Carla Bruni: Ihr neues Leben

Endlich keine Zwänge mehr! Das Polit-Aus ihres Ehemanns Nicolas Sarkozy bietet Carla Bruni neue Chancen. Wie sie die nutzen will, weiß sie ganz genau

Carla Bruni

Nein, dieses Spiel hat ihr gar keinen Spaß gemacht.

"Première Dame" hieß es, und anfangs wollte sie es so unbedingt haben, wie ein kleines Mädchen seine Barbiepuppe. Stolz und wunderschön, glamourös und selbstsicher hatte sich Carla Bruni, 44, vor vier Jahren an der Seite von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, 57, präsentiert. Jeder Auftritt eine kleine Sensation. Doch irgendwann später hätte sie dieses blöde Spiel am liebsten in die hinterste Ecke ihres Zimmers gepfeffert. Damit aber musste sie warten, bis der große Tag endlich da war: Vergangenen Sonntag wurde ihr Ehemann abgewählt, unterlag mit 48,3 Prozent seinem sozialistischen Herausforderer François Hollande. Und während der Verlierer selbst mühsam um Fassung rang und am Abend in der "Maison de la Mutualité" mit heiserer Stimme seine Niederlage eingestand, hätte Carla Bruni, so schien es, schon Stunden zuvor, als sie im Gymnasium "La Fontaine" ihren Stimmzettel in die Urne warf, am liebsten gejubelt.

Denn der Tag, der für ihren Mann das bittere Ende einer 35jährigen Polit-Ära bedeutete, signalisierte für sie den Start in ein neues Leben. Eines ohne Etikette, Zwänge und die Argusaugen eines ganzen Volkes. Dass sie sich nach genau diesem Dasein sehnt, hatte Bruni schon vor wenigen Wochen in einem Interview gestanden: "Ich wäre glücklich, meine Tourneen wieder aufnehmen zu können - und meinen Mann einmal anders zu entdecken", sagte sie dem französischen Magazin "Elle". Ihre vierte CD hat die Sängerin bereits produziert, nur mit der Werbung dafür wollte sie den Wahlkampf abwarten. Es scheint fast so, als sei sie schon lange davon ausgegangen, dass ihr Mann der erste Präsident seit 31 Jahren ist, der Frankreich nur eine Amtszeit lang regiert. Was hätte sie nur getan, wenn ihr Nicolas das Ruder doch noch herumgerissen hätte? Dass sie weitere fünf Jahre in diesem Korsett, in das die "Grande Nation" sie geschnürt hat, überstanden hätte, scheint überaus fraglich. Lustlos und gleichgültig wirkte sie bei politischen Auftritten schon seit Monaten. Allein ihr Look: Enges Kostüm und High Heels wichen Schlabberpulli, Hose und bequemem Schuhwerk. Für besonderes Erstaunen sorgte ihr Outfit am Abend des für den Präsidenten so wichtigen TV-Duells gegen seinen Herausforderer wenige Tage vor der Wahl. Unfrisiert und mit hervorblitzenden Speckröllchen am Bauch spazierte Bruni ins Studio des Senders TF1. Falls sie so Bodenständigkeit und Normalität demonstrieren wollte, ging das gründlich schief.

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Ihre Verwandlung: Elegant, sexy und weltgewandt - So präsentierte Carla Bruni sich anfangs als "Première Dame". Nach wachsender Kritik an der Verschwendungssucht ihres Mannes und nach der Geburt ihrer Tochter Giulia im Oktober 2011 erschien Bruni im neuen Lässig-Look.

Doch wirklich erschrecken konnte sie die eleganten Franzosen eigentlich auch nicht mehr. Seit Monaten schon zerreißen sie sich die Mäuler über das veränderte Aussehen ihrer First Lady, spekulieren die Medien über Botox-Injektionen und karikieren Bruni als dickbackigen Hamster. "Ich habe nach der Schwangerschaft einfach noch zehn Kilo zu viel", verteidigte sich Bruni kürzlich in einem Interview. Eigentlich sympathisch, dass sie sich nach der Geburt ihrer Tochter Giulia im Oktober nicht gleich im Klum’schen Tempo wieder Traummaße antrainiert. Und doch hätte das besser zu ihr gepasst. Zum Star Carla Bruni. Dem ehemaligen Top-Model, das in den Achtzigerjahren Rekordgagen von jährlich 7,5 Millionen Dollar kassierte. Dem Vamp, der von Mick Jagger über Eric Clapton bis zu Kevin Costner so ziemlich jeden interessanten Mann verführte. Der Sängerin, die ihre Texte so sexy haucht, dass ein schiefer Ton gar nicht auffällt. Der Tochter aus reichstem italienischem Industriellen-Hause, den Besitzern des Reifenherstellers Ceat, der später an Pirelli verkauft wurde. Doch die vergangenen Jahre an der Seite des konservativen Politikers scheinen Carla Bruni so verändert zu haben, dass sie zum Schluss ihren Glamour-Faktor verlor.

