Nachdem dieser Skandal, der sich zwischen 2009 und 2011 ereignete, im Zuge der Oscar-Diskussionen wieder hochgekocht war, sah Hart keine andere Möglichkeit, als von dem Job des Moderators zurückzutreten. Seine Absage gab er - inklusive einer Entschuldigung bei der LGBTQ-Gemeinde - per Twitter bekannt. 

Die Oscars als politische Schaubühne

Generell sind die Oscars Schaubühne für politische oder gesellschaftliche Botschaften. Lady Gaga sang beispielsweise im Jahre 2016 ihren Song "Til it happens to you", der thematisch von sexueller Gewalt handelt, gemeinsam mit Frauen und Männern, die selbst Opfer dieser wurden. 2018 stand die Verleihung ganz im Zeichen der "Me too"- und "Time's up"-Bewegungen. Moderator Jimmy Kimmel versuchte die Thematik humoristisch aufzugreifen und bezeichnete die Oscar-Statue als den "perfekten Mann", denn er halte die Hände so, dass sie immer zu sehen seien, sage nie ein unhöfliches Wort und "vor allem hat er überhaupt keinen Penis."

Die US-Regierung bekam ebenfalls ihr Fett weg: Im Jahre 2003 wetterte Michael Moore in seiner Dankesrede gegen den damals amtierenden Präsidenten George W. Bush und kritisierte dessen Eintritt in den Krieg mit dem Irak. Auch Präsident Donald Trump musste sich in den vergangenen Jahren die ein oder andere Spitze gegen sich und seine Arbeit gefallen lassen. 

Rekordverdächtig

Nicht nur die rhetorischen Finessen der Moderation und der Reden sind rekordverdächtig, auch die Veranstaltung selbst bringt Rekord-Nominierte und -Preisträger hervor. Drei Filme halten aktuell den Rekord für die meisten Nominierungen: Sowohl "Titanic", "Alles über Eva" als auch "La La Land" wurden ganze 14-Mal für den Goldjungen nominiert. Die Filme mit den meisten Auszeichnungen gewannen insgesamt elf Preise: Dazu zählen "Titanic", "Ben Hur" und "Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs".

Aber nicht nur Filme, sondern auch Schauspieler können Rekorde bei den Oscars abräumen. Unangefochtene Nummer eins ist dabei Katharine Hepburn mit vier Auszeichnungen, ihr folgen - mit jeweils drei Oscars - Ingrid Bergmann, Daniel Day-Lewis und Meryl Streep. Letztere hält mit unfassbaren 21 Nominierungen noch einen zweiten Rekord. 

Oscars

Die ewig Nominierten

Bradley Cooper - 7 Nominierungen  Schauspieler und Regisseur Bradley Cooper ist zwar preisgekrönt, eine Trophäe fehlt ihm aber noch zu seinem Glück: der Oscar. Trotz mittlerweile sieben Nominierungen kann sich Bradley aktuell noch nicht als Oscarpreisträger bezeichnen. Ob sich das in 2019 ändern wird? Für den Film "A Star is born" ist der Schauspieler gleich in drei Kategorien - "Bester Film", "Bester Hauptdarsteller", "Beste Kamera" - nominiert. 
Glenn Close - 7 Nominierungen  Auch Glenn Close durfte sich schon über sieben Oscar-Nominierungen freuen. Aber eben nur über die Nominierungen: Die Schauspielerin durfte bislang noch keine Trophäe mit nach Hause zu nehmen. Wie auch Bradley Cooper kann Glenn Close auch in diesem Jahr wieder hoffen - für ihre Rolle in "Die Frau des Nobelpreisträgers" ist sie als "Beste Hauptdarstellerin" nominiert.
Amy Adams - 6 Nominierungen  Oscar-Luft durfte Amy Adams schon das ein oder andere Mal schnuppern, einen Preis mit nach Hause nehmen aber leider nicht. Ganze sechs Mal wurde die Schauspielerin bereits nominiert, stand sogar schon als Laudatorin auf der Bühne. Vielleicht klappt es ja 2019 - Adams ist als "Beste Nebendarstellerin" im Film "Vice - Der zweite Mann" nominiert.
Leonardo DiCaprio - 5 Nominierungen  Fünf Mal war Leonardo DiCaprio schon nominiert. 2014 steht der Schauspieler noch voller Hoffnung, endlich den Goldjungen für seine Leistungen im Film "The Wolf of Wall Street" abräumen zu können, auf dem roten Teppich. Leider geht er auch bei seiner fünften Nominierung leer aus.

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Die besondersten Momente

Bei allem Glitzer und Glamour, den die Veranstaltung versprüht, schlichen sich über die Jahre auch immer mal wieder Pannen, lustige oder tragische Ereignisse in die Verleihung. GALA zählt Ihnen die besondersten Momente einmal auf:

1. Der Oscar für La La Land - oder doch nicht?

Man mag sich kaum vorstellen, wie unangenehm es im Jahr 2017 für alle Beteiligten gewesen sein dürfte, als sich die Crew um Emma Stone und Ryan Gosling für die Entgegennahme des Oscars für den besten Film auf der Bühne versammelte und der Veranstalter bekanntgab, dass den Laudatoren Warren Beatty und Faye Dunaway ein grober Fehler unterlaufen war. Denn den beiden wurde kurz vor ihrem Gang auf die Bühne der falsche Umschlag ausgehändigt: Anstatt der Karte mit dem Namen des besten Films, erhielten sie den Umschlag für die beste Hauptdarstellerin. Was den Fehler nicht sofort auffliegen ließ: Da Emma Stone diese Kategorie für sich - und somit auch für "La La Land" entschied - verkündete Warren Beatty lautstark den Sieg des Films. Der Fehler und dass eigentlich der Film "Moonlight" ausgezeichnet werden sollte, wurden erst vollständig aufgeklärt, als bereits alle "La La Land"-Beteiligten auf der Bühne versammelt waren ...

