Christine Neubauer: "Ich habe gelernt zu leben"

Christine Neubauer war Deutschlands Quoten-Queen. Als sich bei ihr privat alles änderte, wurde es still um sie. In GALA meldet sich die Schauspielerin nun zurück – mit neuem Look, klaren Worten und großen Plänen

Er kommt extra vorbei: José Campos, 53, will sich in natura anschauen, wie seine Lebensgefährtin Christine Neubauer, 56, jetzt aussieht. Eben beim Facetime-Telefonat fand der Chilene die Haare noch ein wenig "amarillo". Als er aber sieht, dass sie nicht gelb sind, sondern in wunderschönem Blond erstrahlen, ist er begeistert. So wie das gesamte Team im Münchner Salon "Visage Haardesign", wo sich die dunkelhaarige Schauspielerin an diesem Tag in eine attraktive Blondine verwandelt.

José Campos wollte sich die Veränderung seiner Lebensgefährtin Christine Neubauer persönlich angucken.

Christine Neubauer: Von erfolgreicher Schauspielerin zur leidenschaftlichen Malerin

Nicht die erste große Veränderung im Leben der einstigen TV-Queen – der "schärfsten Waffe der Öffentlich- Rechtlichen im Quotenkampf", wie das Magazin der "Süddeutschen Zeitung" 2010 schrieb. Damals war Christine Neubauer Deutschlands erfolgreichste Schauspielerin (siehe Kasten S. 20). Die Wende kam, als sie sich bei Dreharbeiten in José verliebte und 2011 ihren Ehemann, Sportjournalist Lambert Dinzinger, 62, und ihren heute 27-jährigen Sohn Lambert Jr. verließ. Es folgte der Absturz vom Film-Olymp. Christine Neubauer zog mit José nach Mallorca, fand in der Malerei eine neue Leidenschaft. Die Verletzungen sitzen tief, Christine Neubauer will nach wie vor weder über die Scheidung noch über ihren Sohn sprechen. Dennoch: Sie bereue keine der Veränderungen, sagt sie.

Christine Neubauer

Ab jetzt ist sie blond

Christine Neubauer

Aus brünett wird blond

Wie ist Ihr erster Eindruck vom neuen Look?

Christine Neubauer: Natürlich noch ungewohnt, das ist jetzt eine komplett neue Christine. Wenn man über ein halbes Jahrhundert lang dunkel war, ist es Wahnsinn, sich so zu sehen. Aber mein Gefühl ist positiv. Das ist keine Perücke, das bin ich!

Was verbinden Sie mit der Haarfarbe Blond?

Ein bisschen dumm. (lacht) Nein, wenig zu wissen schmiert man sich ja nicht mit Farbe auf den Kopf. Das sind Klischees. Ich bin gespannt, ob sich die Wahrnehmung auf der Straße verändert. Blonde sollen im Berufsleben auch mehr Chancen haben. Das werde ich dann testen.

Kann Ihr Look ein Signal für neue Rollen sein?

Wenn’s so wäre, würde es mich freuen. Ich bin komplett offen. Eigentlich erwarte ich aber nur, dass ich mich wohlfühle.

Hatten Sie den Wunsch, sich optisch zu verändern, schon länger?

Ja, nur häufig passte es wegen meiner Rollen nicht. Als bayerisches Urvieh wurde es mir beispielsweise nie gestattet, einen raspelkurzen Punk zu spielen. Aber jetzt bin ich frei.

Christine Neubauer: Wunsch, sich zurück zu ziehen

Sie sind nicht mehr so präsent auf dem Bildschirm wie noch vor ein paar Jahren. Eine bewusste Entscheidung, oder wurden Ihnen keine Rollen mehr angeboten?

Beides. Es gab Projekte, die ich nicht mehr machen wollte, und ich hatte auch den Wunsch, mich für eine Zeit zurückzuziehen. Dazu kam, dass die Generation der Macher meiner Filme nicht mehr da ist.

War es hart, nicht mehr so gefragt zu sein?

Natürlich. Aber es war auch sehr gut, weil ich andere Dinge machen konnte.

Kehren Sie das neue Lebensgefühl nun nach außen? Jünger, frischer, frecher?

