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Bushido Ein Reh sorgt für Proteste

Bei der 63. Bambi-Verleihung wird ausgerechnet Skandal-Rapper Bushido mit dem Preis für "Integration" ausgezeichnet. Politiker und Verbände sind bestürzt, da viele seiner Texte frauen- und schwulenfeindlich sind

Skandal-Rapper Bushido wird am Donnerstagabend (10. November) mit dem Bambi für "Integration" ausgezeichnet. Eine Nachricht, die im Vorfeld der 63. Verleihung für Furore sorgt. Denn der Deutsch-Tunesier ist nicht gerade für politisch korrekte Lieder bekannt. Mit frauen- und schwulenfeindlichen Texten stieß er schon oft auf Empörung.

Politiker und Verbände kritisieren nun öffentlich die Entscheidung der Bambi-Jury. Unter den Gegnern befindet sich auch Grünen-Chefin Claudia Roth, die auf ihrer Homepage eindeutig Stellung gegen den Preis für Bushido bezieht. "Frauenfeindlichkeit und Homophobie sind nicht preiswürdig", schreibt sie in einer Mitteilung. "Bushido ist sicher kein Beispiel für gelungene Integration, sondern eine äußerst erfolgreiche Kunstfigur, die auf dem Rücken von Minderheiten große Kasse macht."

Die feministische Gruppe "Riot Grrrl" ging noch einen Schritt weiter und erstellte extra ein Facebook-Profil mit dem Titel "Kein Bambi für Bushido". Darin rufen die Betreiber zu einem Streik gegen die Verleihung auf. Auch die Frauenrechtsorganisation "Terre des Femmes" kritisierte die Wahl. In einem öffentlichen Brief schreibt die Geschäftsführerin Christa Stolle: "Wie kann ein Mann, der derart menschenverachtend über Frauen schreibt, als Vorbild für Integration gelten?"

Trotz der Protestwelle beharrt der Veranstalter "Burda" auf seiner Entscheidung. Der Rapper leiste einen "wertvollen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis sozialer Gruppen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln", heißt es in einer offiziellen Erklärung. In einem Statement bedankte sich der Verlag nun für die rege Diskussion, verteidigte die Wahl aber noch einmal eindeutig: "Es ist klar, dass ein Künstler wie er stark polarisiert. Die Bambi-Verantwortlichen distanzieren sich deutlich von jeder Form der Diskriminierung. Dennoch: Musik ist eine Kunstform, der bewusste Tabubruch ein Stilmittel des Raps - ob es einem gefällt oder nicht."

Es ist nicht das erste Mal, dass die Wahl der Bambi-Preisträger für Entsetzen sorgt: Auch die Auszeichnung des bekennenden Scientologen Tom Cruise im Jahre 2007 wurde stark kritisiert. Damals überreichte ihm der Mitherausgeber der "FAZ" Frank Schirrmacher den Bambi in der Kategorie "Mut".

Neben Bushido werden auch Lady GaGa, Justin Bieber und Thomas Gottschalk ausgezeichnet. Der "Millenium Bambi" geht in diesem Jahr an Altbundeskanzler Helmut Schmidt.

kse

gala.de


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