Christian Bale: Kasteien für die Kunst?

Dunkle Augenhöhlen, schmale Lippen, eingefallene Wangen: Christian Bale starrt als klappriger Junkie in die Kameras am Set von "The Fighter". Für seine Rollen mutet der Star seinem Körper viel zu - vielleicht zuviel?

Christian Bale ist mit Leib und Seele

Schauspieler. dabei hat er sich seinem Beruf so verschrieben, dass sein Leib tatsächlich leidet - überschreitet der Perfektionist für seine Kunst inzwischen die Grenzen der eigenen Belastbarkeit?

Sein aktuelles Filmprojekt, das auf einer realen Geschichte beruht, verlangt Bale schier Unmenschliches ab: Für "The Fighter" schlüpft er in die Rolle des Dickie Eklund, der Boxer, Trainer und leider auch Crack-Junkie war und seine Karriere letztlich aufgrund seiner Drogensucht beenden musste. Den Junkie mimt Christian dabei wahrlich überzeugend. Natürlich tragen die Visagisten ihren Teil zu seinem erschütternden Erscheinungsbild bei - so wurde dem Schauspieler etwa das Haar extrem ausgedünnt, Make-up-Schattierungen perfektionieren den kranken Look. Doch maßgeblich ist und bleibt die Extremdiät, mit der Christian Bale seinen Körper bis an seine Grenzen treibt.

Dreh-Kilos

Für die Rolle durch dick und dünn

Als der erste "Thor" 2011 im Kino spielt, kann man den Blick kaum von Chris Hemsworths Oberkörper abwenden. Der Australier hat für seine Rolle als Marvel-Superheld ordentlich Muskeln aufgebaut. 
Mit einer 50-Kalorien-Diät bereitet sich Chris Hemsworth in 2015 auf seinen Film "Im Herzen der See" vor und verliert dabei einige Kilos an Muskeln. Auf einem seiner Instagram-Fotos ist er schließlich kaum wiederzuerkennen.
Zurück in seiner Rolle als Thor legt Chris Hemsworth wieder mächtig zu. Zu seinen Hochzeiten geht er sechs Mal die Woche zum Training und stemmt Gewichte. Das sieht man seinen Armen Anfang 2019 definitiv an.
Wenige Wochen später - Chris Hemsworth hat das extreme Pumpen mittlerweile aufgegeben - sieht der Australier wieder etwas schmaler aus. Wir sind uns allerdings sicher, dass unter diesem Anzug noch immer ein äußerst durchtrainierter Körper steckt.

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Und es ist nicht das erste Mal, dass sich der Perfektionist zum Skelett hungert: 2004 schockte er seine Fans mit einem KZ-gleichen Anblick. In "Der Maschinist" leidet er als Fabrikarbeiter Trevor Reznik über ein Jahr an Schlaflosigkeit; um diese verzehrende Qual auch körperlich sichtbar zu machen, nahm Christian Bale beinahe 30 Kilogramm ab. Das entsprach nahezu einem Drittel seines Ausgangsgewichts. Seine Radikaldiät bestand aus Salat, Kaugummi und fettarmen Latte Macchiato. An manchen Tagen aß er lediglich einen Apfel und eine Dose Thunfisch.

Und als sei dies nicht schon genug Stress für seinen Körper, fing er mit voller Absicht wieder mit dem Rauchen an, um das Hungergefühl zu betäuben. Die Konsequenz: Letztlich fühlte der 35-Jährige sich so schwach, dass er in den wenigen Szenen, in denen er rennen musste, kaum dazu in der Lage war - es war schlicht und einfach kaum noch Beinmuskulatur vorhanden. Die Produzenten verlangten schließlich, dass Bale seine Extremdiät stoppt, da sie ernstahft um seine Gesundheit fürchteten. Hätten sie ihren Hauptdarsteller nicht davon abgehalten, wäre dieser sicher nicht von seinem Plan abgewichen, sich auf 45 Kilo herunterzuhungern.

Jeder Berufskollege hätte sich nach einer solchen Grenzerfahrung wohl erst einmal eine Auszeit gegönnt. Doch nicht Christian Bale. Er stürzte sich direkt in ein neues Projekt: "Batman Begins".

"Was soll ich dazu sagen, ich verachte nun mal romantische Komödien und suche mir lieber Projekte, in denen ich mich fordern kann und so weit wie möglich hinter den Figuren verschwinden kann," erklärt Bale dem "Rolling Stone". Um den Comic-Helden Batman auch wirklich überzeugend mimen zu gönnen, musste er eine stattliche und muskulöse Gestalt annehmen: In weniger als sechs Monaten nahm der Brite 46 kg zu, die Waage sprang von schwachen 58 kg zu massigen 105 kg. Als Bale erschrocken feststellte, dass er sogar ein bisschen zu viel zugenommen hat, reduzierte er sein Gewicht zu Drehbeginn wieder auf 86 kg. Doch die ersten Tage des Trainings nach "Der Maschinist" waren die pure Qual: "Ich konnte keine einzige Liegestütze, man schickte mich zu einem Trainer, der mich am T-Shirt hochhalten musste," erzählt Bale dem "New Zealand Herald".

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Als Method-Actor versinkt Christian Bale völlig in seiner Rolle, wird eins mit der Figur - körperlich wie auch in seinem Gebaren. So fühlt der Waliser sich beispielsweise verpflichtet, wenn er einen Amerikaner spielt, auch in den Interviews zum Film ausschließlich mit einem amerikanischen Akzent zu sprechen. Manchmal gewinnen die Charakterzüge seiner Figuren dann tatsächlich beim realen Christian Bale dei Oberhand. Berühmt ist sein verbaler Ausraster am Set von "Terminator – Die Erlösung". Seine Figur "John Connor" erlebte gerade eine intensive und sehr intime Szene mit seiner Frau, als der Kameramann Shane Hurlbut tapsig ins Bild schlurft, woraufhin Bale völlig die Contenance verlor und wild herumschrie.

Im Juli 2008 brachte es der Schauspieler dann erneut zu unliebsamen Schlagzeilen, als er in London festgenommen wurde, weil er im Hotel seine Mutter und Schwester tätlich anging. Da schien er wohl von der dunklen Seite aus "Batman – Dark Knight" ergriffen worden zu sein. Die Anklage wurde allerdings später wieder fallen gelassen.

Am Set von "The Dark Knight" wurde Christian übrigens auch ein enger Freund von Heath Ledger. Neben der privaten Verbundenheit bewunderten sie insbesondere den Anspruch des jeweils Anderen an die Schauspielerei und die Perfektion. Doch das Schicksal seines jungen Freundes sollte Christian Bale vielleicht warnen; der Körper kann nicht alles verkraften, was der Geist ihm zumutet.

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