Carsten Maschmeyer: Harte Schale, weicher Kern?

Der Self-Made-Milliardär und Jury-Mitglied in "Die Höhle der Löwen" Carsten Maschmeyer ist durch seinen neuen TV-Job viel weicher geworden – in GALA erklärt er seinen Wandel

Er belegt laut dem Magazin "Bilanz" Platz 123 der reichsten Deutschen (geschätztes Vermögen: 1,2 Milliarden Euro), und hat mit Ehefrau Veronica Ferres, 51, eine der beliebtesten Schauspielerinnen Deutschlands an seiner Seite. Obwohl er jährlich Millionen für gute Zwecke spendet, sahen viele in Carsten Maschmeyer, 57, bislang nur den kühl kalkulierenden Geschäftsmann.

Seit er als Juror in der VOX-Gründer-Show "Die Höhle der Löwen" sitzt, ist das anders. Hier zeigt der Finanzunternehmer sich von einer Seite, die zuvor niemand von ihm sehen konnte – oder wollte. Er wirkt plötzlich nahbar, menschlich, respektvoll und bedacht. Das merken nicht nur die Zuschauer. Auch er selbst spürt eine Wesensveränderung, wie er beim Interview in Berlin offen zugibt – und eine Seite von sich zeigt, die so gar nicht dem alten Image entspricht.

Was waren die Gründe, dass Sie in der neuen Staffel von "Die Höhle der Löwen" dabei sind?

Ich bin ein Fan der Sendung. Schon im vergangenen Jahr hat mein Team sich in Seh-Dienste eingeteilt, um dienstags "Höhle der Löwen“ zu gucken, damit uns keine Innovation verloren geht. Denn selbst wenn die Gründer in der Sendung keine Investition bekommen, könnte uns die Idee ja gefallen. Ich mache immerhin seit knapp sechs Jahren Start-up-Investments.

Es war also ein gewisses Eigeninteresse?

Ja. Ich will das Gründertum stärken, und als Juror komme ich früher und günstiger an die Deals. Wenn das Produkt erst einmal im Fernsehen präsentiert wurde, haben die Firmen danach meistens deutlich mehr Umsatz als vorher. So wie der Blufixx-Klebestift, in den ich investiert habe. In vielen Geschäften war er nach wenigen Tagen ausverkauft. Zusätzlich haben nach wenigen Tagen große deutsche Einzelhandelsketten und Baumärkte hunderttausende Zauberstifte bestellt.

Wie viel haben Sie in Blufixx investiert und was haben Sie im Gegenzug bekommen?

Das Investment betrug 300.000 Euro und dafür wurde ich mit 20 Prozent beteiligt. Das hat sich jetzt schon gelohnt. Der Unternehmenswert hat sich bereits vermehrfacht.

Hatten Sie vor Ihrem Antritt als TV-Juror auch Bedenken?

Nicht wirklich. Ich hatte lediglich Bedenken, dass die anderen Löwen die Sorge haben, dass ich sie in den Deals häufig überbiete. Das war aber überhaupt nicht der Fall und ich hatte das sowieso nie vor. Sie haben mich ganz herzlich aufgenommen, vom ersten Tag an.

Was war für Sie die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten?

In der ersten Jahreshälfte war ich fast die ganze Zeit in Kalifornien und bin für die Pitch-Tage eingeflogen. Mittags hatte ich dann oft ein Tief und habe mir gewünscht, auch mal ohne Jetlag zu drehen. Es ist eine zusätzliche Belastung, wenn der Körper so müde ist. Und was ich überhaupt nicht mag, ist das andauernde Geschminke. Ständig fasst einem einer ins Gesicht und pudert einen nach. Bis ich das Makeup abends dann wieder aus meinem Gesicht hatte, das hat gedauert …

Sind Sie eitel?

Authentizität ist mir wichtig. Es gab einen Tag, an dem die Trailer gedreht wurden, also gestellte Szenen. Für 30 Sekunden haben wir acht Stunden gebraucht. Ich bewundere die Begabung meiner Frau, denn ich kann überhaupt nicht die Anweisungen eines Regisseurs umsetzen. Ich nehme an der Investorensendung teil, weil ich sein kann, wie ich bin. Mir sagt keiner, was ich sagen soll oder wie ich sitzen muss.

Haben Sie sich von Ihrer Frau im Vorfeld Tipps geholt?

