Christoph Waltz: "In L.A. geht um sieben das Licht aus"

Mit seinem zweiten Golden Globe hat sich Christoph Waltz endgültig in Hollywood etabliert. Aber wie gefällt ihm eigentlich das Leben dort? "Gala" fragte nach

Christoph Waltz

Es ist 20.12 Uhr in L. A., als Kate Hudson seinen Namen ausruft. Wie benommen geht Christoph Waltz, 56, zur Bühne, nimmt seinen Golden Globe entgegen, für "Django Unchained". Es ist bereits der zweite nach 2010. "Lasst mich erst mal Luft schnappen", beginnt er sichtlich bewegt seine Dankesrede. Hinter der Bühne wird er später verraten, dass er in diesem Moment Angst hatte, seine Knie würden versagen. Aber er ist einfach nur glücklich und will seine Freude vor allem mit einem teilen: seinem Regisseur und Mentor Quentin Tarantino.

Rückblende. Wir treffen Waltz wenige Tage vor den Globes in Berlin. Im Nachtclub "Felix" kocht die Stimmung über, Jamie Foxx - Hauptdarsteller im Tarantino- Western - hat das DJ-Pult übernommen. Zu satten Hip-Hop-Beats brüllt er immer wieder ins Mikro: "Put Your Hands Up In The Air For Christoph Waltz!" Die Gäste jubeln, obwohl kaum einer den schmächtigen Österreicher in der Menge entdecken kann. Waltz steht am Rand der Tanzfläche, verzieht keine Miene. Sein wilder "Django"- Bart ist ab, die Haare sind raspelkurz. "Sie sind schon wieder etwas nachgewachsen", erklärt er uns - denn vor ein paar Wochen hat er den Dreh zum Science-Fiction-Film "The Zero Theorem" abgeschlossen, an der Seite von Matt Damon. Plötzlich fängt Waltz am Rand der Tanzfläche tatsächlich an, im Takt mitzuwippen. Jamie Foxx verbreitet das übers Mikro, als wäre es eine Weltsensation: "Christoph Is On The Dancefloor!"

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©Gala

"Django Unchained" : Der neue Tarantino-Film spielt in Amerika, kurz vor dem Bürgerkrieg: Sklave Django (Jamie Foxx) wird von Kopfgeldjäger Dr. King Schultz (Christoph Waltz) befreit; er soll ihn zu zwei steckbrieflich gesuchten Verbrechern führen. Im Gegenzug soll Schultz Django helfen, seine geliebte Frau (Kerry Washington) aus den Fängen des brutalen Plantagenbesitzers Calvin Candie (Leonardo DiCaprio) zu befreien.

Ob Aftershowparty in Berlin oder Golden- Globes-Verleihung in Beverly Hills: Christoph Waltz gehört dazu. Seit seinem Oscar-Gewinn 2010 (für Tarantinos "Inglourious Basterds") reißen sich Hollywoods-Stars wie Leonardo DiCaprio und Kate Winslet darum, mit ihm vor der Kamera stehen zu dürfen. Wir fragen Samuel L. Jackson nach dem Waltz-Geheimnis. "Als ich ihn zum ersten Mal im Kino gesehen habe, dachte ich nur: Wie kann ein Schauspieler so komplett sein? So etwas habe ich vorher noch nie gesehen. Jetzt, wo ich ihn kennengelernt habe, muss ich sagen: Meine Erwartungen wurden noch übertroffen!"

Waltz selbst ist der Hype um seine Person unangenehm. Man merkt es bei der Pressekonferenz im Berliner "Hotel de Rome". Er bietet ein knappes "Ja" auf die Frage, ob er Tarantino seine Weltkarriere zu verdanken hat. Und ein spärliches "Gut!" auf die Frage, wie denn dieses Mal die Zusammenarbeit verlief. In kleinerer Runde ist er dann deutlich entspannter. Ganz Gentleman, begrüßt Waltz die "Gala"-Reporterin per Handschlag: "Servus, die Dame!" Er ist extrem höflich und wahrt doch Distanz. Wir wagen trotzdem einen Annäherungsversuch - in Hollywood.

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Auch privat stimmt alles: Seit 2001 ist Kostümbildnerin Judith Holste die Frau an Waltz´ Seite, mittlerweile sind die beiden verheiratet.

Seit einiger Zeit lebt er hauptsächlich hier. Aus seinem Umfeld ist zu hören, dass ihm Kalifornien sehr gefällt. Er genießt den Bummel über den Farmers Market in West Hollywood, die Spiele der L.A. Lakers und Opernbesuche - zu denen er Tarantino überredet hat. Es gab Wagners "Walküre", Waltz erklärte seinem Freund die Hintergrundgeschichte der deutschen Sage. Angeblich war das der Auslöser für die Lovestory in "Django Unchained". Fakt ist, dass Tarantino Waltz so stark in den Entstehungsprozess eines Films einbezogen hat wie noch nie jemanden zuvor. "Wenn er ein paar Seiten fertig hatte, bin ich zu ihm gefahren und habe die ganz frisch aus dem Drucker bekommen und gelesen", erklärt Waltz. Danach gingen die beiden essen, redeten ausführlich. Waltz: "Ich habe das als großes Kompliment verstanden. Wenn einem so ein Angebot auf einem silbernen Tablett serviert wird, kann man vor Freude und Glück eigentlich nur in die Knie gehen."

Gibt es überhaupt etwas, was ihn nach Deutschland zieht? Berlin ist ja immer noch der Hauptwohnsitz für ihn und seine Frau, die Kostümbildnerin Judith Holste; ihre neunjährige Tochter besucht hier die Internationale Schule. "Die Jahreszeiten fehlen mir. Vor allem diese langen, lauen Sommertage, diese Dämmerung, die es speziell im Norden gibt. Wenn der Himmel abends um halb elf immer noch blau ist. Das liebe ich, so etwas gibt es in Los Angeles nicht. Da geht um sieben Uhr das Licht aus."

Ab März dreht Waltz wieder nahe Berlin. In den Babelsberg-Studios wird er im Politdrama "Reykjavik" (neben Michael Douglas als Ronald Reagan) den früheren sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow spielen. Dann müssen die Haare zwar wieder ab - aber dafür sind die Tage länger.

Hili Ingenhoven

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