Deutscher Filmpreis: "Gundermann" räumt bei den Lolas ab

Das Biopic "Gundermann" über den DDR-Liedermacher war der große Abräumer beim Deutschen Filmpreis. Doch es wurden noch mehr Lolas vergeben.

"Gundermann"-Regisseur Andreas Dresen (l.) und Hauptdarsteller Alexander Scheer bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises am Freitag in Berlin

20 Jahre ist es her, seit Schauspieler Alexander Scheer (42) durch die Ost-West-Komödie "Sonnenallee" von Regisseur Leander Haußmann (59) entdeckt wurde, jetzt schließt sich der Kreis. Auf der Verleihung des 68. Deutschen Filmpreises räumte das Biopic "Gundermann" (2018) über den DDR-Liedermacher Gerhard Gundermann (1955-1998) mit sechs Lolas ab. Scheer bekam für seine Darstellung des Ex-Stasi-Spitzels und Baggerfahrers Gundermann seine erste Lola. Für einen Ostfilm.

Im Palais am Funkturm trafen sich 1900 Gäste, darunter Kulturstaatsministerin Monika Grütters, Schauspieler wie Florian David Fitz, Kostja Ullmann, Jannik Schümann, Max Riemelt, Armin Rohde, Heike Makatsch, Katja Riemann, Luise Heyer, Florence Kasumba und Laura Tonke sowie die Regisseure Andreas Dresen, Fatih Akin, Markus Goller und Caroline Link, um mit Spannung darauf zu warten, wer den "deutschen Oscar" mit nach Hause nehmen durfte. Aber auch, um zwei Frauen zu ehren: Schauspielerin Iris Berben (68) und Regisseurin Margarethe von Trotta (77).

Isabell Horn

"Ich werde nie eine natürliche Geburt erleben"

Isabell Horn
Isabell Horn hatte nach der Geburt ihres zweiten Kindes mit einigen emotionalen Aufs und Abs zu kämpfen.
©Gala

Große Ehre für die zwei Grande Dames

Berben hatte ihren Vorsitz der Akademie nach neun Jahren im Februar an ihren Schauspielkollegen Ulrich Matthes (59) übergeben und war nun Ehrengast, Trotta bekam als erste Regisseurin in all den Jahren die Ehrenlola. Nach tosendem Applaus erinnerte von Trotta an jene Frauen, die mit ihr gemeinsam dafür kämpften, dass Frauen die gleichen Mittel zum Filmemachen bekommen wie Männer. Hinter den Kulissen hatte sie gestanden, dass sie nicht mehr damit gerechnet habe, ausgezeichnet zu werden. "Irgendwann ist man ja zu alt."

Dann wandte sie sich an Iris Berben. "Wir hätten sicher nicht gedacht und geträumt, dass wir hier zusammen geehrt werden. Iris Berben, du bist die Größte." Auch sie erfuhr eine ganz besondere Würdigung. Ulrich Matthes sang für Berben in bester Frank-Sinatra-Manier: "The Lady is a Tramp". Mit der kleinen, aber feinen Änderung: "Iris is a Tramp." Der Akademiepräsident bedankte sich für die wunderbaren Jahre. Schon da verdrückt sich Berben ein paar Tränchen und verbeugt sich vor ihm.

"Meine Hormone drehen gerade total durch"

Danach hielt Matthes eine aufrüttelnde Rede über die traurigen Zahlen des Kinos, denn, so erklärte er, gingen nur 37 Prozent der Deutschen zumindest einmal im Jahr ins Kino. Sein Ziel sei es, das Kino zu stärken. Er ermutigte Filmemacher, sich angreifbarer zu machen und nicht darüber nachzudenken, ob der Stoff dem Kino zumutbar sei. Er freue sich über die enorme Bandbreite der nominierten Filme - zwischen ernster Kultur (E) und Unterhaltungskultur (U).

Die Worte von Regisseurin Caroline Link (54), welche die Lola für den besucherstärksten Film "Der Junge muss an die frische Luft" (2018) von Hape Kerkeling (54) überreicht bekam, müssen Matthes aus der Seele gesprochen haben: "E und U zusammenzubringen, das ist im Kino nicht nur nötig, sondern dringend notwendig." Als die hochschwangere Luise Heyer (34) für ihre Nebenrolle in "Der Junge muss an die frische Luft" eine Lola bekam, rang sie auf der Bühne nach Fassung. "Boah! Sind das viele Leute. Dankeschön. Oh Gott! Das ist megaunwirklich. Meine Hormone drehen gerade total durch."

