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Christian Drosten Plötzlich Promi: Der Virologe, über den die Welt spricht

Christian Drosten
Christian Drosten
© Getty Images
Christian Drosten ist Virologe, Institutsdirektor der Berliner Charité – und seit neuestem weltbekannt. Ein Porträt über den Wissenschaftler, der Deutschland souverän durch die Coronapandemie steuert.

Die große Bühne hat Christian Drosten, 48, nie gesucht – im Gegenteil. Als Lehrstuhlinhaber und Institutsdirektor der Berliner Charité gilt seine Leidenschaft der Forschung, neuartige Viren sind sein Spezialgebiet. Dass genau deswegen nun ganz Deutschland den Namen des hageren Wissenschaftlers mit den wilden Locken kennt und sich Christian Drostens Fan-Gemeinde sowie verschiedene Medien bereits fragen, ob er auch "Kanzler kann", hätte Anfang des Jahres noch niemand vermutet.

Christian Drosten steuert Deutschland durch die Coronapandemie

Seine Kindheit verbrachte Christian Drosten auf einem Bauernhof im Emsland, heute lebt der Virologe mit seiner Partnerin, ebenfalls Wissenschaftlerin, und dem gemeinsamen Sohn in Prenzlauer Berg, Berlin. Viel Zeit für die Familie hat Drosten aktuell allerdings nicht: Als "Navigator" steuert er Deutschland souverän durch die Coronapandemie. Seine Meinung zählt, Kanzlerin Angela Merkel, 65, und Gesundheitsminister Jens Spahn, 40, verlassen sich seit Beginn der Krise auf Drostens Meinung.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der Präsident des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler, der Abteilungsleiter Virologie der Charité Christian Drosten und weitere Experten bei einer Pressekonferenz.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der Präsident des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler, der Abteilungsleiter Virologie der Charité Christian Drosten und weitere Experten bei einer Pressekonferenz.
© Getty Images

#TeamDrosten: Fans des Virologen planen Tattoo von seinem Gesicht

Kein Grund, gleich abzuheben. Trotz des Vertrauens seitens des Kabinetts wird der Wissenschaftler nicht müde zu betonen, dass er Teil eines großen Teams ist. Und auch den Hype um seine Person – der Hashtag #TeamDrosten ist in den Dauer-Trends auf Twitter, sein mit dem renommierten "Grimme Online Award" ausgezeichneter NDR-Podcast "Das Coronavirus-Update" hat Millionen Hörer und es gibt Fans, die sich das Gesicht des Virologen tätowieren lassen wollen – bekommt er "gar nicht so richtig mit". "Ich bin kein Social-Media-Typ, und vor der Pandemie hatte ich zwei Jahre lang nicht mehr getwittert", sagt Christian Drosten im Interview mit dem "Spiegel". Auch die zahlreichen Berichte über ihn und seine Arbeit lese er nicht regelmäßig.

"Ich habe Besseres zu tun"

Alles gefallen lässt er sich trotzdem nicht. Als die "Bild"-Zeitung Christian Drosten Ende Mai in einer E-Mail dazu aufforderte, innerhalb einer Stunde verschiedene Kritikpunkte zu seiner Studie über die Viruskonzentration bei verschiedenen Altersgruppen zu kommentieren, veröffentlichte er die Anfrage kurzerhand via Twitter. Dazu schrieb er: "Interessant: die Bild plant eine tendenziöse Berichterstattung über unsere Vorpublikation zu Viruslasten und bemüht dabei Zitatfetzen von Wissenschaftlern ohne Zusammenhang. Ich soll innerhalb von einer Stunde Stellung nehmen. Ich habe Besseres zu tun."

"In meinem Alltag kommt die "Bild"-Zeitung nicht vor"

Dass er damit die Diskussion um seine Person sowie die Kampagne der "Bild" nur noch mehr befeuerte, schien ihm egal zu sein. "In meinem Alltag kommt die "Bild"-Zeitung nicht vor. Niemand in meinem Bekanntenkreis liest das Blatt“, so der Virologe im "Spiegel"-Interview. Und: "Wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag." (Anm. d. Red.: Julian Reichelt, 40, ist Chefredakteur der "Bild"-Zeitung)

Morddrohungen & Hassbotschaften

Neben Christian Drosten haben in Zeiten von Corona aber auch "Corona-Leugner" ihren großen Auftritt, unter Ihnen auch einige prominente Anhänger. Und weil es manchen nicht reicht, wirre Verschwörungsmythen zu verbreiten und ohne Mund- und Nasenschutz zu demonstrieren, bekommt Christian Drosten regelmäßig Hassbotschaften und Morddrohungen zugeschickt. 

Christian Drosten hat "ein dickeres Fell" bekommen

Eine 180-Grad-Veränderung seines Lebens, das weiß auch Christian Drosten. "Ich glaube, ich habe ein dickeres Fell bekommen. Das ist für mich ganz gut, weil ich eigentlich nicht der Typ bin, der sich gut vor solchen persönlichen Anfeindungen schützen kann. Auch wenn einige das anders darstellen. Daran kann man schon so ein bisschen, na ja, reifen", verrät der Wahlberliner im Interview mit dem "Spiegel".

"Ich finde, man sollte den Corona-Leugnern sagen: Schaut ins Ausland"

Doch egal, was Corona-Leugner, Impfgegner oder Anhänger der Rechten Szene behaupten: Christian Drosten und sein Team können stolz auf sich sein. "Wir haben mit vergleichsweise milden Maßnahmen eine Pandemiewelle gestoppt, und zwar total effizient, ohne eine große Zahl von Toten", erklärt der Virologe gegenüber "Spiegel". "Ich finde, man sollte den Corona-Leugnern sagen: Schaut ins Ausland. Wir haben in Deutschland etwas geschafft, das kein vergleichbares Land der Welt hinbekommen hat." Und damit das auch in Zukunft so bleibt, forschen Christian Drosten und sein Team unermüdlich weiter. Denn die Coronapandemie ist – so wie der Hype um Christian Drosten – noch lange nicht vorbei.

Verwendete Quellen: Der Spiegel, Twitter, Die Zeit, Süddeutsche Zeitung, NZZ, Berliner Charité, Tagesschau

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