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Désirée Nosbusch Dem Schatten entkommen

Désirée Nosbusch
Obwohl sie erst 57 ist, kann Désirée Nosbusch auf unglaubliche 45 Jahre im Show-Geschäft zurückschauen. Doch für ihre Karriere zahlte sie zunächst einen sehr hohen Preis. 
© Franziska Krug / Getty Images
TV-Star Désirée Nosbusch spricht erstmals über das Trauma ihres Lebens – und wie sie es überwinden konnte.

Man könnte sie als Überlebende bezeichnen. Oder einfach als eine Frau, die lange für ihr Glück kämpfen musste – und schließlich gewonnen hat. Dafür aber ist Désirée Nosbusch, 57, durch tiefe Täler gegangen, und sie musste einigen Menschen verzeihen. Vor allem jenem Mann, der ihr Leben lange Jahre auf schreckliche Weise dominiert hat – Georg Bossert. Sie hätte an ihm zerbrechen können. Stattdessen hat sie es geschafft, aus diesem Alptraum innerlich gestärkt hervorzugehen. 

Désirée Nosbusch: "Dieser Mann hat mich vergewaltigt"

Über diese schlimmen Jahre spricht die 57-Jährige nun erstmals völlig offen in einem Buch. Ihr Fazit: "Wenn diese Zeilen auch nur einer jungen Frau Mut machen, dann hat sich der Schmerz, es aufzuschreiben, gelohnt." 

Rückblick: Als junges Mädchen fühlte sich das Leben für Désirée Nosbusch wie ein wahr gewordener Traum an: Mit zwölf wurde die sprachgewandte und bildhübsche Schülerin von Radio Luxemburg entdeckt, moderierte bald Kindersendungen. Mit 15 Jahren hatte sie bereits ihr eigenes Format; "Hits von der Schulbank" hieß es. Ihr Chef, der 30 Jahre ältere Georg Bossert, Leiter des Kinder- und Jugendprogramms, schlüpfte in die Rolle ihres Mentors. Und das so geschickt, dass niemand eingriff, als er auch noch Désirées Manager wurde, sie auf Reisen begleitete und schließlich seine Frau und seinen Sohn verließ, um mit der anfänglich noch Minderjährigen zusammenzuziehen. 

Nichts davon passierte aus freien Stücken, sagt Désirée Nosbusch heute. Und klagt an: "Dieser Mann hat mich vergewaltigt. Ich wollte es nicht, und was Liebe war, wusste ich nicht. Und danach hatte ich es schwer, es zu lernen." Außerdem stellt sie klar: "Ein Paar waren wir ganz sicher nie. Es waren Jahre voller Qualen." 

Die Erinnerungen an ihre Jugend werden immer ein Schatten sein

Es fällt ihr schwer, sich an die neun Jahre zu erinnern, die sie mit Georg Bossert verbrachte, bevor es ihr gelang, sich zu trennen: "Ich habe einen Kloß im Hals und Steine im Bauch, wenn ich an die Zeit von damals denke. Es sind Jahre meiner Jugend, von denen diese Person mir viele genommen hatte." 

Désirée Nosbusch und Georg Bossert 1990
Der Schatten, so nennt sie ihren früheren Manager Georg Bossert heute. Er trieb sie in ein Abhängigkeitsverhältnis. 1995 wurde er von seinem Sohn erstochen. 
© Peter Bischoff / Getty Images

Warum erkannte niemand ihr Leid und befreite sie aus ihrem Gefängnis? Es war wohl ein Zusammenspiel unglücklicher Umstände: Désirée selbst schwieg – weil sie sich schämte, unsicher war und ihre Eltern nicht beunruhigen wollte. Ihre Eltern, einfache Leute, versagten, weil sie die Situation nicht erfassten und dem Mann vertrauten, dem ihre Tochter ihren beruflichen Erfolg zu verdanken schien. 

Und die vielen Menschen am Set, all die Regisseure, Kameraleute? Die ignorierten alle Warnzeichen, da dieses seltsame Duo doch so erfolgreich zu agieren schien. 1990 schaffte es Désirée Nosbusch schließlich, sich zu befreien. Fünf Jahre später wurde Georg Bossert von seinem erwachsenen Sohn erstochen. Doch damit war Désirée Nosbuschs Leiden nicht vorbei. Wie sollte sie nach dieser Erfahrung noch mal einem Mann vertrauen? "Die Erinnerung daran wird immer ein Schatten sein", lautet ihr trauriges Resümee. 

