Christian + Bettina Wulff Zeit der Ehrlichkeit


Mit viel Schwung und Glamour zogen Christian und Bettina Wulff als neues Präsidentenpaar im Schloss Bellevue ein. Doch jetzt verlieren sie immer mehr an Beliebtheit. Für beide wird es Zeit, leiser zu treten - und endlich ehrlich zu sein

Christian Wulff will das Amt des Bundespräsidenten behalten. Das hat er nun deutlich gemacht. Für seine Frau Bettina und ihn wird die nächste Zeit entscheidend werden: Denn nun muss das Präsidentenpaar zeigen, dass es nicht nur Glamour kann, sondern sich auch menschlich an den höchsten Standard hält.

Den Tag nach dem großen Interview auf ARD und ZDF hatte Christian Wulff sich wohl anders vorgestellt. Der Auftritt auf der großen Bühne der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten am Abend des Mittwochs (4. Januar) und wenig später in der Wiederholung auf N-TV sollte der "große Befreiungsschlag" für ihn werden, wie es im Vorfeld hieß. Ein Großteil dieses Kalkül beruhte wohl auf der Tatsache, dass Bettina und Christian Wulff eines der beliebtesten Präsidentenpaare waren, die das Land je hatte.

Doch stattdessen könnten die Reaktionen danach verheerender nicht sein. "Christian Wulff zeigt sich im Fernsehen ein bisschen reumütig und stilisiert sich zugleich zum Opfer einer Kampagne. Das ist dreist, aber auch geschickt", urteilte etwa der "Spiegel online"-Kommentator Roland Nelles am Folgemorgen. "Der Zweifel bleibt", so die Überschrift bei "Faz.net". Bei der "Financial Times Deutschland" ist man überzeugt, dass Wulff keine echte Reue oder Einsicht gezeigt hat: "Ich bin klein, mein Herz ist rein", fasst die Zeitung spöttisch zusammen. Tatsächlich hatte Wulff sich und seiner Familie einen Bärendienst erwiesen, als er sagte, er wolle nicht in einem Land leben, in dem "Bundespräsidenten keine Freunde haben dürfen."

Auch in der Bevölkerung scheint die Unterstützung für einen Bundespräsidenten zu sinken, der sich nicht allein nur häppchenweise zu Krediten und Gefälligkeiten von und Urlauben bei Freunden äußern, sondern auch die Berichterstattung darüber verhindern will. Auch wenn der Bundespräsident im Interview betonte, dass er "eine große Unterstützung" inne habe, zeigen die Zahlen etwas anderes. Nach dem jüngsten ARD-Deutschlandtrend meinen nur noch 47 Prozent, dass er im Amt bleiben kann, 68 Prozent halten ihn für nicht glaubwürdig, dass Wulff ehrlich ist, glauben nur noch 22 Prozent.

Wulff hatte mit einem Drohanruf bei "Bild"-Chefredakteur Kai Dieckmann versucht, die Zeitung davon abzubringen, über den Kredit für seinen Hausbau zu berichten. Bereits zuvor hatte Wullf, ebenfalls schon im Amt des Bundespräsidenten, einen Autor der "Welt am Sonntag" ins Schloss Bellevue zitiert, weil dieser über seine bisher unbekannte Schwester berichten wollte.

Seine Familie habe er schützen wollen und deshalb mit der vollständigen Wahrheit auf sich warten lassen, so Wulff – das klingt ehrenwert. Und tatsächlich hat seine Familie einen großen Anteil daran, dass Wulff so beliebt ist, ja, vielleicht auch daran, dass er es überhaupt ins höchste Amt des Staates geschafft hat. Mit Bettina, seiner zweiten Ehefrau, kamen staatsmännischer Glanz und die nötige Aufmerksamkeit für seine Person in sein Leben. An ihrer Seite strahlte Wulff nicht mehr nur von den Innenseiten der Magazine und Zeitschriften, sondern nun auch vom Titelbild. Die drei Kinder des Paares, eines stammt aus Bettina Wulffs vorhergehender Beziehung, die Tochter aus Wulffs erster Ehe, machten die Familie zur ersten auf Schloss Bellevue, mit der auch Windeln und Spielzeug Einzug erhielten - endlich ein Präsidentenpaar, das in Deutschland nicht beinahe in Vergessenheit gerät.

Nach Bekanntwerden der Kreditaffäre und Drohanrufe und der unsympathischen Uneinsichtigkeit, die Wulff nun zur Schau stellte, ist das Bild ins Wanken geraten. Ein weiterer glamouröser Auftritt des Paares wird die Glaubwürdigkeit nicht zurück bringen können - im Gegenteil. Um an der Macht und ihrem Glanz festhalten zu können, müssen die Wulffs sich nun nicht nur dem Wort nach in Demut üben und endlich proaktiv ehrlich sein. Das gilt auch für die Vergangenheit Bettina Wulffs, über die es immer wieder die wildesten Spekulationen gegeben hatte. Immerhin: Die 400 Fragen, die in den letzten Wochen im Bundespräsidialamt eingegangen sind, gibt es seit heute öffentlich im Internet zur Einsicht - mitsamt der Antworten.

In Schloss Bellevue soll, so will es die Verfassung, ein Bundespräsident residieren, der Deutschland und die Deutschen repräsentiert. Das haben die Wulffs bisher bei pompösen Staatsbesuchen hervorragend getan. Doch was die Menschen jetzt von ihnen wollen, ist eigentlich nur eines: die Wahrheit.

Shila Meyer-Behjat

gala.de

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