Bettina + Christian Wulff: Ende einer Blitz-Ära

Wie kaum ein anderes Präsidentenpaar haben Bettina und Christian Wulff seine Amtszeit gemeinsam gestaltet. Mit Bettina war er stark - jetzt erklärte er mit ihr an seiner Seite auch seinen Rücktritt

Christian und Bettina Wulff

Zum zweiten Mal in zwei Jahren tritt in Deutschland der Bundespräsident zurück. Mit Christian Wulff endet nun jedoch eine Amtszeit, die wie kaum eine andere die Menschen berührte.

In einer knappen Erklärung gab Christian Wulff am Freitag (17. Februar) seinen Rücktritt bekannt: "Unser Land, die Bundesrepublik Deutschland, braucht einen Präsidenten, der sich uneingeschränkt diesen [der Integration, Anm. der Redaktion] und anderen nationalen und den gewaltigen internationalen Herausforderungen widmen kann, einen Präsidenten, der vom Vertrauen nicht nur einer Mehrheit, sondern einer breiten Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger getragen wird. Die Entwicklung der vergangenen Tage und Wochen hat gezeigt, dass dieses Vertrauen und damit meine Wirkungsmöglichkeiten nachhaltig beeinträchtigt sind."

Damit zog Wulff Konsequenzen aus einem bevorstehenden Ermittlungsverfahren, für das die Staatsanwaltschaft Hannover die Aufhebung seiner Immunität beim Bundestag beantragt hat. Konnte ihm bisher nicht nachgewiesen werden, dass seine vielen Freunde und Bekanntschaften keine Vorteile aus ihrer Freigiebigkeit ziehen konnten - Autos, Urlaubsvillen, Handyverträge und Kleidung für Bettina - scheint es dafür nun doch erste Anhaltspunkte zu geben. Angeblich soll Filmunternehmer David Groenewold für seine Gefälligkeiten auch Gegenleistungen durch das Land Niedersachsen bekommen haben und das während Wulffs Zeit als Ministerpräsident.

Auch wenn nach der nun bereits monatelang anhaltenden Phase neuer Enthüllungen Wulffs Rückhalt in der Bevölkerung geschwunden war, sein Rücktritt nun geradezu auf Erleichterung stößt, mit seinem Abtreten endet auch eine Präsidentschaft, die neuen Wind in das verstaubte Amt gebracht hatte.

Nicht einmal zwei Jahre dauerte die Ära an, in der es Bettina und Christian Wulff dennoch gelungen war, den Bundespräsidenten plötzlich interessant, seine Aufgaben schillernd und wichtig erscheinend zu lassen. Einen großen Anteil hatte daran Bettina: Wo sie konnte, begleitete und unterstützte sie ihren Mann, machte als jüngste First Lady selbst am Basketballkorb eine gute Figur und scheute sich nicht, in Frauenmagazinen über ihr Leben als Bundespräsidentengattin zu sprechen. Sie war alleinerziehende Mutter, bevor sie Wulff kennenlernte, macht gern Sport und liebt schöne Kleidung - eine Frau, mit der sich andere identifizieren konnten und wollten.

Typ-Veränderung bei Adel Tawil

Er verrät den Grund für seine blonden Haare

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Adel Tawil veröffentlichte auf Instagram ein Foto, auf dem er sich mit wasserstoffblonden Haaren zeigt. Jetzt verrät er den Grund für diese krasse Typveränderung.
©RTL / Gala

Christian + Bettina Wulff

Die Ex-Könige von Bellevue

26. Juli 2015: Sie zeigen sich wieder glücklich wie in alten zeiten auf öffentlichen Veranstaltungen.   Ex-Bundespräsident Christian Wulff und seine Frau Bettina freuen sich bei der Verleihung des Preises "Die Goldene Deutschland" im Cuvillies-Theater in München über seine Trophäe. Wulff erhielt die Auszeichnung in der Kategorie "Integration".
Wieder happy: Bettina und Christian Wulff mit dem befreundeten Hochzeitspaar.
Kai Wiesinger und Anja Kling spielen in dem Film "Der Rücktritt" das Ehepaar Wulff.
Bettina und Christian Wulff begrüßen sich herzlich im Landgericht Hannover.

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Schon als Ministerpräsidentenpaar in Niedersachsen hatte das funktioniert - doch nun wird ihnen dieses Leben, das eng mit Bekanntschaften aus Wirtschaft und Showgeschäft verknüpft war, zum Verhängnis. Zu nah war wohl so manch eine Beziehung und zu stur hatte Wulff darauf gepocht, dass auch ein Bundespräsident Freunde haben dürfe. Zuletzt hatte Wulff in einem TV-Interview zu Beginn des Jahres klargestellt, dass er sich keines Fehlers bewusst sei.

Das betonte er auch bei seinem Rücktritt: Er sei überzeugt, dass die anstehende rechtliche Klärung der Vorwürfe gegen ihn "zu einer vollständigen Entlastung führen wird. Ich habe mich in meinen Ämtern stets rechtlich korrekt verhalten. Ich habe Fehler gemacht, aber ich war immer aufrichtig."

Christian und Bettina Wulff bei seiner Rücktrittserklärung

Die ganze Zeit an seiner Seite: auch hier seine Bettina. Geradezu legendär war das Bild geworden, auf dem sie ihren Mann, gerade frisch gewählt, mit einem innigen Kuss zur Wahl als Bundespräsident beglückwünschte - mitten im Bundestag. Die Arme hinter dem Rücken gekreuzt, das Kinn erhoben und mutig nach vorn gestreckt, stand sie nun neben ihm, als er seinen Rücktritt erklärt. Die Berichterstattungen der vergangenen Wochen hätten ihn und sie verletzt, so Christian Wulff.

Und obwohl sein Statement nur wenige Minuten dauert, widmete er ihr darin eine Passage: "Ich danke meiner Familie, vor allem danke ich meiner Frau, die ich als eine überzeugende Repräsentantin eines menschlichen und modernen Deutschlands wahrgenommen habe. Sie hat mir immer und gerade auch in den vergangenen Monaten - und auch den Kindern - starken Rückhalt gegeben."

Die letzten, knappen Worte richtete Wulff an die Menschen, die er in seiner kurzen Amtszeit zunächst so sehr begeistert hatte: "Ich wünsche allen Bürgerinnen und Bürgern, den ich mich vor allem verantwortlich fühle, eine gute Zukunft."

Das jedoch, würden die Menschen draußen wohl vor allem dem Ehepaar Wulff für alles Kommende wünschen: das Gute, Ehrlichkeit - und vielleicht auch irgendwo eine neue Chance. Das Amt des Bundespräsidenten wird jedenfalls nie mehr sein wie zuvor.

smb

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