Natürlich, alles andere wäre unnormal. Sie sagte mir zum Beispiel: "Geh am besten mit Jeans, Hemd und Jackett da rein." Der Kompromiss war dann, dass ich zwar keine Jeans anziehe, aber die Krawatte weglasse. Immerhin war früher mein dunkelstes Hemd weiß und mein hellster Anzug dunkelblau. Mittlerweile trage ich auch mal ein hellblaues Hemd. In der Hinsicht habe ich mich gerne von ihr beraten lassen. Sie hat mir aber auch gesagt, dass ich meine positive Art behalten und auch in schwierigen Situationen nicht finster gucken soll. Das habe ich versucht zu berücksichtigen. Auch aus Respekt den Kandidaten gegenüber. Ach, und dann hat sie mir auch geraten, mich nicht zu stark schminken zu lassen. Ich sei immerhin ein Mann, und keine Frau. Aber dann muss das in dem ganzen Scheinwerferlicht anscheinend doch mehr sein, wie das eben so vor der Kamera üblich ist.

Wie ist das beim Thema Finanzen: Geben Sie Ihrer Frau Ratschläge?

So wie ich zu bestimmten Themen Fragen an sie habe, fragt sie mich in kaufmännischen und finanziellen Angelegenheiten um Rat.

Hört sie denn auch auf Sie?

Sie ist eine sehr eigenständige Person. Was ich aus meiner Erfahrung in ihren Entscheidungsprozess mit einbringe, berücksichtigt sie. Aber sie trifft ihre Entscheidungen selbst. Und das ist gut so.

Wer hat bei Ihnen zu Hause die Hosen an?

Je nach Situation. Es gibt ja zwei Dinge zu berücksichtigen. Erstens: Jedes harmonierende Paar weiß, wo die Stärken und Erfahrungen des anderen liegen. Und zweitens: Veronica und ich sind beide sehr empathisch. Wir spüren, wenn etwas dem anderen besonders wichtig ist.

Erst kürzlich hatten Sie beide hintereinander einen Quotenrekord. Ihre Frau mit "Lena Fauch" und Sie mit "Höhle der Löwen". Kommt da Konkurrenzdenken auf?

Nein, wir freuen uns füreinander. Sie war am Montag Tagessieger, die Löwen am Dienstag. Ein paar Wochen vorher rief sie mich allerdings ganz aufgeregt an und meinte: "Sag mir bitte nicht, dass 'Lena Fauch' und 'Die Höhle der Löwen' am gleichen Abend ausgestrahlt werden. Dann ruinieren wir uns gegenseitig die Quote!" (lacht)

Mit Schauspielerin Veronica Ferres ist Maschmeyer seit September 2014 verheiratet

Und was haben Sie gesagt?

Dass es nicht am gleichen Tag ist, es aber auch nicht schlimm gewesen wäre, weil wir dann die Quote einfach addiert hätten. Das wäre dann zum ersten Mal sozusagen eine Paar-Rekordquote.

Haben Sie sich "Die Höhle der Löwen" dann zusammen angeschaut?

Die erste Sendung habe ich zusammen mit meiner Frau gesehen. Beim zweiten Mal kam sie aufgrund der Dreharbeiten erst später dazu.

Und wie waren die Reaktionen in der Familie?

Meine beiden Söhne, meine Frau und meine Stieftochter finden es toll. Sie haben gesagt: "Du machst das gut, du stellst die richtigen Fragen, du bist nicht brutal zu den Gründern, und deine Kompetenz kommt rüber." Was bringt mir eine tolle Quote, wenn Familie und Freunde sich an den Kopf fassen? Die Quote zu Hause ist für mich die wichtigste! Jeder einzelne von ihnen zählt für mich wie eine Million Zuschauer.

Wie hat Ihr berufliches Umfeld auf den TV-Job reagiert?

Die Worte meiner Freunde aus der Wirtschaft, von Unternehmern, von Dax-Chefs, lauteten ungefähr wie folgt: "Sind die Investments gut? Verdienst du mit diesen Unternehmens-Beteiligungen auch Geld?" Als ich das bejahte, rieten sie mir: "Dann mach' weiter!" Die könnten nicht verstehen, wenn ich nur mitmachen würde, um im Fernsehen zu sein.

Wenn Sie Ihre Wahl für oder gegen einen Gründer treffen, ist das eher eine Kopf- oder eine Bauchentscheidung?

Es ist gut, wenn Bauch und Kopf zustimmen – oder eben beide absagen. "Bauch" ist für mich die Person. Aber wenn der Bauch sagt, der Gründer ist toll und ich bin dennoch nicht von dem Produkt überzeugt, dann würde ich den Deal nicht eingehen. Es muss beides passen.

Wie ist das abseits der Sendung?

