Ben Affleck: Ein Siegeszug ohne Happy End

Ben Affleck gehört gerade zu den meistprämierten Männern des Showbiz: Keine Woche vergeht, in der er für sein neues Werk "Argo" nicht gleich mehrfach geehrt wird. Wie fühlt es sich wohl an, wenn man gleichzeitig weiß, dass der große Triumph am Ende nicht stattfinden wird?

"Ben Affleck ist beraubt worden". So drastisch formulierte es sein Hollywood-Kollege Bradley Cooper, als man ihm in der amerikanischen "Today Show" zu seiner eigenen Oscar-Nominierung (für "Silver Linings") gratulieren wollte. Denn mit den Nominierungen am 10. Januar war klar, dass Affleck für sein neuestes Werk "Argo" keinen Oscar als bester Regisseur bekommen wird. Er stand gar nicht erst auf der Liste der Anwärter. Ebenso wie seine verdienten und dort erwarteten Kollegen Kathryn Bigelow ("Thirty Dark Zero", 2011 gewann sie einen Oscar für "The Hurt Locker") und Quentin Tarantino ("Django Unchained", 1995 gewann er mit "Pulp Fiction").

Eigentlich ist also - gemessen an der Entscheidung der prestigeträchtigen Oscar-Academy - Ben Afflecks Regiearbeit dieses Jahr keiner Rede wert. Ein Glück für den dreifachen Familienvater aus Brentwood, dass das nicht alle Jurys so sehen. Und so sieht man Affleck im Januar 2013 fast nur mit Preis im Arm. Am 8. Januar verleiht ihm das "National Board of Review" während einer Gala im "Cipriani's" einen Sonderpreis für "Argo", Am 9. Janaur bedenkt ihn das Komitee der britischen BAFTA-Filmpreise bei der Nominierungen der Direktoren - ein guter Oscarindikator seit zwanzig Jahren. Nicht dieses Jahr. Bei den "Critics' Choice Awards" der Filmkritiker am 10. Januar ist Affleck gleich doppelt Sieger, holt die Trophäe für den besten Film und die beste Regie. Nur einen Tag später, am 11. Januar, war Big Ben wieder unterwegs, diesmal bei den dreizehnten "Annual AFI Awards" des US-Filminstituts. Die Auszeichnung: "Argo" ist einer von zehn "Filmen des Jahres", Affleck ist neben Grant Heslov und George Clooney als Produzent geladen. Zum Wochenabschluss am Sonntag (13. Januar) betritt der 40-Jährige den roten Teppich der Golden Globes mit seiner Frau Jennifer Garner - und verlässt die Feier mit zwei Statuen für die beste Regie und den besten dramatischen Film. Bam - spätestens nach diesem Wochenende war sich die Filmwelt sicher, dass beim kompliziert gewichteten Oscarvoting nur viel Pech gegen eine Nominierung des Multitalents gesprochen haben kann.

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Affleck selbst witzelte schon bei den "Critics' Choice Awards" in seiner Dankesrede: "Danke, vielen Dank. Ich möchte mich bei der Academy bedanken ... Ach, Quatsch, ich hab nur Spaß gemacht. Das hier ist der Preis, der zählt." In Anspielung auf seine Vergangenheit, die nicht immer von klugen schauspielerischen Entscheidungen dominiert war (Musikvideo mit Exfreundin Jennifer Lopez, Film "Gigli" mit Exfreundin Jennifer Lopez, "Pearl Harbour" mit seiner jetzigen Frau), sagte er auch "Ich erinnere mich an Zeiten, als der Kritiker-Preis für mich eine Veralberung bei "Saturday Night Live" bedeutete."

Auf ein paar ruhige Tage nach den Globes und die üblichen Familieneinkäufe der Garner-Affleck-Familie auf dem Markt in Brentwood folgte ein weiteres Wochenende, an dem es Schlag auf Schlag ging. Am 25. Januar erhielt Ben Affleck von seinem alten Weggefährten Matt Damon den "Modern Masters"-Preis der Internationalen Filmfestspiele von Santa Barbara überreicht. Zusammen mit Matt hatte der junge Ben damals seinen Durchbruch in Hollywood gefeiert, als beide 1998 den Oscar für das beste Original-Drehbuch für den Film "Good Will Hunting" erhielten. Seitdem verkörpern die beiden Vielfach-Familienväter eine der beständigsten Best-Buddy-Verbindungen in Hollywood neben Brad Pitt und George Clooney sowie Ben Stiller und Owen Wilson. Matt Damon sagte über Affleck an diesem Abend, er sei unbestreitbar zwei Dinge: "ein sehr alter Freund und ein sehr junger Meister".

Am Folgeabend (26. Januar) sah das die Produzentengewerkschaft genauso und verlieh Affleck und seinen Koproduzenten George Clooney und Grant Heslov den Preis für den besten Film. Und am 27. Januar zeichnete die Schauspielergewerkschaft den Cast von "Argo" als den besten des Jahres aus - auch hier konnte Affleck die Lorbeeren ernten und sich von seiner Frau beklatschen lassen.

Wie fühlt man sich wohl, wenn man all diesen Beifall bekommt und gleichzeitg weiß, dass die wichtigste Trophäe des Jahres mit Sicherheit an einen Konkurrenten gehen wird? Selten konnte ein Regisseur im Januar so viele Preise wie Affleck einheimsen, ohne sich zumindest Chancen auf den Goldmann auszurechnen.

Preise für Ben - Blumen für Ehefrau Jennifer Garner: ein müde wirkender Ben Affleck wird als braver Familienvater abgelichtet.

Ben Affleck wirkt etwas übernächtigt, als er am Wochenende mit seinen Töchtern auf dem Markt fotografiert wird - aber nicht griesgrämig. Vielleicht sieht er ja, dass ihm allmählich der Stauraum für Statuetten ausgeht. Vielleicht tröstet er sich mit den guten Chancen bei den Baftas. Vielleicht erfreut es ihn, dass "Argo" den "Tomaten-Preis" für den besten Kritikerwertungsschnitt auf der Filmwebsite "RottenTomatoes" ergattern konnte. Oder er stellt sich die Frage, ob es "Argo", diesem so geschichtlichen wie hochaktuellen politischen Film über das schwierige Verhältnis zwischen USA und Iran, gelingen kann, das fast unmögliche zu schaffen: In den letzten 80 Jahren hat es nur ein einziger Film ( "Driving Miss Daisy, 1989) geschafft, den Preis für den besten Film bei den Oscars abzuräumen, obwohl der Regisseur des Films nicht einmal nominiert war.

Schafft "Argo" das, ist ihm ein Platz in den Geschichtsbüchern sicher. Schafft "Argo" das nicht, so gewinnt Ben Affleck den Preis halt nächstes oder übernächstes Jahr. Denn das vor Affleck eine goldene Filmzukunft liegt, das bezweifelt nun wirklich niemand - nicht einmal die Academy.

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