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Charlotte Würdig Jetzt spricht sie Klartext

Charlotte Würdig: Jetzt spricht sie Klartext
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Nach dem mutigen Geständnis über ihre Fehlgeburten wird Charlotte Würdig mit einem ungeheuerlichen Vorwurf konfrontiert: Sie sei selbst schuld an dem Verlust ihrer Babys. Gegenüber GALA spricht die Moderatorin jetzt Klartext

Eigentlich wollte Charlotte Würdig, 38, mit einem Vorher-Nachher-Foto von sich auf Facebook anderen Müttern Mut machen. Die linke Bildhälfte zeigt sie mit Baby-Bauch kurz vor der Geburt Ihres jüngsten Sohnes im April, die rechte zwölf Wochen danach mit einem Sixpack.

"Was ich mit meinem Post eigentlich sagen wollte, ist: Ich habe Kinder, einen Haushalt, einen Job beim Fernsehen und ein Sportunternehmen", erklärte die Moderatorin im Interview mit GALA. "Aber: Man kann es trotz viel Arbeit schaffen, sich fit zu halten. Wenn man das will. Und das ist der entscheidende Punkt: Wenn man es will."

Doch einige missverstehen die gute Absicht der Sport-Begeisterten.

"Das ist für mich fragwürdig und von der Natur nicht so gedacht", beschwert sich eine Userin. Andere kommentieren: "Wenn man nach 12 Wochen noch stillt und seinem Baby nicht schaden will, lässt man das krasse Training einfach mal noch ein paar Monate warten" und "Wenn man nur Luxusprobleme hat, wie nach 12 (!!!!!) Wochen einen Sixpack zu haben, da kann ich nur platzen."

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Frau Würdig, können Sie verstehen, wenn Frauen sich von Ihrem After-Baby-Body eingeschüchtert fühlen?

Ich kann absolut verstehen, wenn eine Frau nach der Geburt keinen Sport machen möchte und ihrem Körper Zeit lässt, von allein in seine alte Form zurückzufinden. Egal, wie lange er dafür braucht. Mein Sport-Programm ist deshalb als Angebot an diejenigen Frauen zu verstehen, die es genauso machen möchten wie ich. Kein Muss. Kritik finde ich sehr wichtig und es gefällt mir, dass Frauen hinterfragen, was ich poste.

Aber ich mag es nicht, wenn sinnlos draufgehauen wird und die Leute nicht richtig nachdenken.

Warum ist es Ihnen wichtig, so kurz nach der Geburt in Top-Form zu sein?

Zu meinem Leben gehört es, fit zu sein. Geistig und körperlich. Ich will zu hundert Prozent da sein, wenn es darauf ankommt. Deshalb brauche ich Sport und gesunde Ernährung. Dass diese beiden Dinge wichtig sind ist keine Erfindung von mir, sondern der Wissenschaft. Es geht nicht darum, sich kleine Fettpölsterchen an Bauch oder Po abzutrainieren. Es geht um einen gesunden Körper im Ganzen.

Dafür treiben mehrmals in der Woche Sport. Einige werfen Ihnen vor, in der Zeit Ihre Kinder zu vernachlässigen.

Erstens: Es ist nicht schlimm, auch mal an sich zu denken. Zweitens: Ich mache Sport, wenn mein ältester Sohn in der Kita ist und der Kleine sein Morgenschläfchen macht. Das dauert manchmal nur eine halbe Stunde. Wenn mein Mann zu Hause ist, hilft er mir mit den Kindern. Aber wenn ich alleine bin, dann entscheiden meine Söhne, wann ich trainiere und wann nicht. Manchmal wird es elf Uhr abends, bis ich dazu komme. Mir fällt das dann auch nicht leicht. Aber dann gebe ich mir eben einen Arschtritt.

Einige User gegen im Social Web noch weiter mit ihrer Kritik: Sie werfen Charlotte Würdig vor, ihre beidem Fehlgeburten durch Sport selbst verschuldet zu haben. "Ich könnte k****en! Überleg mal, ob Dein Sport was mit Deinem schlimmen Schicksal zu tun hat", geht eine Frau besonders hart mit Charlotte ins Gericht. "Es ist alles Karma! Wegen sowas setzen sich andere Frauen extrem unter Druck."