Dabei hatte alles so vielversprechend angefangen, damals im Dezember 2007. Dass der kleine Nicolas Sarkozy - er ist gerade mal 1,70 Meter und trägt gern Schuhe mit Absatz -, der im Mai zuvor gerade zum Präsidenten gekürt worden war, eine Affäre mit der schönen Carla Bruni haben sollte, glich einer Sensation. Erst als die ersten Fotos auftauchten, mal aus Disneyland Paris, mal aus Luxor, begriffen Beobachter, wie ernst das war, was im Februar 2008 dann vor dem Standesbeamten im Élysée-Palast mit zwei "Oui" offiziell wurde. Und auch wenn niemand wirklich wusste, wie echt diese Liebe ist, der Faszination des Power-Couples konnte sich niemand entziehen. Und der Première Dame brachte der neue Job ganz offenbar viel Spaß. Auf rotsohligen Louboutins und mit langem Schlitz im Kleid, mit tiefem Dekolleté und schmaler Taille mischte sie die sonst eher trockenen Politikerrunden auf, plauderte mit Barack Obama, schenkte Prinz Charles ihr katzenäugiges Lächeln und kraulte immer wieder den Schopf ihres mächtigen Ehemanns. Wie es sich in ihrer Position gehört, gründete sie die Stiftung Carla-Bruni-Sarkozy, die gegen Analphabetismus kämpft und sich für freien Zugang zu Bildung und Kultur einsetzt, sammelte schon in den ersten beiden Jahren sieben Millionen Euro Spenden und begleitete ihren Mann.

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"Nur Gattin", konnte sie dann aber doch nicht. Sie brachte 2008 ihr Album "L’amoureuse" heraus, trat bei "Wetten, dass..?" auf und spielte ein Jahr später sogar in Woody Allens Film "Midnight In Paris" eine wenn auch sehr kleine Rolle. Zu mondän, fanden viele Franzosen, die bis dahin eigentlich ganz zufrieden mit ihrer "Première Dame" waren. Die Misstöne lagen wohl auch viel eher an ihrem Mann, der schon am Wahlabend als "Bling-Bling-Präsident" in die Geschichte einging, als er seinen Sieg im Luxus-Restaurant "Le Fouquet" feierte. Fotos auf Jachten und mit einer Rolex am Handgelenk, Steuerbegünstigungen für Millionäre, lukrative Posten für gute Freunde und Gehaltserhöhungen für sich selbst ließen Sarkozy schnell zum Präsident der Reichen werden. Da passte seine glamouröse Gattin nur zu gut ins Bild - auch ohne dass sie was Verwerfliches tat. Dass die Kritik sie dennoch traf, zeigte ihre Reaktion: Bruni zog sich vor etwa zwei Jahren zurück, tauchte nur noch auf, wenn es unbedingt nötig war, kümmerte sich um ihren Sohn Aurelien, 10, aus der Beziehung mit dem Philosophen Raphael Enthoven und brachte vor sieben Monaten Tochter Giulia auf die Welt. "Unser wahres Leben ist zu Hause, mit den Kindern, ganz ruhig und banal", sagte Bruni in einem Interview. Und genau so wolle sie künftig mit ihrer Familie leben.

Sarkozy, der schon vor der Wahl angekündigt hatte, dass er sich bei einer Niederlage aus der Politik zurückziehen will, wird vermutlich in seinen alten Beruf als Rechtsanwalt zurückkehren. Und Bruni kann endlich wieder sie selbst sein. Nur daran, dass ihr Mann jetzt ein ganz anderer ist, wird sie sich gewöhnen müssen. Der so mächtige Mann, in den sie sich verliebt hat, wird heute von den französischen Medien als "Monsieur Gernegroß" verulkt, wird in bissigen Nachrufen als cholerisch, wankelmütig und geltungssüchtig charakterisiert. Ob die Liebe trotzdem groß genug ist, werden die nächsten Monate zeigen. Sobald Sarkozy in diesen Tagen die Amtsgeschäfte offiziell an François Hollande übergeben hat, will er sich seiner Familie widmen. Und alles dafür tun, dass nicht auch seine dritte Ehe zerbricht. Sommermonate in Brunis Feriendomizil bei Cap Nègre sind geplant, vorher noch der Umzug aus dem Élysée-Palast. Künftig wird die Familie in einer Luxusvilla im noblen 16. Arrondissement leben. Die gehört Bruni. Und hier regiert sie. Tatjana Detloff Mitarbeit: Silke Bende

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