In der Firma leite ich das Bauch-Ressort. (lacht) Ich habe sehr gute Experten, die mit mir arbeiten und sehr schnell eine professionelle Einschätzung zu Branchen, Strategien und Märkten liefern. Aber ich verlasse mich am Ende auf mein Gefühl. Ich muss Lust auf die Menschen haben, mit denen ich zusammenarbeite. Ich möchte nicht einfach nur einen Scheck ausschreiben.

Behalten Sie eine persönliche Verbindung zu den Gründern?

Mit Dinko Jurcevic, dem Erfinder von Blufixx, habe ich mich – wie mit allen Gründern – noch am selben Abend getroffen, und wir habe eine Expansionsstrategie entwickelt. Innerhalb einer Woche war ich in seiner Firma, und drei Wochen später war ich mit zwei meiner Vertriebsprofis bei ihm in Las Vegas auf der National Hardware Show. Diese Nähe und enge Zusammenarbeit habe ich auch zu allen anderen Startup-Geschäftsführern. Und über die Zeit entstehen auch Freundschaften.

Wie wichtig ist das für eine erfolgreiche Zusammenarbeit?

Es fördert das offene Reden und das Diskutieren ohne Grenzen. Es darf aber nicht dazu führen, dass sich alle lieb haben und keiner sich traut, Schwachstellen anzusprechen. Als Zuschauer freut man sich mit den Kandidaten, man versteht aber auch die Investoren.

Wie schwer fällt es Ihnen, harte Kritik zu üben?

Es fällt mir generell nicht leicht, Menschen ein Nein zu erteilen. Ob bei Bewerbungsgesprächen oder wenn es um ein neues Gründerteam geht. Der Erfolg der Sendung besteht aber meiner Meinung nach genau aus diesen vielfältigen Emotionen.

Wie gehen Sie selbst mit Kritik um?

Für mich ist Kritik eine Hilfe, um besser zu werden. Und da kann man doch gar nicht genug von bekommen. Es ist natürlich ein Unterschied, wenn man eine Verhaltensweise kritisiert oder die Person an sich. In diesem Punkt unterscheide ich klar. Man darf in meinen Augen keine Person angreifen. Jeder Mensch verdient Respekt. Jeder Mensch ist einzigartig. Verhaltensweisen oder Einstellungen kann man aber ändern.

Wer sind Ihre größten Kritiker?

Das sind mehrere Menschen – und das genieße ich sehr. Die Namen werde ich aber nicht nennen, damit sie mir weiter ungehemmt ihre Verbesserungsvorschläge machen können. Eines kann ich aber sagen: Ich liebe keine "Mir nach dem Mund-Redner" in meinem Umfeld.

Sie haben einen sehr zeitintensiven Arbeitsalltag, Ihre Frau auch. Wie halten Sie die Balance zwischen Beruf und Privatleben?

Die ganze Familie sorgt dafür, dass wir alle ausreichend Quality-Time zusammen verbringen. Das klappt bisher wirklich super.

Mit welchen Kleinigkeiten machen Sie sich eine Freude? Wer steht morgens als Erster auf und kocht den Kaffee?

Wir haben viele kleine und große Dinge, mit denen wir uns gegenseitig in der Familie Freude machen. Was wir da tun, das genießen wir für uns. Die Frage nach dem Kaffee stellt sich nicht, weil ich Tee trinke. (lacht)

Haben Sie durch Ihre Erfahrungen bei "Höhle der Löwen" neue Seiten an sich entdeckt?

Früher, wenn ich bei meiner Frau am Set war, habe ich es oft nicht verstanden, warum sie jeden umarmt, jeden duzt und jeder allen ein Küsschen gibt. Dann habe ich sie gefragt: "Muss das sein? Du kennst die doch kaum." Als ich nun meinen ersten Drehtag hatte, wurde mir gleich erklärt, dass sich alle duzen. Nach drei, vier Drehtagen habe ich dann auf einmal den Mann umarmt, der mich immer verkabelt hat. Und am Schlusstag, bei einem Empfang, habe ich gesagt: "Ich verstehe meine Frau jetzt besser." Ich kann Gefühle mehr zeigen und bin offener geworden.

Haben Sie auch schon Reaktionen von Fans bekommen?

Wir kriegen sehr viel positives Feedback. Tatsächlich hat jeder Löwe Autogrammkarten, das wollte ich für mich anfangs gar nicht. Dann habe ich allerdings gemerkt, wie viele Briefe man erhält und wie viele Menschen nach Autogrammen fragen – und mich umentschieden. Wenn ich den Menschen mit so etwas eine Freude machen kann, dann mache ich das, aus Höflichkeit. Ansonsten ist das nicht meine Welt.

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