Bettina + Christian Wulff: Aus dem Takt geraten

Bettina Wulff hat dafür gesorgt, dass sich ihr Mann auf dem gesellschaftlichen Parkett wohlfühlt. Doch manchmal hat die First Lady für den Präsidenten offenbar zu viel Schwung

Bettina Wulff, Christian Wulff

Am Ende ging es vielleicht wirklich nicht ums Geld.

Als Bundespräsident Christian Wulff am vergangenen Freitag im Berliner Schloss Bellevue vor die Presse trat, um sich zu erklären, da erwarteten die meisten endlich Zahlen, Fakten - und vielleicht sogar einen Rücktritt. Wie war das mit der halben Million, die Wulff sich von der Osnabrücker Unternehmergattin Edith Geerkens geliehen hatte, oder doch von ihrem Mann? Wieso nahm Wulff als niedersächsischer Ministerpräsident Leute mit auf Dienstreisen, die dort niemand erwartet hatte? Und wie lange hält das Amt des Bundespräsidenten solche Fragen aus?

Zahlen, Fakten? Es gab nichts dergleichen. Stattdessen redete Wulff von Dingen, die man darf und trotzdem nicht tut, von Anstand, Vertrauen und Vergebung. Von Gefühlen. Und womöglich war er dem Kern der Affäre damit näher, als es für viele den Anschein hat. Denn als all die Dinge geschahen, die man ihm jetzt vorwirft, bewegte Wulff das Thema Geld wohl tatsächlich am allerwenigsten. Worum es ihm damals ging, das waren die Trümmer seiner ersten Ehe, die neue Frau an seiner Seite und die Aussicht auf ein anderes Leben. Es ging um Liebe. Um die Liebe des Bundespräsidenten und ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten zu seiner heutigen Frau Bettina. Wie ein Adrenalinstoß, so der "Stern" damals, war sie 2006 in sein Leben gekommen. Und plötzlich war alles anders. Mit ihr war er anders. "Es hat gleich gefunkt", erzählte der bis dahin immer etwas trocken wirkende Politiker. Nach drei Monaten zeigten sich die beiden in der Öffentlichkeit, zwei Jahre später zogen sie in ihr Klinkerhaus in Großburgwedel. Das Haus. Bettina Wulffs Eltern leben in der Nähe. Eine bürgerliche heile Welt, man kennt und grüßt sich. Bettina sei "der verbindlichste Mensch, den ich kenne", so ihre beste Freundin vor Jahren.

Optisch ist die First Lady zweifellos ein Gewinn, ob wie hier im legeren Look oder Roben edler Labels, die sie nach GALA-Informationen übrigens stets selbst zahlt.

Als sich Christian Wulff im Frühjahr 2006 entschied, seine erste Frau Christiane für Bettina Körner zu verlassen, gab er damit mehr auf als nur einen gescheiterten Lebensentwurf. An der Seite von Bettina zog Wulff auch in eine Welt ein, die ihm bis dahin fremd war. Die lebensfrohe Blonde führte ihn in die Glitzerszene Hannovers ein - oder das, was man dort dafür hält. Aus Wulff, dem trockenen, pastoralen Pflichtmenschen, wurde Wulff, der "Großstadtpolitiker" ("SZ"), der endlich auch etwas bekam vom Savoir-vivre, das Gerhard Schröder hatte, Feier-Freund der Hautevolee von der Leine. Bettinas Funke sprang auf ihn über, man bemerkte an ihm eine gewisse Lockerheit, etwas Fingerschnippendes, einen völlig neuen Rhythmus. Sie hat etwas Strahlendes. Die Augen leuchten. Ihr Lächeln, ihre Haltung fallen auf. Sie ist anmutig trotz ihrer 1,85 Meter. Auf dem Dancefloor ist Bettina Wulff eine Erscheinung. Wer sie einmal tanzend erlebt hat, spürt Energie - und das Selbstbewusstsein einer Frau, die weiß, dass sie genau an ihrem Platz ist. Ob auf dem Bundespresseball oder in den Clubs von Hannover. Im Oktober tanzte die First Lady dort im "Zaza" am Raschplatz, "zog bewundernde Blicke auf sich", berichtete "BamS". So ist es meist. Um mit Bettina Wulff Schritt zu halten, muss man sich auf ihr Temperament einstellen. In Hannover bescheinigt man der sportlichen Frau mit Modelmaßen nicht nur Partyqualitäten, sondern auch immensen Ehrgeiz herauszukommen, erst aus Burgwedel, dann aus Hannover. Inzwischen gipfeln manche dieser Geschichten in kruden Gerüchten über das Vorleben der First Lady. Sicher ist jedoch, dass Bettina schon als Schülerin Talent für Auftritte hatte und es auch nutzte - etwa als Musicaldarstellerin. In ihrem Jugendzimmer hing ein Poster des Films "Dirty Dancing", in dem ein Paar alle Widerstände gegen seine Liebe niedertanzt. Den passenden festen Tanzpartner fand sie lange nicht, auch nicht im Vater ihres heute achtjährigen Sohns Leander.

