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Daniel Craig "Ich hatte Angst vor Bond"

Daniel Craig
© Stefanie Keenan / Getty Images
Daniel Craig erzählt im Exklusiv-Interview mit Frauke Ludowig von Selbstzweifeln und einer Nacht mit viel zu vielen Wodka Martinis.

Sein Anzug sitzt perfekt, seine Krawatte und das Einstecktuch verraten echten Stil – und dazu dieses charismatische Lächeln. Als Daniel Craig, 53, mir in London gegenübersteht, sieht er aus, als würde er gleich wieder die Welt retten müssen. Doch der neue Bond-Film "Keine Zeit zu sterben" wird sein letzter sein – nach 15 Jahren im Dienste Ihrer Majestät. Der smarte Brite wirkt aber überhaupt nicht geknickt. Nur das Premieren-Lampenfieber kann er selbst mit seiner Coolness nicht überspielen: "Na klar bin ich nervös. Wir machen den Film ja nicht für uns, sondern für die Zuschauer."

Daniel Craig im exklusiven Interview

Frauke Ludowig: Kaum zu glauben, dass es Ihr letzter Bond-Film ist.
Daniel Craig: Aber so ist es!

Warum?
Es gibt immer eine Zeit aufzuhören. Und die ist nun gekommen. Aber ich bin natürlich auch etwas traurig.

Was dürfen die Fans erwarten?
Eine tolle Story – der Film ist unglaublich geworden. Ich bin sehr stolz.

Die Rolle hat sein Leben verändert

Dabei wollten Sie anfangs gar nicht der neue Bond sein.
Stimmt, ich habe damals mit vielen interessanten Regisseuren gearbeitet, hatte eine Karriere. Ich dachte, wenn ich die Rolle annehme und scheitere, ist meine Karriere vorbei. Ich hatte Angst, dass es mein Leben verändern würde. Und das hat es – mehr, als ich es mir je vorstellen konnte. Zum größten Teil glücklicherweise zum Besseren.

Wer oder was hat Sie umgestimmt?
Gott sei Dank habe ich einige gute Freunde, mit denen ich lange und intensiv gesprochen habe, auch mit meiner Familie. Und alle sagten: Du wirst es bereuen, wenn du es nicht machst.

Er feierte mit Wodka Martinis 

Wie haben Sie auf den Anruf reagiert, dass Sie die Rolle bekommen?
Ich schob in Baltimore gerade einen vollen Einkaufswagen durch den Supermarkt, als mich Produzentin Barbara Broccoli anrief. Statt der Lebensmittel habe ich dann eine Flasche Wodka, eine Flasche Wermut und einen Cocktail-Shaker gekauft. Und mich mit Wodka Martinis betrunken.

Klingt gut.
Aber auch etwas traurig, weil ich allein war. Später bin ich mit einem breiten Lachen im Gesicht in eine Bar gegangen. Der Kellner fragte mich, was los sei. Aber ich konnte es ihm ja nicht verraten. Er dachte sicher, ich sei verrückt.

Erinnern Sie sich an Ihr erstes "Bond, James Bond" am Set?
Das war beängstigend.

Warum?
Es ist eine ikonische Zeile mit so viel Gewicht. Ich wollte so entspannt wie möglich sein und mir keine Sorgen machen. Aber das war unmöglich. Ich musste sie mehrmals wiederholen.

Haben Sie den Satz nicht vor dem Spiegel geübt?
Nein, aber das hätte ich wohl besser machen sollen!

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Bevor Ihr erster Bond-Film "Casino Royale" ins Kino kam, wurden Sie von manchen als Fehlbesetzung bezeichnet. Hat Sie das getroffen?
Dagegen konnte ich nichts tun. Bond-Fans sind leidenschaftlich, sie haben eine Verbindung zu ihm. Ich war neu, und die Leute an Pierce Brosnan gewöhnt. Das war ihr James Bond! Was sollte ich tun? Meine einzige Chance war ein guter Film!

Und der ist Ihnen gelungen.
Als ich den Film sah, noch ohne die Spezialeffekte, wusste ich, es funktioniert. Aber ich hätte nicht gedacht, dass es solch ein Erfolg wird. Ich war so dankbar und glücklich. Und die Reaktion der Fans war mehr, als ich jemals erwartet hatte.

Fällt es Ihnen leicht, sich selbst in einem Film anzuschauen?
Wenn ich mich zum ersten Mal sehe, frage ich mich: Warum stehst du denn so da? Was machst du denn da? Ich schaue dann nur auf mich. Erst danach kann ich schauen, wie die anderen spielen. Ich bin aber schon besser geworden. Jetzt sehe ich mir den Film bei der Premiere noch einmal an, danach nie wieder.

Wer darf Sie kritisieren?
Der Regisseur natürlich – auf sein Urteil verlasse ich mich auch. Nach dem Film ist es ja zu spät.

"Ich bin überhaupt nicht wie James Bond"

Nach all den Jahren: Wie viel Daniel Craig steckt in James Bond?
Ich denke, alle Schauspieler werden sagen, dass in jeder Rolle etwas von ihnen selbst steckt. Es ist ja auch unmöglich, dass es nicht so wäre. Aber ich bin so weit von James Bond entfernt wie nur möglich. Ich bin überhaupt nicht wie er.

Jetzt ist Schluss mit 007. Welche Pläne haben Sie für die Zukunft? Denken Sie schon an den Ruhestand?
Nein, ich liebe es zu schauspielern. Nur: Je älter man wird, desto schwieriger wird es, Texte zu lernen. Aber ich spiele, solange mein Gehirn mitmacht – und die Leute mich sehen wollen.

Gala


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