Chloë Grace Moretz + Co.: Wenn Verehrung zur Gefahr wird

Chloë Grace Moretz leidet sehr unter einem Stalker – aber sie geht in die Offensive, so wie immer mehr VIPs. Jüngstes Beispiel in Deutschland: Entertainer Harald Schmidt

Er war für "Kick-Ass"-Star Chloë Grace Moretz, 20, wie ein Schatten. Monatelang litt die Freundin von Brooklyn Beckham, 18, unter ihrem Stalker. Er verfolgte das Objekt seiner Begierde, bezeichnete Chloë auf Social-Media-Kanälen als seine "Ehefrau" und "Liebe meines Lebens". Ende November stand er plötzlich vor ihrer Tür, wollte rein. Chloë rief die Polizei und leitete juristische Schritte ein, um den Mann dauerhaft zu stoppen. Sie erwirkte eine einstweilige Verfügung. Laut einem Schreiben, das der Webseite "TMZ" vorliegt, darf er sich Chloë nur noch auf höchstens 100 Meter nähern. Zudem darf er keinerlei Kontakt zu ihr oder ihrer Familie aufnehmen.

Harald Schmidt wurde bedroht

Das aktuelle Drama um die Jungschauspielerin ist bei Weitem kein Einzelfall – und die perfide Aggressivität ihres Stalkers nicht auf Hollywood beschränkt. Vorige Woche wurde bekannt, dass auch Entertainer Harald Schmidt, 60, im Visier eines Stalkers war. "Am 10. April sind diverse Sprachnachrichten über das Handy verschickt worden, in denen er drohte, Herrn Schmidt und/oder ein Familienmitglied zu töten, wenn er nicht 200.000 Euro zahlt", bestätigt das Landgericht Köln gegenüber GALA. Die Nachrichten und auch Mails gingen an Schmidts Management. Zudem soll der Stalker Fotos, Flaschen und Münzen in den Briefkasten von Harald Schmidt geworfen, dessen Ehefrau und Kinder terrorisiert haben. Schmidt erstattete Anzeige wegen räuberischer Erpressung und Nachstellung. Im laufenden Prozess will das Gericht entscheiden, ob der Angeklagte, der sich bereits in einer Klinik befindet, langfristig in die geschlossene Psychiatrie kommt. Das Urteil wird für den 21. Dezember erwartet.

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Bill Kaulitz, Heidi Klum, Tom Kaulitz
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©Gala

Psychologischer Hintergrund

Die Auswüchse des Stalkings nehmen immer neue Formen an, auch wenn der Begriff schon in den Achtzigerjahren entstand. "To stalk" bedeutet "sich heranpirschen" oder "anschleichen". Ursprünglich ein Wort aus der Jägersprache. "Viele dieser Personen leiden an einer antisozialen Persönlichkeitsstörung", beschreibt Borwin Bandelow, Psychiater und Experte für Angststörungen, im Gespräch mit GALA den typischen Stalker. "Sie haben große Angst, abgewiesen zu werden, neigen zu pathologischer Eifersucht und sind imstande, jedes Mittel anzuwenden. Notfalls auch Gewalt."

Grenzen verschwimmen

Heute scheinen Stars ihren Fans immer verfügbar zu sein. Celebritys sind 24 Stunden am Tag online, auf YouTube, Snapchat, Instagram, einfach überall. Durch wollen sie ihre Fans an sich binden, klar. Doch manche verstehen das falsch, kennen keine Grenzen mehr. Aus Verehrung wird Wahn und damit eine reale Gefahr. Denn mit den vielen Detailinformationen aus erster Hand kann sich der Stalker das Leben seines Opfers regelrecht zusammenpuzzeln. Rund 19.000 Fälle wurden laut Kriminalstatistik 2016 allein in Deutschland angezeigt. Die Dunkelziffer wird deutlich höher geschätzt.