Wie passend: "Metamorphosen" lautete das Motto des 60. Bundespresseballs, auf dem Christian und Bettina Wulff Ende November so glücklich tanzten. Inzwischen hat sich auch im Leben des Bundespräsidenten-Paars einiges verändert.

Wie ein anderer Mensch wirkte Christian Wulff früher, hier 1998 mit seiner ersten Frau Christiane. Seriös, aber auch langweilig - so war damals sein Image.

Es geschah während einer Dienstreise nach Südafrika. Die damals 32-jährige PR-Mitarbeiterin war für ihren hannoverschen Arbeitgeber, den Reifenhersteller Continental, mit der Wirtschaftsdelegation des damaligen Ministerpräsidenten Wulff nach Afrika gekommen, um Kontakte zu knüpfen. Ob sie ahnte, dass es ein Kontakt sein würde, der ihr Leben veränderte? In einer NDR-Talkshow sagte sie später über Christian Wulff: "Mich faszinierte seine fröhliche, freundliche Art, dass er den Menschen so gut zuhört." Und er? War hingerissen: "Als ich Bettina begegnete, wusste ich, dass sie die Richtige ist." Er verließ seine Frau Christiane, die erst im dritten Anlauf ums Ministerpräsidentenamt in der Wahlwerbung auftrat, die in der Öffentlichkeit fast unsichtbar war. Außerdem blieb die Juristin mit der gemeinsamen Tochter Annalena in Wulffs Heimatstadt Osnabrück, statt mit an die Leine zu ziehen. So stand der CDU-Politiker abends, nach der trockenen politischen Oppositionsarbeit, auf den anschließenden Empfängen und Bällen der Landeshauptstadt oft allein da. Schaute Gerhard Schröder zu, der den Lebemann im Kreis einflussreicher Freunde gab. Als Wulff 2003 endlich selbst Ministerpräsident wurde, war er plötzlich kein Außenseiter mehr. Auch um ihn schloss sich der Kreis der hannoverschen High Society. Carsten Maschmeyer, Finanz-Tycoon und heute Lebensgefährte von Schauspielerin Veronica Ferres, Scorpions-Sänger Klaus Meine, TUI-Vorstandschef Michael Frenzel, Anwalt Götz von Fromberg, RWE-Chef Jürgen Großmann, Dirk Rossmann, Chef der gleichnamigen Drogeriekette - alle mochten ihn jetzt, den neuen starken Mann in Niedersachsen. Und so rückte das Leben der Reichen ein Stück näher an den Katholiken mit hohen moralischen Ansprüchen heran. Und damit: schulterklopfende Möglichkeiten.

An der Seite von Bettina, hier bei der Fußball-WM der Damen, ist Christian Wulff lockerer und emotionaler geworden.

