Christoph Waltz: Unter Volldampf

Oscar-Preisträger Christoph Waltz ist angekommen in Hollywood. Wie sich sein Leben auf den Kopf gestellt hat, verrät er Gala bei einem Treffen in Berlin

Christoph Waltz

Ein Oscar kann die Hölle sein.

Immer wieder stürzen Award-Gewinner nach diesem Höhenflug in ein Tief - den Oscar-Fluch, so nennt man das in Hollywood. Doch von Krise und Katastrophe kann bei Christoph Waltz nicht die Rede sein. Im Gegenteil: Seit seinem Triumph im März 2010 ist er auch international bestens im Geschäft. In den nächsten Monaten wird er mit gleich drei Großproduktionen im Kino vertreten sein, an der Seite von Superstars wie Cameron Diaz, Robert Pattinson, Reese Witherspoon und Orlando Bloom. Und er dreht weiter: In diesen Tagen steht Waltz mit Kate Winslet und Jodie Foster in Paris vor der Kamera - für Roman Polanskis Verfilmung des Theater-Klassikers "Gott des Gemetzels".

Preisverleihung

Oscar 2010 in Bildern

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Viel Veränderung also. Fragt man Waltz, wie zufrieden er mit der Entwicklung ist, lächelt er und sagt: "Extrem." Das mag er. Eine Frage mit nur einem Wort oder einem knappen Satz beantworten. Schwelgt er noch in dieser Oscar-Euphorie? Erstaunter Blick. "Mmmhnnnein." Würde er für jede Art Film zur Verfügung stehen, wenn Quentin Tarantino anriefe, dem er seinen internationalen Durchbruch verdankt? "Könnte man so sagen." Interviews mit dem schmalen, 1,70 Meter großen Mann sind eine Lehrstunde in Sachen feiner Ironie. Aber man merkt, dass er auch anders kann. Früher soll Waltz zu Wutausbrüchen geneigt haben.

Die Kostümbildnerin Judith Holste aus Berlin, lernte Waltz 2001 bei einem TV-Dreh kennen. Die beiden haben eine siebenjährige Tochter. Davor war Waltz 20 Jahre mit einer amerikanischen Psychologin verheiratet, lebte in London. Aus der Ehe stammen drei Kinder.

Die Karriere läuft also unter Volldampf, und das bringt mit sich, dass Waltz sein Privatleben noch minutiöser planen muss. Drei Töchter und einen Sohn aus zwei Beziehungen hat er, sie sind über den Globus verstreut. Aus der Ehe mit einer amerikanischen Psychologin stammen drei der Kinder: Miriam arbeitet als Architektin in den USA, Rachel lebt wie die Mutter in London, und Leon ist Rabbi in Israel. Mit seiner derzeitigen Lebensgefährtin, der Kostümbildnerin Judith Holste, die er 2001 kennenlernte, hat er eine siebenjährige Tochter, deren Namen die beiden geheim halten. Holste lebt und arbeitet in Berlin, und so wurde die Stadt zur zweiten Homebase für den Wiener. Das Paar wohnt in einer Altbauwohnung in Charlottenburg.

Waltz und Berlin - es ist ein offenes Geheimnis, dass er mit der Stadt nicht viel anfangen kann. Die Atmosphäre empfinde er als "krampfhaft", sagte er mal. Während des Treffens mit Gala wirft er ab und zu einen Blick aus dem Fenster des "Adlon"-Hotels. Draußen versinkt die Hauptstadt im Schneechaos. Der Schauspieler zieht sein typisches "Lassen wir das mal"-Gesicht.

Christoph Waltzs ironische Art kommt an, wie hier bei Regisseur Michel Gondry, Cameron Diaz und Seth Rogen während der Premierenfeier zu "The Green Hornet" (jetzt im Kino) im Dezember 2010 in Berlin.

Wird jetzt Los Angeles sein Lebensmittelpunkt? "Es stimmt, ich habe die letzten Monate hauptsächlich dort verbracht. Aber ich weiß noch nicht, wie das in Zukunft sein wird. Keine Ahnung", sagt er.

Aus dem Umfeld des Österreichers ist zu hören, dass ihm die Zeit in Kalifornien sehr gefallen habe. Am Anfang kam Waltz bei Freunden in Santa Monica unter, für den Dreh von "Green Hornet" hatte ihm das Studio ein Haus in den Hollywood Hills gemietet.

Judith Holste und die Tochter besuchten ihn, gemeinsam erkundete die Familie die Stadt, bummelte zum Beispiel über den Farmers Market in West Hollywood. In den USTV-Talkshows erzählte Waltz stolz, wie er schließlich sogar gelernt hat, ohne Navigationsgerät seinen Weg zu finden.

Sogar auf die VIP-Tribüne der Los Angeles Lakers schaffte er es - dort nehmen nur die First-Class-Stars von Hollywood oder Geschäftsleute mit dickem Geldbeutel Platz. Waltz musste nicht um einen Platz betteln: "Ich bin da nicht bei irgendwem vorstellig geworden. Es hat sich angeboten. Ein guter Bekannter hatte die Karten, und so konnte ich gehen." Welcher gute Bekannte? "Tja, den hättens auch gern, das sag ich Ihnen." Waltz lächelt vieldeutig und schweigt. Der Ruhm und die vielen Annehmlichkeiten, die er mit sich bringt, machen ihm sichtlich Spaß. Aber damit anzugeben, dafür ist er zu cool.

Hauke Herffs

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