2. Sturz kurz vor der Dankesrede

Egal, wo sie hinkommt: Jennifer Lawrence besticht mit ihrer Coolness. Die Schauspielerin hat immer einen frechen Spruch auf den Lippen und gilt gemeinhin als äußerst lässig. Sogar als sie im Jahre 2013 auf dem Weg zu ihrer Dankesrede - sie gewann den Oscar als beste Schauspielerin ("Silver Linings Playbook") - auf der Treppe zur Bühne stolperte. Fast filmreif fiel sie vor den Augen aller Anwesenden über ihre ausladende Robe. Verletzt hat sie sich zum Glück nicht, nur für einen kurzen Augenblick geschämt. Herrlich sympathisch!

Filmreif: Jennifer Lawrence stürzt bei den Oscars.

3. Selfies mit Superstars

Obwohl bei den Oscars alljährlich hunderte Fotografen anwesend sind, sorgte wohl Ellen DeGeneres für das beliebteste Foto der Veranstaltung. Als sie im Jahre 2014 die Moderation übernahm, machte sie es sich zur Aufgabe, das meist getwitterte Foto der Welt zu knipsen. Dafür setzte sie auf berühmte Unterstützung und holte sich die Hollywood-Größen Jared Leto, Jennifer Lawrence, Meryl Streep, Channing Tatum, Julia Roberts, Kevin Spacey, Bradley Cooper, Brad Pitt, Lupita Nyong'o, Peter Nyong'o Jr. und Angelina Jolie mit an Bord. Der Plan ging auf: Ellen kreierte eins der berühmtesten Bilder überhaupt.

Ellen DeGeneres gelang das wohl bekannteste Selfie der Welt.

4. Pizza für alle

Ellen DeGeneres sorgte in ihrer Moderation nicht nur für jede Menge Lacher, sondern auch für weniger hungrige Anwesende. Denn die Moderatorin bestellte kurzerhand ein paar Pizzen in den Veranstaltungssaal und versorgte Brad Pitt, Julia Roberts und Co. mit Essen. Die Freude dürfte ganz auf der Seite des Pizzaboten gewesen sein: Der Lieferant konnte nicht nur die Hollywood-Größen aus nächster Nähe betrachten, sondern sackte auch ein ordentliches Trinkgeld von 1.000 US-Dollar ein. 

5. In Unterhose auf der Oscarbühne

Ein Bild, das im Kopf bleibt: Neil Patrick Harris in Unterwäsche auf der Bühne. 

Nicht nur Ellen DeGeneres wurde bei ihrer Moderation kreativ, auch Neil Patrick Harris ließ sich etwas ganz Besonderes einfallen: Er kam im Jahr 2015 in Unterhose auf die Bühne. Eröffnete er die Veranstaltung noch im schwarzen Smoking mit Fliege, ließ er im Laufe des Abends die Hüllen fallen und trat nur in Unterwäsche und Socken vor das Publikum. Für seinen Sketch, der an den Film "Birdman" angelehnt war, trug der Comedian zwei Unterhosen übereinander. Sicher ist sicher. 

Man darf also gespannt sein, was sich im Jahre 2019 für Szenen im Dolby Theatre abspielen werden. Eins ist klar: Langweilig wird es wohl nicht werden!

Academy Awards

Höhepunkte der Oscar-Jahrzehnte

2018:  Die wohl spektakulärste Showeinlage der Veranstaltung liefert Jennifer Lawrence ab. Die Schauspielerin scheint keine große Lust auf Umwege durch die langen Stuhlreihen zu haben und klettert einfach über die Theatersitze. Dabei muss sie nicht nur ihr langes Abendkleid, sondern auch ihr gut gefülltes Weinglas händeln. Mit Erfolg: Sowohl Jennifer als auch das Glas kommen wohlbehalten am Ziel an. 
2018:  Das wohl ungewöhnlichste Bühnenbild geben Helen Mirren und Mark Bridges ab. Der Kostümdesigner gewinnt an diesem Abend nicht nur einen Oscar für die Kostüme in "Phantom Thread", sondern auch den unkonventionellsten Preis für die kürzeste Dankesrede des Abends: einen Jetski. Präsentiert wird die "Trophäe" von Moderator Jimmy Kimmel und Schauspielerin Helen Mirren, die auch als Bridges erste Mitfahrerin fungiert. 
Großer Schock-Moment am Ende der Verleihung: "La La Land" wird schon als "Bester Film" gefeiert. Doch dann stellt sich heraus, dass der Oscar irrtümlich vergeben wurde. Der eigentliche Gewinner heißt "Moonlight". 
Leonardo DiCaprio

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