Möglichkeiten blieben es, bis Christian Wulff sein Leben radikal änderte und der neue Wulff wurde. So wie Bettina Wulff den früheren Partymuffel heute zum Wirbeln bringt, dürfte die Liebe zu ihr ihn durchaus auch ins Trudeln gebracht haben. Plötzlich musste Wulff wieder über Geld nachdenken. Die Scheidung von Christiane, die Miete für das Penthouse im schönen Philosophenviertel von Hannover, wo er mit Bettina lebte, ein Baby, das sich ankündigte … Im Oktober 2008, nachdem er und die schwangere Bettina Körner geheiratet hatten, kauften sie mit dem Geerkens- Geld das Haus in Großburgwedel nördlich von Hannover. In der Landeshauptstadt waren der Mann mit dem Seitenscheitel und der randlosen Brille und seine junge Frau "in the swing of things". Schattenseite des Blitzlicht-Lebens: Neider erzählen, die Landesmutter, die mittlerweile halbtags bei Rossmann PR machte, poche auch mal auf ihren Status, um einen Tisch im In-Restaurant "Pier 51" am Maschsee-Ufer zu bekommen. Sie hat "keine Angst vor Öffentlichkeit", schrieb die "SZ" über die heutige First Lady. Bisweilen scheint sie sie auch zu genießen. Sie mag Konzerte (Ich+Ich, Silly), geht bei Empfängen offen auf die Menschen zu. Sie kann sich bewegen auf dem gesellschaftlichen Parkett. Ihr Bruder Thorsten Körner schätzt an ihr, dass sie etwas extrovertierter als andere sei, aber auch sehr geerdet. Vater Horst arbeitete bei der Nord LB und gab seiner Tochter laut "Focus" mit auf den Weg: "Gib nur so viel aus, wie du wirklich hast." Mutter Inge vermittelte ihr, dass sie alles auch allein schaffen kann.

Moderne Zeiten: Als Patchwork-Familie brachten die Wulffs, hier mit dem gemeinsamen Sohn Linus, frischen Wind nach Berlin.

Doch zu zweit geht vieles leichter, das wissen Bettina, die ihren ältesten Sohn lange allein erzog und erkennen musste, dass man als Alleinerziehende mit Job "nicht alles perfekt" machen kann, und Christian Wulff, der sich auf dem politischen Parkett zu bewegen gelernt hat. Tanzen kann man nicht allein. In "Dirty Dancing" gibt es die berühmte Hebefigur, die Hauptdarstellerin springt auf die Arme ihres Partners, der sie erhebt, hoch über seinen Kopf. So ähnlich war und ist es Insidern zufolge auch bei den Wulffs. Er hat alles für sie getan. Mittlerweile leben sie die meiste Zeit in der Bundeshauptstadt Berlin. Das Glamourpaar von der Leine brachte mit Christian Wulffs Amtsantritt als Bundespräsident 2010 seinen ganz eigenen Schwung mit ins Schloss Bellevue. Eine First Lady in Jeans, zwei kleine Jungs, ein Präsident, der kürzlich nur "als Begleitung" seiner Frau zu einer Charityveranstaltung kam. Modern fand man das alles, und viele versprachen sich auch einen politischen Impuls von diesem Präsidenten. Und von seiner jungen Frau, von den zweien, die es zusammen geschafft hatten: Patchworkfamilie und Präsidentschaft, zusammen ins höchste Amt und in die High Society. Gezischte Gemeinheiten, wie sie etwa 2010 beim Sommerfest des Bundespräsidenten nächtens von niedersächsischen Besuchern im Garten des Schlosses Bellevue über das neue First Couple zu hören waren, wurden dem Neid zugeschrieben. Aber bei diesem Paar im Schloss Bellevue gibt es sie eben. Was Christian Wulff geworden ist, hat er zu einem großen Teil seiner Frau zu verdanken. In jeder Hinsicht.

Mittlerweile ist ungewiss, wie lange er noch als oberster Repräsentant der Deutschen agieren wird, aber Geld wird sich Christian Wulff wohl nicht mehr leihen müssen: Seine Bezüge "betragen zur Zeit 199000 Euro jährlich", erklärt das von vielen Medienanfragen fast überlastete Bundespräsidialamt (Wulffs Sprecher Olaf Glaeseker wurde zwei Tage vor Weihnachten entlassen). "Daneben erhält der Bundespräsident ein Aufwandsgeld in Höhe von 78000 Euro jährlich. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt erhält der Bundespräsident Ruhebezüge in Höhe der Amtsbezüge (…)." Die First Lady ("Die Ehepartner haben Teil an dem Amt", so das Gesetz) bekommt keine eigene Apanage, teilt das Amt mit. "Ich opfere alles für die Politik, nur nicht mein Privatleben", hat Christian Wulff einmal gesagt. Das ist sein größter, sein einziger Besitz. Sein Schatz. Und sein Problem. Andrea Schumacher, Bettina Lüke

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