Daniel Radcliffe: "Zu groß darf das Ego nicht werden"

Haben Sie diesen jungen Mann auf den ersten Blick erkannt? Daniel Radcliffe hat sich seit "Harry Potter" enorm verändert. Nicht nur, was die Gesichtszüge angeht

Daniel Radcliffe

Seitdem Jennifer Aniston in seine Straße im New Yorker West Village gezogen ist,

kann Daniel Radcliffe sein Apartment verlassen, ohne die Kapuze hochzuziehen und den Kopf zu senken. Die Paparazzi wollen nur noch Jennifer - Radcliffe schlendert jetzt unbehelligt an den Fotografen vorbei. "Wow, die wissen endlich, wie langweilig ich bin!", sagt der einstige Zauberlehrling "Harry Potter" grinsend im "Gala" -Interview. "Morgens in Ruhe das Haus verlassen, zur Arbeit gehen, abends wiederkommen - das ist jetzt mein Leben."

Verwandlung: Vom scheuen Zauberlehrling (2001) zum New Yorker Broadway-Star.

Klingt antriebslos für einen 22-Jährigen? Das täuscht. Radcliffe ist ambitioniert und weiß genau, was er will. Und auch, was er nicht will: als womöglich tragisch gescheiterter Ex-Kinderstar in Erinnerung bleiben. Er analysiert nüchtern die Mechanismen der Filmbranche, erkennt und nutzt seine Chancen. Seine Gesichtszüge sind markant, und gern trägt er Bartstoppeln. Er ist nur 1,65 Meter groß, aber trotzdem ein ganzer Mann. Die Augen schauen immer noch so schelmisch in die Welt wie damals, als Daniel Radcliffe mit zehn Jahren im Fernsehen David Copperfield spielte oder mit zwölf seinen ersten "Potter" drehte. Doch heute sagt er so ab geklärte Sätze wie: "Ich habe dieses ganze wilde Rockstarleben hinter mir. Glauben Sie mir, ich habe alles gemacht! Und ich war nicht besonders gut darin. Zum Glück wurde darüber nie so viel in den Zeitungen berichtet, dass es meinem Image richtig geschadet hat, aber jetzt habe ich damit aufgehört."

Zum Ende seiner "Potter"-Karriere war er auf dem besten Weg, es Macaulay Culkin und Lindsay Lohan nachzutun: Die beiden letzten Filme seiner Fantasy-Serie drehte er nach eigener Aussage vorwiegend angetrunken. "Mit 20 war ich ein Einsiedler. Ich saß tagelang zu Hause und trank. Ich war nicht mehr ich selbst." Wie denn auch, wenn man mit acht "Harry Potter"-Blockbustern und dem Merchandising drum herum schon 27 Millionen Euro verdient hat, von Mädchen und erwachsenen Frauen auf der ganzen Welt umschwärmt wird, Immobilien in London, New York und Australien besitzt sowie Originale von Andy Warhol und Damien Hirst? Heute sinniert Daniel Radcliffe: "Zu groß darf das Ego nicht werden. Der Schlüssel ist, sich auf die Arbeit zu konzentrieren und sich nicht vom Erfolg ablenken zu lassen."

Radcliffe mit seiner Freundin Rosanne Coker, 22. Die Produktionsassistentin lernte er noch am Set von "Harry Potter" kennen - wie alle seine Freundinnen vor ihr. Fast zwei Jahre sind die beiden inzwischen ein Paar.

Eine Auszeit kam dem Vielbeschäftigten auch nach dem "Harry Potter"-Ende vor zwei Jahren nicht in den Sinn. Im Gegenteil: Er kümmerte sich nun intensiv um seine Dyspraxie, die Koordinationsstörungen, an denen er von klein auf litt. Radcliffe trainierte intensiv Tanz und Gesang - und spielte schon bald in dem Broadway- Musical "How To Succeed In Business Without Really Trying". Acht Mal pro Woche, neun Monate lang. Dazwischen brachte er irgendwie noch den Dreh für zwei Independent-Filme unter und spielte die männliche Hauptrolle im Mystery-Thriller "Die Frau in Schwarz" (ab 29. März im Kino). Warum lässt er es bis heute nicht mal ein bisschen langsamer angehen? "Ich würde dann unruhig und wüsste nicht so recht, was ich mit mir anfangen soll", sagt er und stimmt der Vermutung zu, dass er diese Rastlosigkeit als Altlast aus seiner Jugend mitschleppt. "Ich habe nie gelernt, meine Freizeit zu gestalten. Ich bin einfach sehr, sehr glücklich, wenn ich arbeiten kann." Sein Ziel: "Ich möchte, dass die Leute ins Kino gehen und in den ersten zehn Minuten noch denken: 'Oh, das ist ja Harry Potter.' Und danach: 'Wow, was für ein aufregender Film!'" Zuletzt stand Radcliffe als junger Allen Ginsberg vor der Kamera; er spielt den charismatischen homosexuellen Dichter aus der Beat Generation im Thriller "Kill Your Darlings". 2010 stellte bereits James Franco Ginsberg dar, damals in "Howl" - Franco katapultierte sich damit in Hollywoods A-Liga. Da will auch Radcliffe hin. George Clooney, Brad Pitt und Johnny Depp sind seine Vorbilder. So unerschrocken das klingt, so sehr kennt Daniel Radcliffe nach wie vor die Phasen des Zweifels. Doch heute betäubt er sich nicht mehr mit Drinks. Heute kann er mit dem Erwartungsdruck umgehen. "Diese Angst ist mittlerweile ein guter Motivator für mich", sagt er. Und: "Es gibt so viele Leute da draußen, die auf einen Skandal von uns warten (er meint sich und seine ehemaligen Co-Stars Rupert Grint und Emma Watson, Anm. d. Red.). Denen allen will ich es beweisen!" Bettina Klee, Julide Tanriverdi Mitarbeit: Arndt Striegler

Theater-Stars

Vorhang auf!

Nichts für schwache Nerven: Schauspielerin Ulrike Folkerts, bekannt als Tatort-Kommissarin (Lena Odenthal), steht in Mannheim im Nationaltheater für das Stück "Für immer schön" auf der Bühne. Blutverschmiert und mit gruseligen, milchig weißen Augen sorgt sie für Gänsehaut in den Zuschauerrängen.
Bei den "Bad Hersfelder Festspielen" steht Sängerin Sandy Mölling als Eliza Doolittle auf der Bühne.
Désirée Nick steht am Ernst Deutsch Theaters in Hamburg als die große Joan Crawford auf der Bühne.
Premierenabend am Broadway: Oscarpreisträgerin Lupita Nyong'o spielt in dem Stück "Eclipsed" in New York.

94

Themen

Erfahren Sie mehr:

Star-News der Woche