Julius Weckauf (11), der den jungen Hape Kerkeling spielte, war auch auf der Bühne ein kleines Unterhaltungswunder. "Morgens Prinzessin, abends Hausmeister. Kino das ist doch wie Karneval." Kurz verlor er den Faden, machte einen Witz und fuhr mit seiner Anmoderation für das Beste Maskenbild fort. Fatih Akins (45) Horrorfilm "Der goldene Handschuh" (2019) über einen Hamburger Serienmörder gewann den Preis.

"Gebt ihm eine Großaufnahme"

Im Rennen für den besten Hauptdarsteller setzte sich Alexander Scheer ("Gundermann") gegen Jonas Dassler ("Der goldene Handschuh") und Rainer Bock ("Atlas") durch. Scheer bedankte sich erst bei seinem Entdecker Leander Haußmann: "Gebt ihm eine Großaufnahme. Er hat sie verdient." Der Kameramann befolgte brav seine Anweisung.

Dann dankte Scheer Regisseur Andreas Dresen (55) stilecht mit einem Gundermann-Zitat "Du bist härter als der Rest." Dresen, der später den Preis für die Beste Regie bekam, nahm die Ehrung hoffnungsvoll an. "Vielleicht ist das ein Zeichen, dass wir andere Geschichten erzählen können", so Dresen, "nicht nur Geschichten von Gut und Böse, sondern differenzierter".

Die Besten Filme

Die Goldene Lola für den Besten Film trug das Team von "Gundermann" nach Hause, die (bronzene) Lola der Herzen "Der Junge muss an die frische Luft" und die Silberne das Hochsee-Drama "Styx" (2018) über eine Seglerin, die auf ein Flüchtingsboot trifft. Susanne Wolff (46) wurde hierfür mit dem Preis als Beste Darstellerin geehrt, außerdem bekam das Team für die Beste Tongestaltung und die Beste Kamera-/Bildgestaltung jeweils eine Lola.

Auch wenn nicht jeder Favorit die begehrte Trophäe nach Hause nehmen konnte, fand Alexander Fehling (38, Beste Nebenrolle: "Das Ende der Wahrheit") im Anschluss an die Verleihung tröstende Worte: "Verlieren und gewinnen. Man sollte diese Worte eigentlich verbannen. Es wird halt jemand ausgewählt." Und das mit viel Herzblut. Moderiert wurde die Preisverleihung von Désirée Nosbusch (54) und Tedros "Teddy" Teclebrhan (35).

Die Preisträger des Abends

Bester Spielfilm in Gold: "Gundermann" +++ Bester Spielfilm in Silber: "Styx" +++ Bester Spielfilm in Bronze: "Der Junge muss an die frische Luft" +++ Beste weibliche Hauptrolle: Susanne Wolff ("Styx") +++ Beste männliche Hauptrolle: Alexander Scheer ("Gundermann") +++ Beste weibliche Nebenrolle: Luise Heyer ("Der Junge muss an die frische Luft") +++ Bester männliche Nebenrolle: Alexander Fehling ("Das Ende der Wahrheit") +++ Beste Regie: Andreas Dresen ("Gundermann") +++ Bestes Drehbuch: Laila Stieler ("Gundermann") +++

Beste Kamera/Bildgestaltung: "Styx" +++ Bester Schnitt: "Of Fathers and Sons" +++ Bestes Szenenbild: "Gundermann" ++ Bestes Kostümbild: "Gundermann" +++ Bestes Maskenbild: "Der goldene Handschuh" +++ Beste Filmmusik: "Wackersdorf" +++ Beste Tongestaltung: "Styx" +++ Bester Dokumentarfilm: "Of Fathers and Sons" +++ Bester Kinderfilm: "Rocca - Verändert die Welt" +++ Publikumspreis: "Der Junge muss an die frische Luft" +++ Ehrenpreis (Jurypreis): Margarethe von Trotta.

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