Stalking-Vorfall bei Madonna

Nicht selten sind Megastars die Opfer. Besonders heimtückisch: ein Fall von 1995, in dessen Mittelpunkt Madonna stand. Ein hochgradig psychotischer Stalker verlangte, dass die Queen of Pop ihn heiraten solle. Andernfalls werde er ihr "die Gurgel durchschneiden". Um ihr nah zu sein, versuchte der Mann über die Mauer ihres Anwesens in L. A. zu klettern, doch Security-Mitarbeiter konnten ihn stellen. 1996 wurde er zu zehn Jahren Haft verurteilt und anschließend in die Psychiatrie eingewiesen. Madonna gab in dem Gerichtsverfahren zu Protokoll, sie schlafe seit diesem Tag schlecht.

Gwyneth Paltrow geht in die Offensive

Fünfmal in einer Woche versuchte ein Stalker bei Model Gigi Hadid, 22, in New York einzubrechen. Aus seiner Sicht eine gute Tat: Er war davon überzeugt, als paramilitärischer Kämpfer schon mal Gigis Leben gerettet zu haben. Und Hollywood-Star Gwyneth Paltrow, 45, bekam über einen längeren Zeitraum täglich mehrere Briefe von immer demselbem Absender, mit skurrilen sexuellen und religiösen Anspielungen. Auch einen Vibrator schickte er ihr ins Haus. Eine besonders wirre Drohung: Der Mann wollte ihr "mit einem Skalpell die Sünde aus dem Körper schneiden" … Gwyneth zitierte diese Stelle ganz bewusst öffentlich. Denn wie immer mehr Stars geht sie mit dem Thema Stalking in die Offensive. Vergangene Woche erwirkte sie eine einstweilige Verfügung, die dem Mann verbietet, sich ihr sowie ihrer 13-jährigen Tochter und dem elfjährigen Sohn zu nähern. Seit dem 28. Oktober ist der Briefeschreiber im Gefängnis. Das Verfahren läuft.

Auch Männer werden zu Opfern

Oft sind Männer die Täter, doch sie können auch Stalking-Opfer sein. Justin Bieber, 23, geriet in den Fokus eines Vergewaltigers, der in den USA zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden war. Gemeinsam mit anderen Gefängnis-Insassen schmiedete er ein Komplott: Bieber sollte erdrosselt und kastriert werden – weil er auf die Briefe des Häftlings nicht reagiert hatte. Sogar vor Kindern macht eine kranke Psyche keinen Halt. Englands künftiger König Prinz George, der Sohn von William und Kate, wurde unlängst Zielscheibe von Drohungen aus dem Umfeld des sogenannten IS – da verschwimmen die Grenzen zwischen Stalking und Attentat. Über einen Online-Messenger- Dienst luden die Extremisten ein Bild des kleinen George vor seiner Schule hoch und drohten: "Auch die königliche Familie wird nicht verschont." Umgehend verstärkte das Königshaus die Sicherheitsvorkehrungen.

Auch Michele Hunziker hat Konsequenzen für sich und ihre Familie ergriffen: Inzwischen ist stets ein Leibwächter in der Nähe. Außerdem unterstützt die Moderatorin andere Stalking-Opfer

Hunziker gründete Stiftung

Ähnlich reagierte Michelle Hunziker, 40, nachdem sie mehrmals mit Stalkern zu tun hatte, die vor ihrem Haus warteten, sehr unangenehme Briefe schrieben, Morddrohungen gegen den blonden Sonnenschein und ihre Familie aussprachen. Michelle Hunziker gegenüber GALA: "Bei einigen ist die Fan-Liebe irgendwann in ein aggressives Verhalten umgeschlagen." Für alle Fälle hat die Moderatorin nun immer einen Bodyguard an ihrer Seite. Außerdem gründete sie in Italien die Stiftung "Doppia Difesa" (Doppelte Verteidigung). Sie bietet Stalking-Opfern kostenlos psychologische, ärztliche und rechtliche Beratung und Betreuung an. Eine Botschaft liegt allen Betroffenen sehr am Herzen: Jede Form von Stalking sollte schnell zur Anzeige gebracht werden. Zum Selbstschutz und zum Schutz anderer. Denn die Freude am Leben darf einem keiner nehmen.

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