Désirée Nick: "Ich schäme mich ständig - für andere"

Désirée Nick ist für ihre spitze Zunge berühmt. In GALA rechnet sie ab - mit Traumprinzen, Show-Häschen und Seniorentellern. 

Ein großes, grünes Eisentor öffnet sich, als wir bei Désirée Nick, 63, klingeln. Ein paar Minuten später sitzen wir an einem liebevoll gedeckten Kaffeetisch im Wohnzimmer ihres idyllischen Anwesens in Falkensee bei Berlin. Es gibt Erdbeer-Sahneschnittchen. Die Entertainerin hat beste Laune und Redebedarf - wir auch!

Désirée Nick im GALA-Interview

GALA: Hand aufs Herz: Haben Sie schon mal bei Ihrem Alter geschummelt?

Désirée Nick: Wie bitte? Nein! Wenn ich bei meinem Alter schummeln würde, würde ich mich älter machen. Außerdem verdiene ich auch kein Schwarzgeld, bei mir läuft alles über die Finanzämter, da steht doch in jedem Vertrag mein Geburtstag.

Sie stehen seit 40 Jahren auf der Bühne und bewegen sich zwischen Trash-Shows und Staatstheater. Wie schaffen Sie diesen Spagat?

Das ist der Lohn für meine große Unabhängigkeit. Dadurch, dass man mir vor Jahren keine große Rolle auf den Leib geschrieben hat oder mir eine Late-Night-Show gegeben hat, bin ich eben ein Leben lang beruflich von Ast zu Ast gehüpft. Somit sind meine Jobs breit gefächert, und ich habe eine große Flexibilität entwickelt. Ich war quasi gezwungen, auf den verschiedensten Ebenen zu glänzen, ob Theater, Show, oder Drama. Glauben Sie mir, Til Schweiger würde keine zehn Minuten auf einer Theaterbühne überleben.

"Ich würde mir auch mit 100 Jahren keinen Seniorenteller bestellen"

Gibt es diesen "Dafür bin ich jetzt zu alt"-Gedanken?

Das habe ich noch nie gedacht. Ich bin ein Kind der Sechzigerjahre, das sind im Moment rund 40 Millionen Deutsche mit mir. Die größten Weltstars gehen inzwischen auf die 80 zu. Glenn Close, Meryl Streep, Helen Mirren, sie alle spielen in Blockbustern mit, sind attraktiv wie eh und je. Was läuft hier falsch in unserem Land? Meine Nachbarin macht ihren Garten selber, die Dame ist 102. Ich würde mir auch mit 100 noch keinen Seniorenteller im Restaurant bestellen.

Forever Young

Stars, die nicht altern

1994 posiert Kylie Minogue bei den "World Music Awards" in Monaco. Ihr Markenzeichen: die strahlend blauen Augen und ihr sympathisches Lächeln. Die schöne Sängerin ist zu dem Zeitpunkt gerade erst einmal 26 Jahre alt und schon international bekannt. 
Kylie Minogue - jungendliche Haut auch mit 52 Jahren
1999 erscheint Cate Blanchett in einem schwarzen Samtkleid und einem langen, geflochtenem Pferdeschwanz zu den British Academy Film Awards. Zu diesem Zeitpunkt ist die hübsche Schauspielerin 30 Jahre alt. 
20 Jahre später, im Februar 2020 zur UK Premiere von "True History Of The Kelly Gang", sieht man ihr optisch die beiden Jahrzehnte nicht an. An Cate Blanchett scheinen die Zeichen der Zeit spurlos vorüber zu gehen. 

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Ihr Sohn Oscar ist 23. Mit seinem Vater, Heinrich Prinz von Hannover, waren Sie offiziell nie zusammen. Von anderen Männern an Ihrer Seite hat man selten gehört. Haben Männer Angst vor Ihnen?

Ich bin Single, but not sorry. Ich bin ein Unikat, man kann mich nicht verbiegen. Leider fühlten sich Männer in der Vergangenheit oft durch meinen Charme und meine Aura angezogen und machten dann den Fehler, aus mir eine gewöhnliche Frau machen zu wollen. Ich war aber noch nie eine gewöhnliche Frau. Obwohl ich eigentlich sehr geerdet und anpassungsfähig bin.

"Bei Traumprinzen gibt's immer ein böses Erwachen"

Wie müsste Ihr Traumprinz sein?

Bitte nicht. Bei Traumprinzen gibt's immer ein böses Erwachen. Und bitte kein Künstler, das bin ich ja für zwei. Ich mag generell bei Männern Klasse, Stil und Anstand, da kommt der gute Geschmack ganz von selbst. Für das Gesamtpaket muss ein Mann natürlich auch Vorbild für meinen Sohn Oscar sein. 

Hat Oscar schon eine Freundin mit nach Hause gebracht?

Natürlich, alles ganz bezaubernde Britinnen. Ich vertraue ihm einfach zu 100 Prozent, er ist ja auch in allen anderen Geschmacksfragen sehr sicher. Mein Sohn hat gerade aber ganz andere Themen. Jetzt ist er erst einmal an der Royal Military Academy Sandhurst in England und bereitet sich darauf vor, Ihrer Majestät, der Königin von England, dienen zu dürfen.

Fotos mit Seltenheitswert

Désirée Nick zeigt ihren hübschen Sohn Oscar

Désirée Nick

Sprechen Sie sich in beruflichen Dingen mit Ihrem Sohn ab?

Nein, ich habe meinen Sohn für sein Leben erzogen und nicht für meines. Er strebt eine internationale Karriere an, und was die Mutter hier in Deutschland macht, das ist er von klein auf gewohnt.

"Ich verkörpere Herz mit Schnauze"

Sie teilen in Ihren Programmen ja gern aus und wirken überhaupt immer so, als könnte Ihnen nichts und niemand etwas anhaben. Sind Sie wirklich so zäh? 

Man kann nur zäh sein, wenn man außerordentlich sensibel und empathisch ist. Ich war nie eine Mitläuferin, und ich habe mich immer weiterentwickelt. Ich verkörpere Herz mit Schnauze und bin nicht kopierbar, damit stellt sich eine gewisse Souveränität ein. Ich habe eine unverwechselbare Stimme, und die ist eben laut.

War Ihnen denn jemals etwas peinlich?

Nein, aber ich schäme mich ständig – für andere. Auch für viele Mädchen, die mit leeren Händen dastehen, andere nachäffen, gestern noch Stewardess waren und heute Medienstar sein wollen. Diese allgegenwärtige und impertinente Anspruchshaltung ist mir peinlich. Ein gesundes Qualitätsbewusstsein im Showbusiness ist leider verloren gegangen, auch durch fehlende Vorbilder.

"Rente gibt's nicht in meinem Beruf"

Wie genießen Sie Ihre Erfolge?

Ich bin gern zu Hause. Ich bin sehr stolz auf mein Anwesen, das ich mir selbst in jahrelanger Arbeit vor den Toren Berlins gestaltet habe. Ich liebe meine Häuslichkeit und meinen Garten, er ist mein Refugium. Außerdem pflege ich viele langjährige und gute Freundschaften. Ein Leben in der Kunst ist und bleibt nun mal ein Jungbrunnen.

Und irgendwann dann Rente?

Rente gibt's nicht in meinem Beruf. Basta.

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