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Cynthia Nixon "Sei eine Lady, haben sie gesagt"

Cynthia Nixon
Cynthia Nixon
© Getty Images
Harvey Weinstein wurde in zwei Fällen für schuldig gesprochen: Vergewaltigung und sexuelle Nötigung. Insgesamt wurde er von 80 Frauen beschuldigt - sechs sagten aus. Die Verurteilung ist ein Erfolg, aber keine Lösung des Problems: Sexismus. Cynthia Nixon macht mit einem Video auf diese Missstände in der Gesellschaft aufmerksam.

Ihre Haare trägt sie kurz. Ist sie deshalb weniger weiblich? Ihr androgyner Stil lässt beides zu: Hosenanzug und Cocktailkleid. Darf sie deshalb als unattraktiv beschimpft werden? Sie ist homosexuell. Hat sie deshalb kein Recht, die männliche Dominanz anzuprangern? Bekannt wurde Cynthia Nixon, 53, durch ihre Rolle in "Sex and the City", einer Serie, die durch die Vermarktung von Sex lebte. Darf sie deshalb nicht über Sexismus sprechen? Natürlich - und genau das tut die Feministin. Cynthia Nixon hat genug vom Antifeminismus und der ständigen Beurteilung von Frauen. In einem bewegenden Video geht sie für alle Frauen voran. 

Cynthia Nixons Video setzt ein Zeichen

Cynthia Nixon sorgt mit einem Video auf Instagram für Aufsehen. Sie spricht die zahllosen Kritiken an, die einer Frau tagtäglich ausgesetzt ist. "Oh mein Gott, du siehst aus wie ein Skelett. Männer mögen Frauen mit Fleisch an den Knochen", ist eine der Aussagen. "Sei eine Size Zero, sei eine Doppel-Zero, sei nichts", stellt Nixon die schrecklichen Ausmaße des Schönheitswahns an den Pranger.  Ein Video, das Gänsehaut bereitet. Der Text stammt von der feministischen Bloggerin Camille Rainville und wurde erstmals 2017 veröffentlicht. Eine der Gründe für das Video ist der Strafprozess gegen Harvey Weinstein, in dem der Filmproduzent wegen sexuellen Missbräuchen angeklagt, von seinem Anwalt aber selbst als Opfer dargestellt wurde.

Harvey Weinsteins Prozess sorgt für Aufruhr

Der Anwalt des verurteilen Sexualstraftäters Harvey Weinstein geht so weit, Frauen eine Mitschuld an sexuellen Übergriffen zu geben. Die Frauen hätten den Filmproduzenten ausgenutzt und anschließend nichts gesagt, sogar weiterhin Kontakt mit ihm gehalten. Eine Anschuldigung, die das unglaubliche Ausmaß der Missstände aufzeigt: Frauen sind zu aufreizend, zu sexy, zu provokant, zu still - doch öffnen sie dann den Mund, sind sie anmaßend, zu laut und selbst schuld? Die Schauspielerin Cynthia Nixon hat genug von diesen Anschuldigungen und zeigt in ihrem Video deutlich, für was sich Frauen alles vor Männern rechtfertigen müssen. Das Video richtet den Fokus darauf, wieviel Sexismus in der Film- und Werbebranche, der Modeindustrie und in Hollywood herrscht. 

"Lass dich nicht vergewaltigen"

Das Video beginnt mit den Worten: "Sei eine Lady, haben sie gesagt", und impliziert die Beschuldigung von Männern, dass Frauen zu aufreizend seien, Männer dadurch quasi nötigen würden, sie anzusehen, anzufassen - oder eben schlimmer: Sie sexuell zu missbrauchen. "Sei nicht so provokant, du forderst es heraus", heißt es weiter in Nixons Video. Würden sich Frauen als "Lady" verhalten, würde es dann keine Missbräuche geben? Eine Frage, die keine Antwort verdient. "Lass dich nicht vergewaltigen", dieser Satz des Videos brennt sich ein. Es ist die Schuld der Frau - diese Meinung teilen tatsächlich einige Menschen. Absurd. Sucht man online Synonyme für das Wort "unweiblich" erscheinen Worte wie "hart", "stark" und sogar das Wort "bedeutsam". Nicht weiblich = bedeutsam? Eine Bezeichnung, die für Kopfschütteln und Fassungslosigkeit sorgt. 

Cate Blanchett spricht die Machtverhältnisse in Hollywood an

Auch andere Stars beschäftigen sich bereits seit einigen Jahren mit den ungleichen Machtverhältnissen in Hollywood. Cate Blanchett, 50, kämpft seit Jahren für Frauenrechte. Die am Montag (24. Februar) verkündete Verurteilung von Harvey Weinstein lässt die Stimmen vieler Frauen und Schauspielerinnen erneut laut werden: Aus Freude, aber auch, um ein Zeichen zu setzen: Mit dieser einen Verurteilung - Weinstein wurde nur in zwei von sechs Punkten für schuldig gesprochen - bedeutet nicht das Ende. Hollywood ist weiterhin eine männerdominierende Branche, sexuelle Nötigungen und Übergriffe wandern nicht gemeinsam mit Weinstein ins Gefängnis. Dieser eine Sieg hat einen Stein ins Rollen gebracht, aber sicher nicht das Problem gelöst. "Bei solchen Missbrauchsfällen geht es nicht um Rache, sondern um Gerechtigkeit", sagte Blanchett auf der Berlinale. 

Harvey Weinstein und die #MeToo-Bewegung

Harvey Weinstein gilt seit 2017 als Symbolfigur für sexistischen Machtmissbrauch, als Symbol für die Missstände, die in der Schauspielbranche herrschen. Die "New York Times" berichtete erstmals über Frauen, die den Unternehmer der sexuellen Belästigung und Vergewaltigung beschuldigten. Durch die #MeToo-Kampagne wurden tausend von sexuellen Übergriffen bekannt. Frauen setzten den Hashtag, um sich zu ihren Erlebnissen zu bekennen. Darunter Stars wie Alyssa Milano, 47. Sechs Frauen sagten gegen den Filmproduzenten aus - ganze 80 soll er sexuell belästigt haben. Weinsteins Strafmaß wird am 11. März bekannt gegeben. Ihm droht eine Haft zwischen fünf und 25 Jahren. Zweifelsfrei ein Erfolg. Ein Ende der sexuellen Manipulation, Drohung und Unterdrückung in der Filmbranche ist es nicht. 

Verwendete Quellen:spiegel.de, instagram.com 

Gala

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