Sich auszuprobieren, das charakterisiert mich. Den Mut hatte ich schon immer. Aber die Entschlossenheit, es durchzuziehen und an mich zu glauben, musste ich erst entwickeln. Leider traut man sich vieles erst im Alter, weil man vorher Zwängen unterliegt, die sich erst nach und nach abbauen. Da verpasst man viel.

Gewichtsverlust: Körper soll gesund und trainiert sein

Was war die bisher größte Veränderung in Ihrem Leben?

Was man mit mir verbindet, ist der Gewichtsverlust. Es ging mir darum, dass der Körper gesund und trainiert ist. Der Ausgangspunkt war auch hier, etwas auszuprobieren. Ich lechze nicht nach einer bestimmten Kleidergröße, meine Optik ist das Resultat meines Sports. Ich habe Morbus Bechterew. (eine chronische Wirbelsäulenerkrankung; Anm. d. Red.) Mit Box-Pilates und Tanztraining kämpfe ich gegen meine Rückenschmerzen.

Gefallen Sie sich schlank besser?

Ich bin nach wie vor ein Vollweib. Ich habe weder meinen Busen noch Taille, Hüfte und Hintern verloren. Aber das ist eben ein Nebeneffekt des Trainings, das mich glücklich und schmerzfrei macht, im Alltag und im Beruf.

Erfahren Sie von Frauen Neid?

Wenn jemand neidisch auf meine Figur ist, kann ich ihm gern die Rückenschmerzen dazugeben. Aber natürlich sind viele enttäuscht, weil ich nicht mehr diesem Bild der properen, lieben Frau entspreche, die ich oft gespielt habe, weil ich nicht mehr die Identifikationsfigur für Größe 42 bin. Ich finde das schade. Ich habe meine Rollen gelebt und bin immer noch die Christine Neubauer – aber aus gesundheitlichen Gründen einfach schmaler als früher. Es gab immer wieder Stimmen: "Jetzt gefällt sie uns nicht mehr, sie ist keine mehr von uns!" 

Und nun sind Sie auch noch blond. Bleibt die Farbe?

Ich will das privat jetzt so leben. Aber wenn das Schicksal gnädig mit mir ist und mein chilenischer Spielfilm Ende des Jahres in die Vorbereitung geht, muss ich aus Rollengründen zumindest vorübergehend wieder dunkel werden, so wie sich andere Kollegen auch für eine Rolle verändern. Das gehört zum Beruf und zum Leben. Das Leben ist Veränderung. 

Jeanette Biedermann

"Ich bin süchtig nach der Bühne"

Jeanette Biedermann

Christine Neubauer träumt von der großen Leinwand

Was ist das für ein Filmprojekt?

Ein chilenisch-kolumbianisch-argentinischer Kinofilm. Ein Roadmovie, in dem zwei Frauen durch die Atacama- Wüste flüchten, von zwei Killern verfolgt. Ein Genre, das ich gern mal spielen möchte. Mein Traum ist – wie bei fast jedem Schauspieler – die große Leinwand. Es bewegt sich gerade so viel in der Branche, die spannenden Serien von Amazon, Netflix. Das reizt mich sehr. Aber diese Generation der Filmemacher muss mich neu entdecken. Vielleicht jetzt in Blond. (lacht)

Wie sehen Sie Ihre Zukunft?

Es gibt eine Idealvorstellung für mein Leben, die sich im vergangenen Jahr konkretisiert hat. Im europäischen Winter möchte ich in Chile leben, dann ist dort Sommer. Meine Seele liebt das Blau des Himmels, das hellt meine Stimmung auf. In unserem Sommer pendele ich dann zwischen Deutschland und Mallorca.

Was zieht Sie nach Chile?

Mein Privatleben. Abgesehen davon habe ich dort ein wunderschönes Apartment mitten im Zentrum von Santiago, da fühle ich mich angekommen und angenommen. Ich kann mich komplett frei bewegen, werde nicht gleich erkannt und falle auch als Touristin nicht auf. Das macht es sehr entspannt und angenehm.

Aber ist es nicht auch schön, erkannt zu werden?

Doch, klar, ich liebe es. Viele Fans kommen mit ganz viel Liebe und Freude auf mich zu, sagen, dass ich ihnen so schöne Stunden bereitet habe. Das berührt mich jedes Mal aufs Neue.

