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Daniela Schadt Die etwas andere First Lady

Daniela Schadt und Joachim Gauck
Daniela Schadt und Joachim Gauck
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Auf Joachim Gaucks Lebensgefährtin Daniela Schadt kommen große Veränderungen zu. Von der Karrierejournalistin wird jetzt vor allem Zurückhaltung erwartet

Sie waren beide unterwegs,

als sie erfuhren, dass sich ihr Leben für immer ändern würde. Joachim Gauck, 72, saß an jenem Sonntag in Berlin im Taxi, als er den Anruf bekam, der ihn zum elften Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland machen würde. Seine Lebensgefährtin Daniela Schadt, 52, Hunderte Kilometer weiter südlich im Zug von Wien zurück nach Nürnberg. Irgendwo zwischen den beiden Städten wurde die Politikredakteurin der "Nürnberger Zeitung" selbst zu einer Nachricht.

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Schon da stand eigentlich fest: Sie würde ihren Job als Ressortleiterin Innenpolitik aufgeben und mit dem Mann ihres Herzens zusammenziehen. 150 Quadratmeter in Berlin-Dahlem. Und wenn die Bundesversammlung Joachim Gauck am 18. März zum Bundespräsidenten wählt, ist ihr Arbeitsplatz das Schloss Bellevue und ihr Job First Lady. Nicht gerade der Traumberuf für die studierte Politologin. Als Joachim Gauck vor knapp zwei Jahren schon einmal für das höchste Staatsamt kandidierte, vertraute sie einer Kollegin laut "Süddeutscher Zeitung" an: "Da schreibst du dich 20 Jahre durch das Weltgeschehen und dann kommt so was." "So was" meint in erster Linie den Umstand, dass es beim Duo Gauck/Schadt nicht funktioniert wie bei Bundeskanzlerin Merkel und ihrem Mann Joachim Sauer, der weiter als Chemieprofessor arbeitet. Wenn Gauck Bundespräsident ist, kann Daniela Schadt nicht weiter über deutsche Innenpolitik schreiben. "So was" meint aber auch die Forderungen aus der CSU, Joachim Gauck und Daniela Schadt müssten heiraten. Und "sowas" meint die geballte mediale Aufmerksamkeit, die ihr nun entgegenschlägt. Denn wenn es Daniela Schadt irgendwo nicht hingezogen hat, dann ins Scheinwerferlicht.

Die Steinbock-Frau gilt als höchst bodenständig. Aus ihrer Geburtsstadt Hanau ging sie zum Studium der Geisteswissenschaften nach Frankfurt, danach direkt in den Journalismus. Sie volontierte bei der "Nürnberger Zeitung" und prägte das Blatt mit ihren "meinungsstarken Leitartikeln", wie der stellvertretende Chefredakteur Stephan Sohr "Gala" erzählt: "Viele Leser äußern in den letzten Tagen ihr Bedauern über den Weggang von Frau Schadt." Auch die Kollegen lassen sie nur ungern gehen. Sie sei "im besten Sinne kommunikativ", ginge auf Kollegen zu, nehme auch Praktikanten ernst. Sie sei sehr lustig, aber wenn es sein musste - und manchmal musste es wohl sein - auch eine unerbittliche Streiterin. "Sie kämpfte für ihre Ansichten und Themen."

Daniela Schadt und Joachim Gauck mit seiner Tochter Gesine Lange, 45.
Daniela Schadt und Joachim Gauck mit seiner Tochter Gesine Lange, 45.
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In Zukunft wird nun gerade dies nicht von ihr erwartet, sondern Zurückhaltung und Neutralität. Sohr: "Ich denke aber schon, dass sie sich über die Schirmherrschaften, die sie übernehmen wird, in die öffentliche Debatte einschalten, das Politische aber dem Präsidenten überlassen wird. Sie weiß als Profi ja auch, wie die Rollen verteilt sind. Sie wird sich da keine Blöße geben." Bisher gelingt ihr das gut: "So furchtbar ungeordnet finde ich unsere Verhältnisse gar nicht. Wir sind alle auf gutem Fuß miteinander", sagte Daniela Schadt vergangene Woche der "Bild am Sonntag" in Sachen "Heiratsforderung". Klares Signal: Sie lässt sich kein Thema aufzwängen, und schon gar nicht in Herzensdingen.

Rückzug: Im "Haus am Deich" verbrachte Joachim Gauck seine ersten Lebensjahre. Die drei Ferienwohnungen sind frei buchbar - wenn
Rückzug: Im "Haus am Deich" verbrachte Joachim Gauck seine ersten Lebensjahre. Die drei Ferienwohnungen sind frei buchbar - wenn keiner der Gaucks reserviert hat.
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Dani und Jochen, wie die beiden einander nennen, lernten sich im Jahr 2000 bei einem Vortrag Gaucks kennen, der damals noch Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen war. "Ich denke mal, ihre gegenseitige Meinungsstärke hat sie füreinander eingenommen", mutmaßt Stephan Sohr gegenüber "Gala". Und weiter: "Daniela Schadt ist in all den Jahren nie mit ihrer Beziehung zu Herrn Gauck hausieren gegangen." Warum auch! Ihren Posten als Ressortleiterin Innenpolitik füllte die liberalkonservative Frau voll aus. Die Wochenendbeziehung spielte sich gut ein, die Pendelei zwischen Franken und Berlin war kulturell bereichernd. Eigene Kinder hat Daniela Schadt nicht, aber die Gauck-Kinder nahmen sie freundlich auf - schließlich trat sie erst in Gaucks Leben, als der schon zehn Jahre von seiner Frau Gerhild getrennt war. Radfahren, Literatur, Klassik-Konzerte und interessante Begegnungen - ein erfülltes Leben. Ein bodenständiges Leben, in dem sie das Blitzlichtgewitter stets zu vermeiden suchte. Und so wird sie ihre Aufgaben als First Lady sicherlich ganz anders ausfüllen, als dies Bettina Wulff tat: "Daniela Schadt ist eine sehr eigenständige, reife, wissende und intelligente Persönlichkeit", so Stephan Sohr. Das mag die Erwartung auf glamouröse Bilder dämpfen. Doch gibt es da etwas ganz anderes, was dem künftigen Präsidentenpaar Glanz und Würde verleiht. Es ist eine gewisse Unabhängigkeit, eine Offenheit, Lebensneugierde, die sowohl der einstige Freiheitskämpfer Gauck als auch Daniela Schadt ausstrahlen. Und vermutlich eine gewisse Unerschrockenheit gegenüber dem, was gerade auf sie einstürmt.

Ruhe und Kraft findet das Paar in einem reetgedeckten Rotklinkerbau in Wustrow auf dem Darß. Das "Haus am Deich" ist so unprätentiös wie die beiden. Ein Tor gibt es nicht, der hüfthohe Holzzaun ist im Eingangsbereich einfach unterbrochen. Autos der Feriengäste parken auf schwarzem Rollsplit, gegenüber steht noch eine Datsche aus DDR-Zeiten. Über Gaucks Schwester Marianne kann man hier Ferienwohnungen mieten. Es sei denn, jemand aus dem weit verzweigten Gauck-Clan urlaubt hier, wenige Schritte vom Strandaufgang 10 entfernt. Als Joachim Gaucks Großmutter Antonia das Haus 1936 erbauen ließ, raunten die Wustrower, es stehe viel zu nah am Meer. Doch das Haus hielt Wasser und Sturm stand, ebenso zwei Diktaturen. Einen symbolträchtigeren Ort zum Auftanken kann es kaum geben. Bettina Klee Mitarbeit: Annette Dönisch

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