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Bettina Wulff Ganz schön mutig, Frau Wulff!


Cleverer PR-Coup: First Lady Bettina Wulff zeigte sich beim Neujahrsempfang in Hamburg. Der Beginn einer Charme-Offensive, die ihrem Mann das Amt retten soll

Skandal. Welcher Skandal?

Bettina Wulff lächelt, plaudert, schaut interessiert dem Treiben zu. Gut sieht sie aus, der perfekte Look für eine starke Frau: schwarzer Hosenanzug, ein buntes Tuch um den Hals, Perlenohrringe, dezent geschminkt. Dass ihr Auftritt eine kleine Sensation ist und in ihrem Inneren vermutlich ein großer Sturm wütet, lässt sie sich keine Sekunde lang anmerken. "Business as usual", so ihre eindeutige Botschaft vergangenen Montag beim Neujahrsempfang des "Hamburger Abendblatts", einer Tageszeitung des Axel-Springer-Verlags - des Verlags also, mit dem ihr Mann, Bundespräsident Christian Wulff, seit Wochen übel streitet.

Nach dem Empfang einer Abordnung kleiner Sternsinger am 6. Januar auf Schloss Bellevue, den sie gemeinsam mit ihrem Mann absolviert hatte, ist es Bettina Wulffs erster Solo-Auftritt. Hinter ihr liegt ein turbulenter Weihnachtsurlaub, in dem sich die Affäre um einen Hauskredit fast täglich zugespitzt hat. "Natürlich habe ich überlegt, ob ich heute herkomme. Aber genauso natürlich habe ich entschieden, es zu tun", sagt die First Lady zu "Gala". Und betont: "Es herrscht derzeit eine ernste Atmosphäre. Aber es ist mir wichtig zu zeigen, dass es weitergeht, dass wir unsere Arbeit machen." Ein deutliches Signal. Und ein Liebesbeweis, für den ihr der Ehemann eigentlich das Bundesverdienstkreuz ans Revers heften könnte. Denn was er bis dato nicht schaffte, erledigte seine PR-versierte Gattin ganz selbstverständlich: auf die Menschen zugehen, den Blick auf andere Themen lenken, Nähe und Stärke demonstrieren. "Das perfekte Krisenmanagement, effizient und praktisch", urteilt Diplom-Psychologe Michael Thiel gegenüber "Gala", als er Bettina Wulff aus wenigen Metern Entfernung beobachtet. Mit ihrem Erscheinen habe sie gezeigt, dass sie die Kontrolle übernommen hat. Und genauso selbstbewusst bahnt sie sich auch ihren Weg durch die 1000 Gäste im "Cruise Center Altona", an ihrer Seite Referentin Maja Schweitzer, hinter ihr zwei Bodyguards. Wer Bettina Wulff erblickt, staunt erst mal sprachlos, beobachtet und beginnt erst dann mit den Nachbarn zu tuscheln, wenn sie wieder außer Hörweite ist. "Großartig macht sie das, und PR-technisch ist es genau richtig", meint PR-Expertin Alexandra von Rehlingen nach einem kurzen Plausch mit der First Lady. Auch Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Ole von Beust sieht den Auftritt positiv: "Sie braucht sich doch nicht zu verstecken. Dass sie sich ausgerechnet hier zeigt, beweist eine gewisse Souveränität", so der CDU-Politiker.

Ex-PR-Lady Bettina Wulff steht ihrem Ehemann Christian entschlossen zur Seite, wie hier beim Empfang der Sternsinger auf Schloss
Ex-PR-Lady Bettina Wulff steht ihrem Ehemann Christian entschlossen zur Seite, wie hier beim Empfang der Sternsinger auf Schloss Bellevue am 6. Januar.
© Picture Alliance

Peinliche Momente gibt es für Bettina Wulff dennoch: Etwa als der amtierende Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) die First Lady erblickt, mit offenem Mund vor ihr steht und nicht mehr als ein "Hallo" herausbekommt. Oder als Lars Haider, Chefredakteur des "Abendblatts", in seiner Rede sagt, in Hamburg sei man ein wenig altmodisch. Dort würden die Journalisten die Politiker anrufen. Und das solle 2012 bitte auch so bleiben. Ein deutlicher Seitenhieb auf Wulffs Anruf bei "Bild"-Chef Kai Diekmann. Szenenapplaus, wenn auch verhalten. Bettina Wulffs Miene bleibt unverändert freundlich, schnell tippt sie eine SMS. Vielleicht an ihren Ehemann, der zeitgleich beim Berliner Italiener "La Cascina" im Grunewald gesehen wird?

Fest entschlossen kämpfen sie sich durch die Krise, versuchen bei ihren Terminen im Schloss Bellevue die bröckelige Fassade wieder zu renovieren. Fast täglich stehen Repräsentationspflichten auf dem Programm. Mal ein Dinner zu Ehren des ehemaligen Bundesministers Klaus Kinkel, mal der Empfang des Diplomatischen Korps und am 10. Januar der Große Neujahrsempfang auf Schloss Bellevue. Dazu nimmt Bettina Wulff auch eigene Termine als Schirmherrin für mehrere Stiftungen wahr, etwa eine Lesung in einer Berliner Kindertagesstätte. "Diese Arbeit liegt mir besonders am Herzen", betont sie bei ihrem Besuch in Hamburg. Wenn sie ihrem Mann an diesem Abend zu Hause in der Dienstvilla im Berliner Stadtteil Dahlem von ihrer Mission erzählt, hätte sie durchaus Grund, stolz zu sein. Sie hat alles richtig gemacht, hat ausführlich mit Journalisten gesprochen, zu denen ihr Mann ja gerade bekanntermaßen ein gespaltenes Verhältnis hat, und es sogar geschafft, Springer- Vorstandschef Mathias Döpfner in Verlegenheit zu bringen. "Was, sie ist da?", fragt er, als "Gala" ihn auf den besonderen Gast anspricht, und fügt hinzu: "Kein Kommentar, bitte um Ihr Verständnis." Chefredakteur Haider sieht die Frau des Bundespräsidenten indes als "Gast wie jeden anderen: Sie hat vor sechs Wochen eine Einladung bekommen, hat zugesagt und ist heute gekommen." So einfach kann’s sein.

gala.de

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