Bei Harald Kloser fühlte sie sich erstmals glücklich

Ein Schatten, der sich zunächst auf all ihre Beziehungen legte: "Sich in mich zu verlieben war eine Sackgasse. Ich er widerte nichts." Bis sie Harald Kloser, 65, begegnete. "Er war der erste Mensch und auch der erste Mann, zu dem ich hinwollte. Er war das Licht, ganz einfach." 1991 heiratete sie den österreichischen Film-Komponisten in Las Vegas, das Paar bekam zwei Kinder, Luka, 24, und Noah, 27. Erstmals fühlte sie sich glücklich, bis unterschiedliche Lebensentwürfe – er wollte in Los Angeles bleiben, sie lieber in Europa arbeiten – das Paar auseinander driften ließ. Vielleicht leuchtete das Licht auch einfach nicht mehr hell genug, um den Schatten im Hintergrund zu vertreiben. 

Ihre Tochter Luka Kloser, 24, begleitete Désirée Nosbusch, 57, bei der Premiere ihres Films "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull".
Ihre Tochter Luka Kloser, 24, begleitete Désirée Nosbusch, 57, bei der Premiere ihres Films "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull".
© Gisela Schober / Getty Images

Sie suchte die Liebe und hat sie jetzt gefunden

Désirée Nosbusch tröstete sich mit dem sieben Jahre jüngeren Sänger Volkan Baydar, 50; zwei Jahre hielt die Beziehung. Danach verliebte sie sich in den früheren "Tatort"-Kommissar Mehmet Kurtulus, 49. Das Paar verlobte sich, er zog ihretwegen sogar nach Los Angeles. Kurz danach war trotzdem Schluss. 

Diese Männer waren neben mir, aber nicht mit mir.

Die Suche ging weiter. Doch ihre nächste öffentliche Beziehung, mit dem zwölf Jahre älteren Daimler- Chef Dieter Zetsche, 68, dauerte gerade mal fünf Monate. In ihrem Buch spricht die Schauspielerin den entscheidenden Grund für das Scheitern ihrer Partnerschaften an: "Diese Männer waren neben mir, aber nicht mit mir." 

Ein echtes Zuhause schenkt ihr erst ihr heutiger Ehemann Tom Bierbaumer, 56, ein Kameramann, mit dem sie zuvor jahrelang befreundet war. "Tom interessiert sich für mich, für uns und dafür, dass es uns gut geht. So seltsam es klingen mag, das war für mich neu. Mein ganzes Leben davor hatte ich immer mit Partnern oder Männern zu tun gehabt, die mich in ein anderes Leben hineinrissen und die von unseren Zielen sprachen, aber ihre meinten." 

Einfach nur happy: Ihren Ehemann Tom Bierbaumer heiratete Désirée Nosbusch 2018 in Oderzo, Italien. 
Einfach nur happy: Ihren Ehemann Tom Bierbaumer heiratete Désirée Nosbusch 2018 in Oderzo, Italien. 
© Stefano Mazzola/Awakening / Getty Images

Mit Ehemann Tom Bierbaumer machte sie gleich Nägel mit Köpfen

GALA half bei diesem Glück nach, indirekt zumindest. 2017 erzählte Désirée Nosbusch in einem Interview mit uns, dass sie sich gerne wieder verlieben würde. Tom las GALA – und meldete sich umgehend. Der Rest ist schöne Paargeschichte: Bei dem Treffen funkte es sofort, und nicht einmal ein Jahr später heirateten die zwei zunächst standesamtlich und im gleichen Jahr dann kirchlich im italienischen Städtchen Oderzo, nördlich von Venedig. Fast wirkt es, als wolle die Schauspielerin das Glück schnell fest halten, nachdem es ihr oft entglitten und nun so unverhofft zugeflogen ist. 

Zusätzlich beflügelt wird ihr Leben derzeit von beruflichem Erfolg. Für ihre facettenreiche Darstellung der Finanzexpertin Christelle Leblanc in der TV-Serie "Bad Banks" wurde Désirée Nosbusch 2019 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Und jüngst spielte sie in der RTL-Neuauflage von "Sisi" die Mutter der Kaiserin. Ein enorme schauspielerische Bandbreite. 

Stärker als je zuvor fühle sie sich heute, mit 57 Jahren, sagte sie gerade zur "Zeit". Klingt so, als sei der Schatten endgültig dem Licht gewichen. 

Gala

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