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Boris Becker Er verbreitet wilde Corona-Theorien bei Twitter

Boris Becker
© Getty Images
Boris Beckers Leistungen auf dem Tennisplatz sind unumstritten. Über sein Verhalten in den sozialen Netzwerken kann man das gerade nicht behaupten. Mit verwirrenden Aussagen zur Corona-Krise erregt er die Gemüter.

Boris Becker, 52, hatte im Zuge des Coronavirus um eines der bekanntesten Tennisturniere der Welt gefürchtet: Wimbledon. Bis zuletzt hatte er gehofft, dass die Entscheidung um eine Absage vertagt werden würde und sogar dafür plädiert, dass das Turnier stattfinden solle. "Wir sollten mit der Schwarzmalerei aufhören...natürlich wird dieses Jahr noch Tennis gespielt", so seine Worte auf Twitter.

Mit der Absage des Turniers sind seine Hoffnungen allerdings zunichte gemach worden. Doch mit seinen Tennis-Theorien ist bei Becker längst nicht Schluss, er hat noch weitere Theorien zur Coronakrise in petto, die er via Social Media verbreitet. Und die sind durchaus fragwürdig, wenn nicht sogar wirr. 

Zweifelt Boris Becker die Corona-Maßnahmen an?

Ob inspirierende Botschaften, motivierende Worte oder Danksagungen an die Menschen, die unsere Welt derzeit am Laufen halten – Boris Becker nutzt seinen Twitter- und Instagram-Kanal, um sich mit Followern aus der ganzen Welt auszutauschen. Immerhin 950.000 Menschen erreicht der ehemalige Sportler auf diese Weise.

Seine letzten Tweets und Posts scheinen aber zunehmend in eine neue Richtung zu gehen.  So teilt Becker am gestrigen Dienstag (31. März) einen Tweet eines anderen Nutzers, in dem steht: "Weltweit starben 2019 650.000 Menschen an der Grippe, Boris – das sind die offiziellen Zahlen der WHO. Auch die jährliche Todesrate in Italien liegt bei 1,1 Prozent, ca. 630.000 Menschen. Wenn täglich 800 Menschen an Corona sterben, wird davon nicht mal die Hälfte erreicht werden."

Becker kommentiert die Zeilen mit "interessant" und setzt dazu das Hashtag "covid19". Zweifelt der 52-Jährige also an den Maßnahmen, die weltweit gegen die Ausbreitung des Virus getroffen werden?

Theorie ist zu kurz gedacht

Die Aussage des Nutzers, die Becker auf Twitter zitiert, klingt im ersten Moment vielleicht schlüssig, ist allerdings zu kurz gedacht. Zwar sterben jährlich viele Menschen an der der "klassischen" Grippe, allerdings gibt es gegen die Influenza eine Impfung, die eine massenhafte, zu schnelle Ausbreitung verhindern kann. Anders ist das bei Covid-19.

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) hat Covid-19 am 11. März 2020 zu einer Pandemie erklärt. Das Robert-Koch-Institut bewertet die Situation in Deutschland als ernstzunehmend. Die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland wird insgesamt als hoch eingeschätzt, für Risikogruppen als sehr hoch.

Mit strikten Maßnahmen wie etwa einem Kontaktverbot möchte man die Zahl der gleichzeitig Erkrankten so gering wie möglich halten, um Zeit zu gewinnen, um weitere Vorbereitungen zu treffen sowie die Behandlungskapazitäten in Kliniken zu erhöhen, Belastungsspitzen im Gesundheitssystem zu vermeiden und die Entwicklung antiviraler Medikamente und von Impfstoffen zu ermöglichen.

Würden gleichzeitig zu viele Menschen infiziert, könnten Krankenhäuser an ihre Belastungsgrenzen kommen. So könnte weder für die Corona-Patienten noch für andere Erkrankte eine adäquate Versorgung garantiert werden. 

Gegenwind und Zuspruch im Netz

Die Reaktionen auf Boris Beckers Re-Tweet bleiben nicht lange aus. Aus allen Teilen der Welt äußern Follower ihre Meinung – und die sind gemischter Natur. So kritisieren die einen, dass er seine Reichweite falsch nutzen würde und drohen, Becker zu entfolgen. Sie bewerten den Post als " ehr schwerwiegende Verharmlosung eines schlimmen Umstandes."

Ein eindringlicher Appell kommt aus Italien: "Ich bin Italiener, ich bin seit dem 03.03. mit meiner Frau und meinen Kindern in meinem Haus eingesperrt, Krankenhäuser sind voller Menschen, Ärzte und Krankenschwestern sterben bei ihrer Arbeit. Wie können sie ernsthaft sagen, dass diese Toten akzeptabel sind, weil die Zahlen geringer sind als bei der normalen Grippe? Wie kann er die weltweite Rate mit der italienischen Rate vergleichen? Was zum Teufel will er uns damit sagen?"

Andere wiederum unterstützen seinen Standpunkt, plädieren dafür, dass man seine Meinung frei müsse äußern dürfen. Einige schätzen Boris Beckers Post als "mutig" ein: "Hr. Becker, was Sie da machen ist mutig und Sie sind der erste im öffentlichen Leben stehende, der diesen Mut aufbringt, einfache Fragen zu stellen, deren Antworten dringend benötigt werden."

"Dumme und verletzende Kommentare unterlassen"

Nach der Kritik meldete sich Boris Becker  in einem kurzen Videoclip erneut zu Wort. Mit ernster Mine lässt er seine Follower wissen: "Heute ist zwar der 1. April, aber mir ist nicht zum Lachen. Gerade in dieser schwierigen und sehr gefährlichen Zeit sollten wir dumme und verletzende Kommentare einfach lassen."

Diesem Anliegen kann man Boris Becker natürlich nur beipflichten – übrigens nicht nur am 1. April. Andersherum würden wir ihn  allerdings auch bitten, die Verbreitung hanebüchener Theorien zum Coronavirus, die jedweder Fakten entbehren, "einfach zu lassen". 

Verwendete Quelle: Twitter, Instagram

abl Gala

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