Daniela Schadt Glanz statt Glamour

Daniela Schadt
Daniela Schadt
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First Lady war nicht ihr Traumjob. Doch nach einem Jahr im Schloss Bellevue zeigt sich, dass Daniela Schadt viel mehr Spaß daran hat als erwartet. "Gala" schaute ihr dabei über die Schulter

Es gibt diesen einen Moment bei ihrem ersten großen Solo-Termin im Schloss Bellevue. Diese Sekunde, in der es scheint, als wisse Daniela Schadt nicht, wo sie hingehört. Gleich beginnt das Defilee für die Ehegatten des Diplomatischen Corps, vor den Türen des "Salon Luise" hört man schon Stimmengewirr der Gäste, drinnen dirigiert die Protokolldame letzte Handgriffe. Als Daniela Schadt, 53, eintritt, sieht es so aus, als wolle sie sich zu den wartenden Reportern gesellen. Aus purer Vertrautheit.

Als müsse sie sich selbst daran erinnern, dass sie jetzt auf der anderen Seite steht. Ob sie Lampenfieber habe, fragt einer der Ex-Kollegen, und sie antwortet, ganz auf Augenhöhe: "Ja, ganz ordentlich." Kurz spreizt sie die Finger, schlackert die Beine aus und strafft sich. Ab jetzt ist sie ganz in ihrer Rolle als First Lady. Als Joachim Gauck, 73, am 18. März 2012 nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten mit den Worten "Was für ein schöner Sonntag!" ans Rednerpult trat, hatte Daniela Schadt gerade ihre Stelle als Ressortleiterin Innenpolitik bei den "Nürnberger Nachrichten" aufgegeben. "Da schreibst du dich 20 Jahre durchs Weltgeschehen - und dann kommt so was", hatte sie einer Kollegin nach der Kandidatur ihres Lebensgefährten anvertraut. Diplomatische Zurückhaltung statt meinungsstarker Leitartikel, repräsentieren statt recherchieren?

Klug, offen, direkt: Mit diesen Eigenschaften besticht Daniela Schadt als First Lady. Der Job ist befristet - die Amtszeit von Joachim Gauck als Bundespräsident endet 2017.
Klug, offen, direkt: Mit diesen Eigenschaften besticht Daniela Schadt als First Lady. Der Job ist befristet - die Amtszeit von Joachim Gauck als Bundespräsident endet 2017.
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Es geht auch anders, das hat Daniela Schadt im ersten Amtsjahr bewiesen. "Sie will nicht nur Charity-Lady sein, sondern wirklich etwas bewegen", sagt Agnes Kirch von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), deren Schirmherrin Daniela Schadt ist, zu "Gala". "Sie ist sehr klug, offen und herzlich und hilft uns richtig bei unserer Arbeit." Zielgerichtet hat sich Daniela Schadt den Schwerpunkt Jugendarbeit ausgesucht: "Wir müssen weg von dem, was junge Menschen nicht können, hin zu dem, worin sie gut oder sogar großartig sind", sagt sie.

Früher hat sie das Geschehen vom Schreibtisch aus kommentiert, als First Lady ist sie mittendrin. Und behält dennoch ihren kritischen Blick. Als Unicef kürzlich im Schloss Bellevue tagte, um die Errungenschaften von Mobiltelefonen für die Entwicklungshilfe zu feiern, macht sie in ihrer Einführungsrede keinen Hehl daraus, dass sie Handys gelegentlich für eine Plage hält. Man solle sich doch bewusst sein, dass Jugendliche, auch in Afrika, mit ihrem Handy vor allem simsen und daddeln - ob Entwicklungshilfe und Aufklärung tatsächlich bei ihnen ankommt? Doch Rudi Tarneden von Unicef Deutschland mag genau diese unkonventionelle Art: "Wir sind sehr glücklich mit ihr. Daniela Schadt ist eine überzeugende Botschafterin für die Rechte der Kinder."

Mit Pathos hat sie es nicht so - anders als der großartige Rhetoriker Joachim Gauck. Das merkt man bei ihren Reden, wenn ihre Stimme zum Ende eines Satzes oftmals leiser wird. Dafür ist sie ganz groß im Zweiergespräch. Beim Neujahrsempfang gibt sie jeder einzelnen Diplomatengattin das Gefühl, das 60-sekündige Shakehands sei ein intimer Moment, trotz Kameras, Mikrofonen und der Warteschlange. Souverän wechselt sie die Sprachen, sagt mal mütterlich "Bleiben Sie gesund" oder mit einem Augenzwinkern "Hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass ich heute hier stehe". Und immer wieder schlackert sie wegwerfend mit der linken Hand, nach dem Motto: Wir sprechen gleich noch mal weiter, wenn der Zauber hier vorbei ist.

Mitte Januar empfing Daniela Schadt die Ehepartner des Diplomatischen Corps zum Neujahrsempfang.
Mitte Januar empfing Daniela Schadt die Ehepartner des Diplomatischen Corps zum Neujahrsempfang.
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Einsatz als First Lady: Zufällig Ton in Ton aufeinander abgestimmt traf das First Couple im November auf Queen Elizabeth und Prinz Philip im Londoner Buckingham Palace.
Einsatz als First Lady: Zufällig Ton in Ton aufeinander abgestimmt traf das First Couple im November auf Queen Elizabeth und Prinz Philip im Londoner Buckingham Palace.
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Daniela Schadt ist klein und zierlich. Doch ihre Stimme ist überraschend herb. Diese Mischung aus Grazie und Bodenständigkeit verfehlt ihre Wirkung nicht - und lässt sie an der Seite von Joachim Gauck und seinem Gespür für die große Geste nicht verblassen. Neben dem "wohltemperierten Bundespräsidenten", wie "Spiegel Online" Joachim Gauck nennt, ist sie das Temperamentsbündel: "Wo habe ich denn jetzt meine Lesebrille", ruft sie ungeniert vor Beginn einer Rede. Und plaudert so lange darüber, wie sehr sie ihr Team mit dem Suchen nach der Sehhilfe auf Trab halte, bis sie ihr gereicht wird.

Bei allem Spaß am Job: Daniela Schadt tut nicht so, als sei sie am Ziel ihrer Träume angekommen. So wie sie in ihren raren Interviews immer wieder klarstellt, dass sich an ihrer Lebensform mit Joachim Gauck nichts ändern werde, so merkt sie gern mal an, dass ihr die Verfassung keine Aufgabe zuweise. Sie also auch den ganzen Tag auf dem Sofa in ihrer Dienstvilla in Berlin-Dahlem sitzen könne. Das Signal ist klar: Ich mache das hier freiwillig.

Diese Unabhängigkeit ist Daniela Schadts stärkste Eigenschaft. Sie hat nicht mal ein Problem damit, dass ihre Vorgängerin Bettina Wulff jetzt beim RTL-Spendenmarathon für die DKJS wirbt, deren Schirmherrin Daniela Schadt ist. Warum auch? Selbst die größten Fans von Bettina Wulff, die mit ihrem Auszug aus Bellevue den Verlust von Glamour beklagten, wissen heute: Daniela Schadt hat am Spreeufer 1 einfach Glamour durch echten Glanz ersetzt.

Bettina Klee

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