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Corinna Schumacher Wieder happy!

Corinna Schumacher
Corinna Schumacher
© babiradpicture
GALA traf Corinna Schumacher, eine starke Frau, die ihr Schicksal meistert. Jetzt nimmt sie die Zügel in die Hand

Einen kurzen Moment guckt Corinna Schumacher beunruhigt. Vor ihr in der Arena der Reithalle setzt ihre Tochter Gina zum Galopp an und zieht auf ihrem Pferd eine kleine Runde. Eine normale Prozedur in der Reining-Disziplin des Westernreitens. Aber die 18-Jährige hat ordentlich Tempo drauf, der Sand vom Boden fliegt nur so durch die Luft, und sie zischt nahe an der hölzernen Bande der Zuschauertribüne vorbei. "Oh", raunt es kurz aus der Zuschauermenge.

In den Fußstapfen ihrer Eltern

"Change", ruft Corinna ihrem ältesten Kind zu – im Westernreiten die Aufforderung zum Galoppwechsel. Es ist eine der Schlussveranstaltungen des "CS Classic Turniers", das Corinna alljährlich auf ihrer Ranch in Givrins am Genfer See veranstaltet. Zwei Goldmedaillen holt Tochter Gina hier, wird Junioren-Europameisterin.

Diese Tage haben eine große Bedeutung für die Familie. Corinna Schumacher sitzt nach dem dramatischen Ski-Sturz von Ehemann Michael Ende Dezember 2013 erstmals wieder öffentlich im Sattel. Ihre Tochter Gina und ihr Sohn Mick haben nun kürzlich als Profisportler den Schritt ins Rampenlicht getan. Mick ist in die Fußstapfen seines Vaters getreten und fährt seit Ende April in der Formel 4. Gina betreibt wie ihre Mutter das Westernreiten.

Vorher starteten die Kinder unter Pseudonymen, wurden so aus der Öffentlichkeit herausgehalten. Das ist nun vorbei. Und natürlich schaut alle Welt genau hin, wie sich die Schumacher-Kids schlagen und wie sich Corinna präsentiert. Das Anwesen der Familie, wo seit Monaten die Reha-Behandlung von Michael Schumacher läuft, liegt ebenso am Genfer See. Bei seinem Unfall hatte er sich ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zugezogen.

Wie es um seine Genesung steht, ist nicht eindeutig. Er mache Fortschritte, die der Schwere seiner Verletzung angemessen seien, heißt es im jüngsten Statement seiner Sprecherin. Gina galoppiert ein weiteres Mal vorbei. Mutter Corinna guckt nun zufriedener, sie hebt den Daumen und pfeift. In den vergangenen Jahren war sie die stille Partnerin an der Seite der Formel-1-Ikone. Sie gab und gibt keine Interviews.

Jetzt nimmt sie die Zügel in die Hand

Jetzt ist sie diejenige, die die Familie führt, die ihren Kindern beim nächsten Schritt ins Erwachsenenleben zur Seite steht. Während des Reitturniers in Givrins fährt Sohn Mick rund 1000 Kilometer entfernt in der Lausitz sein viertes Rennwochenende. Eine wichtige Ablenkung von all dem sind für Corinna das Turnier und der Reitsport. Sie nimmt am Wettbewerb teil, aber sie ist gleichzeitig die perfekte, strahlende Gastgeberin – trotz der drückenden Hitze, die an diesem Tag herrscht.

Über einer Stallung auf der Ranch gibt es einen klimatisierten VIP-Bereich, aber sie ist die meiste Zeit draußen. Sie trägt Jeans, schwere Boots, die Ärmel ihres weißen Hemds krempelt sie dennoch nicht hoch, zur Erfrischung gönnt sie sich Cola und Mineralwasser. Man spürt, wie Corinna das alles genießt. Den Wettbewerb, das Fachsimpeln mit Freunden und Profis. Das Organisieren. Das Achten auf Kleinigkeiten, die erledigt werden müssen. Sie holt einen nassen Lappen und wischt einem Pferd, das gerade im Wettbewerb geritten ist, das Maul ab. Ihrer Mitarbeiterin drückt sie gegen die brennende Sonne kurzerhand ihren Stetson-Hut auf den Kopf.

"Na, seht ihr, hat doch noch geklappt"

Corinna, das ist für jeden sofort erkennbar, gestattet sich hier einen Glücksmoment, sie gestattet es sich zu lachen, die Freude zu genießen – die schwierigste Disziplin im Kampf gegen die Traurigkeit. Am Ende des Turniers gewinnt sie im Amateurbereich eine Trophäe, im Lauf davor lief es dagegen eher mäßig. Corinna führt ihr Pferd aus der Reithalle, wirft Kusshände in die Luft, "We Are The Champions" erklingt. Und dann zieht sie vor Freude kurz die rechte Schulter hoch und blinzelt mit einem "Na, seht ihr, hat doch noch geklappt" ihrer Entourage auf der Tribüne zu. Gina, die im Publikum saß, gratuliert später überschwänglich. Mama hat gewonnen, juhu!

Ihre Unaufgeregtheit und Bodenständigkeit machen die Schumachers so beliebt. Es ist kein Zufall, dass Corinna einen großen Kreis von Freunden und Weggefährten um sich hat, der sie unterstützt. "Ja, weder Corinna noch ihre Kinder haben irgendwelche Allüren", sagt die Mutter einer Reitergefährtin von Gina zu GALA. "Beide sind genau deshalb so beliebt. Wenn die anderen Jugendlichen beim gemeinsamen Training mal etwas brauchen, kann man sich bei Gina auch mal Gamaschen leihen."

"Ich bin total glücklich über meine beiden Titel!"

Corinna und Michael hätten es nie erzwungen, dass ihre Kinder im Sport ernsthaftere Ambitionen entwickeln, so die Frau. Beide seien sich darüber klar gewesen, was das für Gina und Mick bedeutet: einen ewigen Vergleich mit der Karriere des Vaters, dem die Kinder auch noch so ähnlich sehen. Michaels Sohn erlebt das im Moment. Innerhalb we niger Wochen hat er alle Höhen und Tiefen des Motorsports erfahren müssen. Erst ein grandioser Sieg, dann ein Unfall – und beim Rennen in der Lausitz ein Patzer beim Training, der zur Disqualifikation führte. Für beide Kinder gilt deshalb: Kein Druck! Wenn sie in ein, zwei Jahren nicht mehr wollen, wäre das ebenfalls in Ordnung.

Im Moment deutet aber nichts darauf hin. "Ich bin total glücklich über meine beiden Titel!", sagt Gina am Ende des Turniers zu GALA. Sie ist ein lässiges Mädchen mit blonden Strähnen. "Mein Pferd Gunners Enterprise war super, ich bin echt stolz auf ihn. Zweimal Gold, und das bei unserer Show – besser hätte es nicht laufen können." Am Ende des Turniers geht sie über das Gelände, in der Hand eine orangene Transportbox, in der sich ihr Stetson befindet. "Europameisterschaft" steht drauf. Jeder aus dem Team soll auf der Box unterschreiben. Als Gina bei Corinna vorbeikommt, macht sie Halt, stellt die Hutbox ab – und umarmt ihre Mutter.

Gala


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