Brigitte Nielsen: "Heute bin ich stark wie nie zuvor"

Brigitte Nielsen ist die neue RTL-Dschungelkönigin - eine Frau mit Format, die vom Schicksal härter geprüft wurde, als es eine TV-Show je könnte. Wie sie zu sich selbst und zu ihrem Glück fand: "Gala" blickt mit ihr auf ihr bewegtes Leben

Selbst wenn es am Ende doch nicht ganz für den Sieg gereicht hätte -

die Gewinnerin der Herzen wäre Brigitte Nielsen auch ohne Dschungelkrone geworden. Schließlich brachte sie fast im Alleingang Charme, Herz, Wärme und tatsächlich Würde in die phasenweise enttäuschend höhepunktlos vor sich hinplätschernde sechste Staffel von "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" Und was noch viel wichtiger ist: Die 48-Jährige behielt stets Humor und Haltung, sogar als sie in der finalen Dschungelprüfung am vergangenen Samstagabend vor 7,4 Millionen Zuschauern auf Truthahn-Hoden und einem Straußen-Anus herumkaute ...

"Tante Brigidde" muss bei einer Dschungelprüfung die zwischen Fischabfällen und Kakerlaken versteckten Sterne aus einem Flugzeugwrack bergen.

Nun ist "Tante Brigidde" also tatsächlich RTL-Dschungelkönigin. Wäre ja auch noch schöner gewesen, wenn sich die unverwüstliche Lady am Ende einem 19-Jährigen Ex-DSDS-Küken wie Kim Debkowski hätte geschlagen geben müssen. Wir gönnen ihr den Sieg jedenfalls von Herzen - und die Welle der Sympathie, die der 1,82 Meter großen Dänin aktuell entgegenschwappt. Denn bislang hatten sie die meisten - wenn überhaupt - nur als semitragisches Starlet auf dem Zettel, das vor Jahrzehnten mal in einer Handvoll Hollywood-Heulern wie "Rocky IV" als sexy Deko durchs Bild wackelte. Oder später als leicht durchgeknallte und extrovertierte Reality-Soap-Queen, die ihre Alkoholsucht vor laufenden Kameras bekämpft oder sich öffentlich von einem Schönheitschirurgen runderneuern lässt. Okay, extrovertiert und aufgedreht ist sie immer noch. Mit konsequenter Regelmäßigkeit hallten ihre Schlachtrufe wie "Whooow!" oder "I feel good" durch den Dschungel. Doch bei den Zuschauern punktete Brigitte Nielsen vor allem durch ihre natürliche, aufgeräumte Art, ihre Verletzlichkeit und Authentizität. Als eine Frau, die sich auch für ihre Falten nicht mehr schämt.

"Ich kann mir vorstellen, dass viele überrascht waren, dass sie ganz ungeschminkt ein anderes Gesicht von mir sehen konnten. Nämlich das einer normalen Frau mit vier Kindern, die schon eine Menge durchmachen musste", sagte sie zu "Gala". Ungeschminkt waren in den 16 Tagen Show auch die Einblicke in ihr Leben. Ein Leben, das einer wilden Achterbahnfahrt gleicht - und gegen das die Zeit im Dschungelcamp wie eine Fingerübung wirkt. Als 16-Jährige wurde Brigitte Nielsen beim Stadtbummel in Kopenhagen als Model entdeckt, kurz darauf rauschte sie bereits in Frankreich und Italien für Designer wie Armani oder Versace über die Catwalks. Mit 19 heiratet sie den Musiker Kaspar Winding, 1983 bringt sie Julian, ihren ersten Sohn zur Welt. Vier weitere Ehen und drei Söhne sollen in den kommenden 23 Jahren noch folgen. Mitte der Achtziger klopfte Hollywood bei der in einem Kopenhagener Vorort geborenen Blondine an, die als Teenager wegen ihrer langen Arme und Beine als "Giraffe" verspottet wurde. Ihr Debüt "Red Sonja" floppte zwar, doch die Nielsen war in Los Angeles trotzdem Gesprächsthema und konnte schließlich sogar das Herz von Sylvester Stallone erobern. Mit 22 gab sie ihm das Ja-Wort, 1987 reichte sie die Scheidung ein, unter anderem weil sie sich nur als Accessoire eines Superstars fühlte.

Ihr Faible für brutale Kerle wurde Brigitte Nielsen, die auch mit Arnold Schwarzenegger oder (man hörte und staunte) Sean Penn durch die Betten tobte, immer wieder zum Verhängnis: Der Football-Spieler Mark Gastineau, Vater ihres zweiten Sohns Kilian, 22, ertränkte sie im Steroid-Rausch fast in der Badewanne. Schicksalsschläge häuften sich: Gebärmutterkrebs, der frühe Tod des Vaters, Karrieretief, Schuldgefühle, Depressionen. Als 2003 auch ihre vierte Ehe mit dem Ex-Rennfahrer Raoul Meyer-Ortolani, dem Vater ihrer zwei jüngsten Söhne Douglas, 18, und Raoulino, 16, in der Krise steckte, ist der Tiefpunkt erreicht: Brigitte Nielsen versucht sich in ihrer Villa am Luganer See das Leben zu nehmen - mit zwei Dutzend Schlaftabletten, die sie mit Whisky herunterspült. In letzter Sekunde wird sie gerettet. Doch erst als sie ein Jahr später Mattia Dessi kennenlernt, kommt es endlich zur entscheidenden Wende: Er ist der erste Mann, der in ihr nicht die sexy Superblondine sieht, sondern eine ganz normale Frau mit Macken, Makeln und Unsicherheiten. Der 15 Jahre jüngere Barkeeper - ihr heutiger Manager, mit dem sie nun fast sechs Jahre verheiratet ist - drängt sie zum Alkoholentzug, der ihr nach einigen erfolglosen Anläufen 2007 tatsächlich gelingt. Seitdem hat Nielsen keinen Tropfen mehr angerührt und besucht bis heute regelmäßig Treffen der Anonymen Alkoholiker.

"Ich weiß nicht, warum so viele Jahre vergehen mussten, bis ich mich endlich als der Mensch akzeptieren konnte, der ich bin, statt mich so zu sehen, wie die Welt mich sah", schreibt Brigitte Nielsen in ihrer jüngst erschienenen Biografie "Im Leben wird dir nichts geschenkt" (mvgverlag, 240 Seiten, 19,99 Euro). Heute bereut die Entertainerin, dass sie für die Karriere immer wieder die Bedürfnisse ihrer Kinder aus den Augen verlor. Umso glücklicher sei sie aber, dass die Jungs ihr verziehen haben und ihr jetzt näher stehen denn je: "Ich will alles nachholen und so aktiv wie möglich an ihrem Leben teilhaben", betont Brigitte Nielsen, die endlich bei sich angekommen ist. "Durch ihre und Mattias Liebe bin ich heute so stark wie nie zuvor und sehe der Zukunft endlich gelassen entgegen. Einer Zukunft, die sicher noch viel Tolles für mich bereithält!" Alexander Nebe

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