Caitlyn Jenner: Unruhe im Kardashian-Clan

Lange hat Caitlyn Jenner ihr wahres Ich veborgen. Warum ihr Transgender-Coming-out für Zoff im Kardashian-Clan sorgt - und wem sie als Bruce lieber war

Den großen Auftritt ihres Ex-Ehemanns hat Kris Jenner von zu Hause aus verfolgt, mit einer guten Freundin an der Seite und einem Drink in der Hand. Auf der Couch schaute sich die 59-Jährige im US-Fernsehen an, wie Bruce, mit dem sie 23 Jahre lang verheiratet war, nun als Caitlyn bejubelt wurde und für den Mut, sich als Transgender zu outen, den "Arthur Ashe Courage Award" erhielt. "Natürlich war es bitter für sie, dass der Mann, der jahrzehntelang nicht den Mut hatte, ihr oder seinen beiden Ehefrauen davor die Wahrheit zu sagen, nun für seine Offenheit und Tapferkeit geehrt wird", sagt ein enger Vertrauter zu GALA. Eine harte Aussage, die ahnen lässt, dass es im Kardashian-Clan nach dem Coming-out des Familienoberhaupts Bruce Jenner lange nicht so harmonisch zugeht, wie Kim, Kourtney & Co. vorgeben …

Bravouröser Auftritt

Bei der Vergabe des Sport-Oscars im "Microsoft Theatre" von Los Angeles aber präsentierten sich neun von Jenners zehn leiblichen und Stiefkindern und seine Mutter Esther, 88, als Einheit. Und auch Kris Jenner, die nicht eingeladen war, kam am nächsten Tag nicht umhin, zumindest in der Öffentlichkeit lobende Worte für ihren Ex zu finden: "Sie war wunderbar und tapfer. Sie sah so schön aus." In der Tat: Es war ein bravouröser Auftritt für den ehemaligen Profi-Leichtathleten und Olympiagewinner, den die Welt seit Anfang Juni als Caitlyn Jenner, 65, kennt: Tränen, stehender Applaus, Gratulationen.

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Witziges "High School Musical"-Revival in der Karaoke-Bar

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Vanessa Hudgens bringt Fan-Herzen zum Schmelzen und legt einen sympathischen Karaoke-Auftritt mit Déjà-vu-Effekt hin.
©Gala

Emotionale Rede

Grandios sah sie aus in der Versace-Robe, eine ganz ähnliche Kreation hatte Angelina Jolie 2010 bei einer Premiere getragen. Nun hatte Caitlyn für ihren großen Abend deren Stylistin Jen Rade engagiert. Und dann erst die Rede! Es gab kein Halten für Caitlyns Angehörige, als ihr geliebter Vater und Sohn ihnen während der zehnminütigen Ansprache mit tränenerstickter Stimme von der Bühne aus dankte: „Jetzt kommt der schwerste Teil. Ich möchte meiner Familie danken. Ich wollte nie jemanden verletzen, schon gar nicht meine Familie und meine Kinder. Ich bin so dankbar, dass ich euch habe.“

Caitlyn Jenner stellt alles auf den Kopf

Eine rührende Szene aus dem echten Leben der berühmtesten TV-Familie der Welt, deren Alltag als Doku-Soap "Keeping Up With The Kardashians" mittlerweile in der zehnten Staffel in 160 Ländern ausgestrahlt

wird. Kein Drehbuchautor hätte sie emotionaler aufschreiben, kein Regisseur sie wirkungsvoller inszenieren können. Überhaupt stellt Caitlyn Jenner mit den jüngsten Entwicklungen alles auf den Kopf, was die

Kardashians seit acht Jahren ausmacht. Damals begründete Kim den fragwürdigen Ruhm, als ein privates Sex-Video von ihr und Sänger Ray J veröffentlicht wurde. Wenige Monate später bekam sie ihr erstes TV-Angebot.

Mittelpunkt des Familienclans

War es bisher Trash pur, den die TV-Zuschauer vom Hintern- Röntgen (Implantate oder nicht?) bis zum Bettgeflüster hautnah erlebten, wird Jenners Geschlechtsanpassung nun als gesellschaftliches Thema diskutiert, sie selbst als Ikone der Transgender-Bewegung gefeiert, der Prominente von US-Präsident Barack Obama bis zu Lady Gaga öffentlich ihre Anerkennung aussprechen. Eine Aufwertung, die das Machtgefüge innerhalb der Familie durcheinandergebracht hat und unter den ausgewachsenen Exzentrikern für Eifersucht und Zickenkrieg sorgt: Ging der Bruce von einst zwischen seiner dominanten Ehefrau Kris, der schillernden Tochter Kim und deren mehr oder minder erfolgreichen Geschwistern als Nebendarsteller fast unter, ist Caitlyn nun gefeierter Mittelpunkt des verzweigten Clans.

