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Bettina Wulff Mit aller Macht zur Normalität


Christian Wulff will Bundespräsident bleiben. Dafür zieht nun seine stärkste Waffe ins Feld: Ehefrau Bettina Wulff kam zum Jahresempfang in Hamburg allein und versprühte ihren Charme. Die Botschaft ist klar

Ausgerechnet das "Hamburger Abendblatt". Ausgerechnet eine Zeitung aus dem Hause Axel Springer. Mit diesem Verlag steht Christian Wulff derzeit eigentlich auf Kriegsfuss, will man den Berichten glauben, er habe dessen Vorstandsvorsitzenden mit "Krieg" gedroht. Doch beim Jahresempfang der Hamburger Regionalzeitung konnten die Gastgeber sich plötzlich doch noch über Besuch von Schloss Bellevue freuen: Bettina Wulff war an diesem Montag (9. Januar) gekommen.

Die vergangenen Wochen, in denen ihr Mann von einer Affäre in die nächste rutschte und immer mehr Details über seine unglückliche Verquickung von Amt und Privatleben bekannt wurden, scheinen spurlos an ihr vorbeigegangen zu sein: Freundlich lächelnd, alle Aufmerksamkeit auf sich ziehend und die Menge begeisternd - die First Lady gab sich fast wie immer.

Allein die Kleiderwahl ließ darauf schließen, dass nun wohl eine neue Zeit angebrochen ist: Weg waren farbenfrohe Outfits, eng sitzende Kostüme oder eine freche Kombination aus Jeans und Blazer. Stattdessen trug sie einen schwarzen, geradezu biederen Hosenanzug, lediglich aufgepeppt durch ein buntes Halstuch.

Dass sie sich so ausgerechnet zum "Hamburger Abendblatt" begab, einer Zeitung, die ebenso wie die "Bild" im Springer-Verlag erscheint, machte die Botschaft wohl deutlich: Für die Wulffs ist die Krise nun vorüber. Sie haben gelernt, ja, aber jetzt solle man die Geschichte doch ruhen lassen.

Bundespräsident Christian Wulff hatte versucht, die Berichterstattung der Boulevard-Zeitung über einen Privatkredit mit Anrufen bei "Bild"-Chefredakteur Kai Dieckmann sowie dem Vorstandschef des Verlags, Mathias Döpfner, zu verhindern. Er soll sogar Kanzerlin Angela Merkel um die Handynummer von Verlegerwitwe Friede Springer gebeten haben. Für diese Vorgänge ist Wulff seit Tagen in der Kritik.

Doch nach dem von rund elf Millionen Zuschauern verfolgten Interview auf ARD und ZDF am vergangenen Mittwoch scheint für Christian und Bettina Wulff nur noch eines wichtig: endlich zurück zur Normalität zu finden. Demonstrativ empfingen sie letzten Freitag die Sternsinger - ohne ein Wort über die weiterhin schwelenden Vorwürfe zu verlieren.

Den Rest soll nun wohl Bettina Wulffs Charme richten, den sie freigebig unter den Gästen im Hamburger Medienhaus versprühte. Wie "Abendblatt.de" berichtet, wünsche sie sich, dass wieder "Ruhe für die Familie einkehrt und ich gemeinsam mit meinem Mann unseren Aufgaben nachgehen kann." Zur Affäre "ist alles gesagt", so Wulff gegenüber der Internetseite.

Davon sind Medienvertreter jedoch nicht überzeugt. Wie "Spiegel Online" berichtet, ergab eine neue Umfrage, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung unzufrieden mit dem Bundespräsidenten ist. Zudem halten die Journalisten viele Fragen für noch immer nicht hinreichend oder ehrlich beantwortet. Die Affäre um das einst beliebteste Präsidentenpaar des Landes wird vermutlich noch weitergehen.

smb

gala.de

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