Bernd Eichinger: Für ihn war das Beste gerade gut genug

Der Tod von Bernd Eichinger reißt eine tiefe Lücke in die deutsche Filmwelt. Für Gala erinnert sich Produzent Nico Hofmann an seinen Freund und Kollegen

Bernd Eichinger, Nico Hofmann

Er hat das Kino geliebt und gelebt.

Mit jeder Pore seines Körpers. Bernd Eichinger brannte für den Film und übte seinen Beruf mit einer Energie aus, die noch viele Jahre weiterstrahlen wird. Für diesen Mann ging es immer nur nach vorn. Ein Nein akzeptierte er nicht. Bernd war für viele in der Kino- und TV-Szene ein Mentor und hat die Karriere von jedem dritten deutschen Star geprägt oder zumindest beeinflusst. Sein Tod reißt eine tiefe Lücke. Denn mit dem letzten Vorhang für ihn geht auch eine Ära zu Ende: die Ära des deutschen Event-Kinos. Bernd Eichinger lieferte Produktionen auf Hollywood-Niveau.

Werkschau

Zehn große Filme von Bernd Eichinger

Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, 1981
Die unendliche Geschichte - 1984
Der Name der Rose, 1986
Der bewegte Mann, 1994

10

Er hatte es sich zum Ziel gesetzt, Anspruch und Kommerzialität gekonnt miteinander zu verbinden. Bernd wollte so viele Menschen wie möglich ins Kino locken. Ein Film ohne Publikum? Für ihn undenkbar! Für diese Einstellung wurde er angefeindet und belächelt. Doch er ging seinen Weg unbeirrt weiter und hinterlässt ein einzigartiges Vermächtnis. Bei seinen Produktionen - sei es nun die Besetzung, das Buch oder die Regie - gab er als Dirigent den Ton an. Bernd war eben nicht nur Finanzier. Er prägte das Bild des kreativen Machers, der in allen Bereichen ganz genau weiß, wovon er spricht, und einem Tom Tykwer oder Sönke Wortmann auf Augenhöhe begegnen kann.

Die Beerdigung seiner ehemaligen Lebensgefährtin Barbara Rudnik hatte Bernd Eichinger fast im Alleingang organisiert.

Auch an meiner Karriere hatte er unglaublichen Anteil. Durch ihn habe ich die Leidenschaft fürs Produzieren entdeckt und viel von ihm gelernt. Als wir in den Neunzigerjahren erstmals intensiv zusammenarbeiteten, endeten unsere Arbeitstage meist erst spät in der Nacht. Einmal klingelte mich Bernd sogar um drei Uhr aus dem Bett, um mit ihm in Babelsberg einen Film komplett umzuschneiden. Erst spielten wir gemeinsam Tischtennis, um munter zu werden, dann ging's an die Arbeit. Aufschub duldete er nicht. Wenn Bernd etwas wollte, dann setzte er es auch durch. 1996 aßen Bernd, Axel Milberg und ich in einem Münchner Restaurant, und um 20 Uhr hatte Bernd auf einmal die Idee, dass Axel in "Es geschah am helllichten Tag" den Kindermörder spielen soll. Und dann bearbeitete er ihn so lange, bis Axel um Mitternacht schließlich auf einer Serviette unterschrieb. Vorher hatten wir getrunken, gefeiert und gelacht, dass sich die Balken bogen. Man konnte mit niemandem so laut und herzlich lachen wie mit Bernd. Er war wunderbar anarchisch und selbstironisch. Ich habe ihn zudem als zutiefst ehrlichen, sensiblen und selbstlosen Menschen erlebt. Ich erinnere nur an die Beerdigung von Barbara Rudnik, die er 2009 fast im Alleingang organisiert hat. Ein würdevoller Abschied von der Frau, mit der er jahrelang zusammengelebt hatte, war für ihn das Wichtigste.

Was dieser Mann auch anfasste, es wurde (fast) immer zu Gold: Die größten deutschen Kinohits der Nachkriegsgeschichte gingen auf sein Konto. "Das Parfum" mit Dustin Hofmann sahen 2006 in Deutschland 5,6 Millionen Menschen.

Bernd war allerdings auch jemand, der keine Kompromisse macht. Mittelmaß kam für ihn nicht infrage. Dieser zuweilen sehr harten, aber auch lustvollen Streitkultur war nicht jeder gewachsen. Einige verzweifelten, andere wiederum wuchsen an ihm. Letztere verdanken Bernd sehr viel. So wie ich.

Er war Leuchtturm, Anker und Hafen in einer Person. Man konnte ihn Tag und Nacht anrufen, er war immer für einen da. Irgendwie habe ich mir immer eingeredet, dass ein Mensch wie er unsterblich ist. Umso tiefer sitzt nun der Schmerz über seinen Tod. Doch es gibt auch etwas, das mich glücklich macht: dass er noch zu Lebzeiten die Anerkennung bekommen hat, die er verdient hat. Der Moment, als Bernd im vergangenen Jahr von der Deutschen Filmakademie für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, hat mich tief berührt. Er war überglücklich. Es war der Moment der Versöhnung zwischen ihm und der deutschen Filmbranche, die sich viel zu lange so schwer damit getan hat, ihn anzuerkennen. Nach Bernd Eichingers Tod kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Der Verlust bleibt. Die Trauer um ihn auch.

Nico Hofmann

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