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Detlef Soost "Ich habe gelernt, dass Ängste surreal sind"

Detlef Soost
© Anthea Schaap / imago images
Vom "Popstars"-Juroren zum Mental-Coach – Detlef Soost blickt auf spannende Projekte zurück. GALA verrät er nun, was hinter seiner Erfolgsformel steckt, wie er mit der Angst um seine Kinder umgeht und welchen Einfluss die eigene Vergangenheit auf sein neues Programm genommen hat.

Was ist eigentlich Erfolg? Detlef Soost, 51, feierte beruflich und privat jedenfalls viele solcher Erlebnisse. Doch der Lebenslauf des Fitness- und Tanztrainers ist gleichermaßen beeindruckend wie bedrückend: In seiner Kindheit musste er schwere Schicksalsschläge verkraften. Aus seinem turbulenten Leben erwuchs der Wunsch, das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen – ohne dabei den Blick für das Ganze zu verlieren.

In seinem neuen Format "Master your Mind", das auf dem interaktiven Fitness-Spiegel VAHA verfügbar ist, kommt der Berliner virtuell in die Wohnzimmer seiner Klient:innen: komfortabel, neu, effektiv. Bei aller Erfahrung weiß Detlef aber auch, dass er mit seinem Mental-Coaching keinen Therapeuten ersetzen kann. Wieso er trotzdem von der Wirksamkeit von "Master your Mind" überzeugt ist, erzählt er im exklusiven Interview.

Detlef Soost im GALA-Interview

GALA: Du leitest durch ein Programm, das den Teilnehmenden verspricht, ihr Mindset zu transformieren. Wie wichtig ist die mentale Einstellung im eigenen Leben?
Detlef Soost: Das ist die große Frage, die jeden interessiert – wie werde ich in allen Bereichen meines Lebens glücklich und fühle mich sicher, wie kann ich meine Zweifel loswerden? Das Schöne daran ist: You are not alone. Gerade die, die in der Öffentlichkeit am sichersten wirken, sind meist am unsichersten. Oft gelingt das durch die "Fake it till you make it"-Regel. Denn das, was wir denken, beeinflusst unser Gefühl und somit unser Unterbewusstsein. Die mentale Einstellung ist also unglaublich wichtig.

Verrätst du uns das Geheimrezept für Glück und Erfolg?
In der 6 Wochen-Challenge mit VAHA nehmen wir das ganz genau auseinander, nämlich die "5 steps to success". Es ist egal, ob es darum geht, Selbstbewusstsein entwickeln zu wollen, um einen Partner zu finden, oder im Job durchzustarten. Das alles braucht die gleichen mentalen Methoden. Die erste ist der Traum: Die meisten Menschen können gar nicht genau sagen, was sie eigentlich wollen. Ich nutze dabei immer die "SMART"-Formel: eine Vision muss spezifisch, messbar, attraktiv und realistisch sein. Doch das Wichtigste: Du sollst dein Ziel terminieren. Sprich vor deinem geistigen Auge aus, wann du es erreicht haben wirst.

Detlef Soosts Programm "Master your Mind"
Detlef Soosts Programm "Master your Mind"
© VAHA

Je konkreter ich meinen Traum formuliere, desto besser?
Ja. Wir brauchen einen klaren Plan. So wie ich damals, als ich in 10 Wochen 20 Kilo abgenommen habe. Bis auf das Lächerlichste habe ich es heruntergebrochen: 285 Gramm am Tag. Das ist schaffbar. Mit dem Plan kam das Selbstvertrauen, dass ich das wirklich erreichen kann. Die meisten Menschen scheitern bereits an dieser Entscheidung. Du musst dich committen, einen Vertrag mit dir selbst schließen. 

"Das Leben ist keine gerade Linie"

Ist es denn realistisch, dass man absolut alles im Leben erreichen kann?
Wir lernen auch aus Fehlern. Unser Leben ist keine gerade Linie, denn dann wären wir tot. Erfolg, Misserfolg, Erfolg und immer so weiter – das ist wie die Lebenslinie. Du wirst natürlich auch Tage haben, die nicht so gut laufen. Aber wenn man weiß, dass auch ein Misserfolgserlebnis dazu gehört und man trotzdem nicht von seinem Weg abkommt, dann bleibt man dran. 

Darf man bei einem solchen Misserfolg auch mal wütend und traurig sein?
Ja. Du sollst traurig sein und dich ärgern dürfen. Nach einem Rückschlag können wir uns vornehmen, das beim nächsten Mal zu vermeiden. Erlaube dir auch diese Emotionen, denn dann kannst du etwas daraus lernen. Lebe auch diese Seite aus – nur nicht übertreiben.