Den Hang zur Selbstdarstellung haben die Jenners und Kardashians offensichtlich gemeinsam. Bei den ESPY-Awards ließen sie sich backstage fotografieren – kurz darauf war das Foto auf den Twitter- und Instagram- Accounts der Soap-Darsteller zu sehen

Weltweite Aufmerksamkeit

Im April das Coming-out bei Talk-Lady Diane Sawyer, im Juni dann das sensationelle „Vanity Fair“-Shooting, und nun startet auf E! Entertainment die Doku-Soap "I am Cait" – ein TV-Format, für das Jenner fünf Millionen Dollar kassieren soll. Dazu Werbeanfragen von Mode- und Beautyfirmen, eine eigene Kollektion, ein Buch-Deal … "Caitlyn kann in den nächsten fünf bis zehn Jahren bis zu 500 Millionen Dollar verdienen", schätzen amerikanische Marketing-Experten. Kurz: Caitlyn erfährt gerade eine weltweite Aufmerksamkeit, die bislang keines der Familienmitglieder in dieser Form genossen hat. Dass Kim mit Ehemann Kanye West das zweite Kind erwartet, Kendall zum Lieblingsmodel von Karl Lagerfeld avanciert oder Kourtney sich nach langem Hin und Her endgültig von Ehemann Scott Disick trennt – was Fans und Medien in alten Zeiten wochenlang beschäftigt hätte, sind jetzt nur noch Randnotizen.

"Das ist meine letzte Chance"

Nicht die Nummer eins zu sein, ist eine ganz neue Erfahrung vor allem für Kim – und auch für Kris, die ihre Familie managt, jeden Vertrag aushandelt. Für ihren Ex-Gatten darf sie das allerdings ausgerechnet jetzt, wo die Kasse heller klingelt denn je, nicht mehr. Caitlyn hat sich nach der Scheidung im vergangenen Jahr einen neuen Berater an die Seite geholt. Alan Nierob, ein renommierter PR-Stratege der Agentur Rogers & Cowan, hat das Coming-out Schritt für Schritt vorbereitet, dabei nichts dem Zufall überlassen. Brancheninsider feiern die Kampagne schon als einen der cleversten PR-Coups der US-Mediengeschichte. Selbst die letzten Zweifler konnte Caitlyn davon überzeugen, dass sie es ernst meint mit ihrer neuen Identität: „Ich bin mein ganzes Leben vor Caitlyn davongerannt, das ist meine letzte Chance, der Mensch zu sein, der ich wirklich bin“, sagte sie in einem Interview.

Riesige Fangemeinde

Aussagen wie diese verletzten Kris tief. „Er war mit mir verheiratet und dabei nicht die Person, die er sein sollte. Das war erbärmlich“, so die verlassene Ehefrau zu „Vanity Fair“. Dass Bruce seine Transformation heimlich vorbereitet hat, nimmt sie ihm übel, die Prozedur zeigt aber auch, wie ernst es ihm war: Eine jahrelange Hormontherapie und diverse Operationen hat die heutige Caitlyn für diesen Befreiungsschlag auf sich genommen, dazu immense Kosten. Allein eine zehnstündige Gesichts-OP hat 70000 Dollar gekostet. Und während sich die Familie in einer emotionalen Achterbahnfahrt erst langsam daran gewöhnen musste, dass Bruce nun Caitlyn ist, wuchs ihre Fangemeinde rasend schnell. Knapp drei Millionen Menschen folgen ihr bei Twitter, ebenso viele bei Instagram. Ob sie sich ihre Fingernägel hellblau lackiert oder mit anderen Transgenders eine „Girl’s Party“ feiert, Caitlyn offenbart in den sozialen Medien ihr neues Dasein. Und macht damit Leidensgenossen Mut.

Hin- und hergerissen: Kris Jenner fühlt sich von ihrem Ex-Ehemann Bruce hintergangen, hat aber immer noch tiefe Gefühle für ihn

Geschlechtsumwandlung ist noch ein Tabu-Thema

Allein in Deutschland gibt es schätzungsweise 120000 bis 160000 Menschen, die der Überzeugung sind, dass sie nicht im richtigen Körper leben; nur 13000 von ihnen haben seit 1991 per gerichtlichem Entscheid ihr Geschlecht formal ändern lassen. Zahlen, die zeigen: Das Thema ist ein Tabu. Und es wird noch mehr Ehefrauen wie Kris geben, die sich fragen: "Warum hat er mich geheiratet und Kinder mit mir gekriegt, wenn er schon als kleiner Junge wusste, dass er ein anderes Leben führen will?"

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