Ich war fassungslos, aber komischerweise nicht verletzt, als ich das gelesen habe", sagt die "Hammerbraut" zu Gala. "Ich finde diesen Kommentar so daneben, dass mir dieser Mensch fast schon Leid tut. Das ist Dummheit gepaart mit Unwissenheit. Der hat doch keine Ahnung, ob ich während meiner Schwangerschaften Sport gemacht habe.

Haben Sie denn Sport getrieben, als sie schwanger werden?

In meiner ersten Schwangerschaft, nach der ich einen tollen, gesunden Jungen geboren habe, da habe ich Sport gemacht. In der zweiten und dritten Schwangerschaft, die leider nicht gut verlaufen sind, dachte ich: "Lass das lieber." Nach den Fehlgeburten habe ich verständlicherweise ein Sportverbot vom Arzt bekommen.

Es besteht da definitiv kein Zusammenhang. Dabei hätte ich mir das gewünscht. Ich wünschte, ich wüsste genau, warum ich meine beiden Kinder verloren habe. Dann könnte ich andere Frauen davor warnen, Sport in der Schwangerschaft zu treiben.

Sie nehme sich nicht mehr jeden bösen Kommentar zu Herzen, sagt die Unternehmerin, die mit ihrem Programm "Back2U" andere für mehr Sport begeistern will . "Aber ja: Manchmal denke ich immer noch "Das hast du jetzt nicht wirklich geschrieben?" Einmal hat zum Beispiel jemand gepostet: "Du verdienst es nicht zu leben, sterben sollst du". Ich blocke solche extrem beleidigene Menschen. Wer weiß, zu was die sonst noch fähig sind."

Warum hetzen einige Menschen im Social Web so gegen Sie?

Ich denke, dass es bei vielen eine Schutzmaßnahme ist. Dass die Leute insgeheim auch Sport treiben und fit aussehen wollen, sich das aber nicht zutrauen. Aber: Mir würde es nie einfallen, eine Frau wegen ihres Körpers anzugreifen. Ich gehe nicht zu einer Übergewichtigen und sage: "Na, wollen wir etwas gegen deine Pfunde machen?“

Aber umgekehrt werde ich wegen meiner durchtrainierten Figur angegriffen. Ich fühle mich durch die Kommentare aber nicht verletzt. Diese Leute kritisieren im Grunde ja nicht mich, sondern den guten Geschmack.

Wie denkt ihr Ehemann Paul über den Wirbel, den das Foto verursacht hat?

Mein Mann findet mein Vorher-Nachher-Foto super! Er ist sehr stolz auf mich und sagt, dass ich eine starke Person bin. Im Hinblick auf die negativen Kommentare, aber auch die Fehlgeburten und meinen Umgang damit. Er sieht das Positive darin für andere Männer. Nämlich, dass die vielleicht jetzt besser verstehen, was in einer Frau vorgeht, die ein Kind verloren hat.

Warum haben Sie der Öffentlichkeit von Ihren Fehlgeburten erzählt?

Es ist wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten. Als Frau sollte man über seinen Verlust sprechen. Darüber, dass es wehtut. Dass es schockierend ist. Dich traurig macht. Das hilft, positiv abzuschließen. Aber natürlich: Ich erlebe auch noch Momente, zum Beispiel nachts, wenn mit meinem kleinen Sohn im Bett liege und ihn füttere, dann schaue ich aus dem Fenster und denke: „Vielleicht schauen die beiden ungeborenen Kinder auf uns herunter.“ Diese Gedanken muss man zulassen. Es ist okay, auch ein Jahr später noch zu weinen.

Wie haben Sie Ihrem älteren Sohn damals die Situation erklärt?

Mein Sohn war damals mit einem Jahr bzw. zwei Jahren noch sehr jung. Ich war nur in ambulanter Behandlung für die Eingriffe. Zu diesem Zeitpunkt war mein Sohn in der Kita und hat nichts mitbekommen. Als er später nach Hause kam, lag ich im Bett. Da hat mein Mann ihm gesagt, dass Mama ein Bauch-Aua hat und müde ist. Da kam mein Sohn zu mir und hat meinen Bauch gestreichelt. Ich hab es als großes Glück empfunden, dass er da war. Wenn er und sein Bruder alt genug sind, werde ich den beiden von ihren ungeborenen Geschwistern erzählen.

jre Gala


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