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David Garrett "Ich habe die Kerze an beiden Enden angezündet"

David Garrett
© Stefan M. Prager / Getty Images
Für David Garrett hängt der Himmel seit Jahren voller Geigen. Doch in seiner langen Karriere gab es offenbar auch einige Misstöne. Der Violinist hat Höhen und Tiefen kennengelernt – und dabei mit seiner Gesundheit gespielt.   

David Garrett ist 41 Jahre alt. In seiner Karriere hat der Geiger alles erreicht, was man sich als Musiker wünschen kann. Bisher hat er rund 1600 Konzerte weltweit gespielt. Seine Fans lieben ihn und warten sehnsüchtig auf jede Veröffentlichung. Das hat sein ehrgeiziges Herz voll und sein Konto millionenschwer gemacht. Doch der Weg bis zum Zenit war steinig. In seinen Anfängen ging der Musiker bis an sein Limit und litt sogar unter Panikattacken. 

David Garrett: Kein Geld für die Miete und nichts im Kühlschrank

Als 20-jähriger Student in der Metropole New York ging es zunächst um seine pure Existenz: "Ich hatte vier Jahre keine Einkünfte aus Konzerten und habe mich damals mit allen möglichen Jobs über Wasser gehalten, sogar als Unterwäsche-Model", erinnert sich Garrett im Gespräch mit "Bild" und beschreibt sein finanzielles Dilemma weiter im Detail: "Die Geldnot war so groß, dass ich meine Miete nicht mehr zahlen konnte und ich nichts mehr zu essen im Kühlschrank hatte. Mein Konto war ständig leer.“

Dennoch hielt der junge Nachwuchsgeiger durch, blieb in den USA und erarbeitete sich Stück für Stück seinen Erfolg. Dabei schöpfte er alle Ressourcen aus: "Mein Motto war lange Zeit: Arbeiten bis zum Limit, feiern bis zum Limit." Der neue Erfolg ließ David übermütig werden: "Ich konnte mir plötzlich ein teures Auto, eine tolle Wohnung und den besten Tisch im Club leisten. Natürlich habe ich dieses Leben voll ausgekostet. Das war schon ein ziemlicher Ego-Trip", gibt er heute zu. 

Kurze Lieben mit bösen Folgen

Auch sein Liebesleben kam nicht zu kurz, wie es scheint. Sein gutes Aussehen gepaart mit Charisma und Bekanntheit dürften ihm bei seinen kurzlebigen Bekanntschaften durchaus zum Vorteil gereicht haben. "Als Mann sucht man natürlich auch nach körperlicher Nähe. Und New York ist ein Pflaster, wo man das reichlich findet. Ich hatte aber immer weniger Zeit, jemanden näher kennenzulernen und die 'Schnellschüsse' häuften sich." 

Aus diesen Affären entstand für David allerdings nicht immer ein sorgloses Vergnügen ohne Konsequenzen. Öffentliche Plaudereien über seine Liebhaberqualitäten, heimliche Einkäufe mit seiner Kreditkarte und zu guter Letzt sogar schwere Anschuldigungen ließen den bis dato unbedarften Genießer Lehrgeld zahlen. "Natürlich bin ich auch mal an die falsche Frau geraten, was ich aber leider erst zu spät bemerkt habe. Jeder Mann hat ja ein Ego, und wenn das gefüttert wird, denkt man über manche Dinge nicht so nach. Da hätte ich meinen Verstand mehr benutzen sollen, aber das Leben ist zum Lernen da und gewisse Dinge würden mir heute sicher nicht mehr passieren."

"Mein ganzer Körper hat gezittert und vibriert"

Ein Leben auf der Überholspur, bei dem es auch schon einmal zu Kollateralschäden kommen kann. Doch als 2015 plötzlich die Gesundheit nicht mehr mitspielen will, erkennt David den Ernst der Lage. "Vor Auftritten fing mein Herz an, heftig nach oben zu pochen. Ich hatte das Gefühl, ich laufe mit Adrenalin voll. Mein ganzer Körper hat gezittert und vibriert. Ich hätte die Wände rauf und runter gehen können. Ich habe in diesen Momenten wirklich gedacht, ich sterbe." Vollkommene Panik, die durch die Angst vor wiederholten Attacken noch gesteigert wird. "Wenn du es einmal erlebt hast, willst du es nicht noch mal erleben." Die einzige Medizin: sein Instrument. "Komischerweise gingen die Attacken weg, wenn ich die Geige in die Hand genommen und gespielt habe."

Ein Jahr lang wurde Garrett von den Anfällen tief erschüttert. "Ich habe in dieser Zeit wirklich die Kerze an beiden Enden angezündet und bin zu Konzerten ständig zwischen den Zeitzonen hin- und hergeflogen", berichtet er. Es sei ein wahnsinniger Stress gewesen. Alleine fünf Managements hätten seine Abläufe bestimmt.  

"Fünf vor zwölf"

Im Jahr 2016 wird ihm klar, dass es so nicht weitergehen kann. Damals liegen vier Jahre unter Dauerdruck hinter dem Weltstar. "Es war schon fünf vor zwölf und ich musste mein Tempo komplett herunterfahren. Mein Körper hat mir gesagt, dass es so nicht weitergeht“, verdeutlicht Garrett rückblickend.  

Heute lässt es der 41-Jährige eher ruhig angehen. Seine Erlebnisse hat er in der Autobiografie "Wenn ihr wüsstet" verarbeitet, die am 8. März 2022 erscheinen wird. Seit drei Jahren ist er zudem glücklich vergeben. Seine Freundin sei nicht wild auf Öffentlichkeit, verrät er. Und auch David genießt die Privatsphäre. Er müsse sein Glück nicht nach außen präsentieren, bekennt er zufrieden und betont: "Ich trage es im Herzen". 

Verwendete Quelle: bild.de

ama Gala


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