Seine Mutter litt unter manischer Depression und Schizophrenie 

Nun gibt es aber psychische Krankheiten, die eine Psychotherapie erfordern, kein Mental-Coaching. Siehst du diese Grenze immer?
Absolut. Ich habe es selber an meiner Mama gesehen, sie war manisch-depressiv und schizophren. Als ich vier Jahre alt war, hat sie versucht, sich das Leben zu nehmen, mit neun bin ich ins Kinderheim gekommen. Ich habe erlebt, was so eine Krankheit bedeutet. Ich bin heute sehr schnell dabei, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wann etwas in die krankhafte Richtung geht, auch wenn ich kein Psychologe bin. Ich bin in solchen Fällen der erste, der sagt: Bitte hole dir professionelle Hilfe. Ich gebe gerne Impulse für ein erfolgreiches Leben, aber: Ich bin eben kein Psychiater. Würde ich mir das als Coach anmaßen, wäre das ein großes Risiko für die Betroffenen. 

Hast du denn selbst auch Ängste?
Die einzige Angst, die mich umtreibt, dreht sich um meine Kinder. Fährt meine Tochter mit dem Roller zur Schule und ich bekomme einen Anruf – ich will es gar nicht weiter formulieren. Das kennen alle Eltern. Ansonsten habe ich gelernt, dass Ängste surreal sind. Ich gehe in solchen Momenten sofort zurück in die Realität, also: Wie oft ist so etwas schon passiert? Wie wahrscheinlich ist dieses Szenario? Dann werde ich ruhiger.

Du trittst immer selbstbewusst auf. Wo kommt das her?
Das war nicht immer so. Früher dachte ich, ich kann nichts, ich bin nicht liebenswert. Doch dann habe ich jeden Tag meine Hausaufgaben gemacht. Ich denke an meine Familie, höre Musik, grinse regelmäßig in den Spiegel. Das aktiviert biochemische Prozesse im Körper. Das alles fliegt mir auch nicht zu, ich mache diese Hausaufgaben jeden Tag kontinuierlich, das brachte mich zum Erfolg.   

„Ich musste lernen, mein Coaching nicht zuhause unterzubringen“

Erwischst du dich manchmal dabei, wie du jemanden in deiner Familie oder deinem Freundeskreis unaufgefordert coachst?
Also ich bin ganz ehrlich – das ist eine meiner Hausaufgaben. Oft merke ich das bei meiner Frau. Mit ihr musste ich lernen, mein Coaching-Feeling nicht immer zuhause unterzubringen. Was ich aber mit meinen Kindern mache: Wenn sie nach der Schule ins Auto steigen, sollen sie mir drei positive Dinge nennen, die an dem Tag passiert sind. Das sind Kleinigkeiten, die viel bewirken. Aber ich halte niemandem einen Vortrag über die "5 steps to success" – das würde nach hinten losgehen (lacht). 

Du feierst nächstes Jahr deinen zehnten Hochzeitstag mit deiner Frau Kate Hall. Hast du einen Tipp, wie man eine Ehe über diesen langen Zeitraum frisch hält?
Liebe und Beziehung sind – egal wie abgedroschen es klingt – harte Arbeit. Wir sind seit 13 Jahren zusammen, dass da nicht immer alles gut läuft, ist das Normalste der Welt. Am wichtigsten ist es, den anderen zu verstehen, sich in den Stuhl des Gegenübers zu setzen. Kate und ich machen das jetzt seit ein paar Jahren – wir gehen weniger in konfrontative Situationen, sondern mehr in konstruktive. Das bringt uns immer weiter. 

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Wann ist Detlef Soost in allen Lebensbereichen erfolgreich?
Ich fühle mich besonders erfolgreich im Leben, wenn ich mit meinen Kids und meiner Frau am Küchentisch sitze und wir "Stadt Land Fluss" spielen. Das ist für mich wahres Glück. Dazu ist es notwendig, dass die Grundvoraussetzungen stimmen: Gesundheit, ein Dach über dem Kopf, die Beziehung pflegen. Erst auf der Basis von diesen "Surroundings" kann ich meinen persönlichen Erfolg erreichen.

Verwendete Quelle: Eigenes Interview

Information zu Hilfsangeboten

Sie haben suizidale Gedanken? Die Telefonseelsorge bietet Hilfe an. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0800/1110111 und 0800/1110222 erreichbar. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der "Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention".

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