Müssen Sie vielleicht auch deshalb nach Chile gehen, um aus der Klischeekiste rauszukommen?

Das weiß ich nicht, und das kann man so pauschal auch nicht sagen. Natürlich, diese Idee, dass es so sein könnte, verfolgt jeden Schauspieler. Ich habe so viele unterschiedliche Rollen gespielt und passe eigentlich in keine Schublade! Aber es passiert manchmal schneller, als man denkt. Da dann wieder rauszukommen, braucht Geduld und Menschen, die einem die Chance dazu geben.

In der Schublade hätten Sie es sich auch gemütlich machen können.

Es ist spannender so, wie es jetzt ist. Und es passt auch besser zu meiner Lebenseinstellung, neugierig zu sein und sich auszuprobieren. Es ist schon eine echte Herausforderung, in einer anderen Sprache zu drehen.

Ihre schauspielerische Zukunft ist international?

Das würde mich sehr glücklich machen. Wenn ich dann zurückdenke an die kleine Christine aus Bayern, die am Lee Strasberg Institute Schauspielunterricht genommen und mit großen Augen auf New York geguckt hat.

Mit 56 geben Sie jetzt noch einmal richtig Gas, in einem Alter …

… in einem Alter, in dem man in Deutschland als Schauspielerin gerne nicht mehr stattfindet. Punkt.

Made in Germany

Hollywood-Stars mit deutschen Wurzeln

Taylor Swift, einer der erfolgreichsten amerikanischen Sängerinnen, hat bayerische Vorfahren. Julius Mayer, Swifts Ur-Ur-Urgroßvater, wanderte 1865 von Bayern nach New York aus. Auch Swifts Großmutter Marjorie Finlay (geborene Moehlenkamp) hat deutsche Wurzeln.
Angelina Jolie
Sandra Bullock
Die kanadische Schauspielerin Sarah Chalke, die uns allen aus "Roseanne" und natürlich "Scrubs" bekannt ist, besucht relgelmäßig ihre deutschen Verwandten in Rostock. Ihre Mutter emigirierte 1952 aus Deutschland nach Kanada.

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Familienabende statt roter Teppich

Aber viele wollen durchaus mit Ende 50 etwas kürzertreten. Woher nehmen Sie Ihre Energie?

Aus der Leidenschaft für meinen Beruf, aus dem, was an künstlerischem Potenzial in mir ist. Durch meinen Sport habe ich unglaublich viel Power. Ich bin fitter als früher. Und ich habe gelernt zu leben. Auch Nein zu sagen. Ich gehe nur selten auf Veranstaltungen. Oft ist es schöner, mit der Familie, mit dem Partner die gemeinsame Zeit zu genießen. Es ist ein gutes Gefühl zu sagen, ich möchte etwas machen statt ich muss. Das ist der Luxus des Lebens. Die Kunst ist die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben.

Sind Sie zufrieden?

Ja. Und glücklich. Aber es war ein langer, harter Prozess, das so von Herzen sagen zu können. Es ist keine Floskel.

Muss ein Weg bis zu diesem Stadium so steinig sein, wie Ihrer es war?

Das Hinfallen, das Knie- Aufschlagen, das Nicht-gemocht-Werden – das gehört leider dazu. Sonst würde man sein eigentliches Glück nie erkennen.

War es schwer, für private Entscheidungen moralisch verurteilt zu werden?

Ich wäre kein Mensch, wenn ich sagen würde, das hätte mir nichts ausgemacht. Ich habe gelernt, die Verletzungen zu ertragen. Am schwierigsten ist es für mich, mit Ungerechtigkeit, Neid, Ablehnung und vor allem Häme umzugehen. Das tut mir sehr weh.

All das mussten Sie erfahren?

Ja! Und niemand weiß, was noch kommt. Aber ich liebe das Leben.

Christine Neubauer

Die Schauspielerin wagt eine komplette Typveränderung

Christine Neubauer
"Ich kann jetzt machen, was ich will, mich erkennt hier niemand", sagt die 56-Jährige nach dem Umstyling beim Gang auf die Straße.
©Gala
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