Beatrice Egli : "Ich sag Leuten die Wahrheit gerne ins Gesicht"

Am 29. August startet "Playmobil - Der Film" in den Kinos. Beatrice Egli spricht im Film die Stimme der guten Märchenfee. Im GALA-Interview verrät die Schlagersängerin, wie ihre Kindheit verlief und wie sie die Schwierigkeiten des Erwachsen-Seins meistert.

Für den neuen Kinofilm "Playmobil - Der Film" verlässt Beatrice Egli, 31, ihr gewohntes Schlager-Terrain und wagt den Schritt auf die Kinoleinwand. Im Interview mit GALA spricht die Sängerin und Moderatorin jetzt über ihre heile Kindheit ohne Fernseher, verrät, dass sie in der Oberstufe sitzengeblieben ist und wieso der Spiele-Klassiker "Mensch-ärgere-Dich-nicht" eine Parabel fürs Leben darstellt. 

Beatrice Egli spricht ehrlich über ihre Kindheit und das Erwachsenwerden

GALA: Was war früher ihr Lieblingsspielzeug?
Beatrice Egli: 
Das gab es eigentlich nicht. Wenn man wie ich mit zwei großen Brüdern aufwächst, dann sind die nämlich schnell das liebste Spielzeug. Wir haben Verstecken gespielt, Höhlen gebaut, uns gegenseitig über Wiesen gejagt und auch mal ordentlich miteinander gerauft. Oder wir haben "Mütterli und Vaterli" - also "Mama, Papa und Kind" gespielt. Ansonsten brauchten wir gar nicht viel.

Ein Mädchen-Klischee-Spielzeug wie eine Puppe mit rosa Kleidchen gab es nicht?
Nein, das spielte gar keine Rolle. Umso mehr genieße ich es heute, ein waschechtes Girlie zu sein: knallbunte Röcke anziehen, High-Heels tragen und ab und zu richtig knallig schminken. Herrlich!

Als Mädchen wären Sie neben zwei Brüdern im rosa Kleidchen sicher auch auf verlorenem Posten gewesen…
Die hätte es für mich ohnehin nicht gegeben. Bei uns war es nämlich so, dass der älteste Bruder immer die neuen Klamotten bekommen hat - und die jüngeren Geschwister mussten die danach auftragen. Dass mit mir dann aber auch noch ein Mädchen kam, hat irgendwie niemanden interessiert. (lacht) Ich musste kleidungstechnisch also eine Menge Kompromisse machen. Im Nachhinein hat mich das aber überhaupt nicht gestört. Kleidung war in meiner Kindheit und Jugend einfach kein Thema. Und das war etwas Tolles.

Warum?
Weil ich frei von Zwängen war. Ich brauchte mir keine Gedanken darüber zu machen, was ich anziehen muss, um dazuzugehören. Auch in der Schule waren alle total locker drauf. Da gab es kein Ausgrenzen, wenn man keine Markenklamotten trug. Es war schön, dass ich mich mit diesem Thema gar nicht beschäftigen musste. Ich konnte einfach Kind sein: rausgehen, spielen, mich schmutzig machen, Spaß haben - in alten, ausgewaschenen Jeans und T-Shirts.

War Ihnen als Kind jemals langweilig?
Nein, denn ich bin ja auf dem Land groß geworden. Da war jeder Tag wie ein kleines Abenteuer.

Ich war immer in Action und immer draußen in der Natur. Ich konnte sogar Hütten bauen, war handwerklich ziemlich begabt.

Haben Sie viel vor dem Fernseher gesessen?
Wir hatten in unserer Familie nie ein Gerät…

Tatsächlich? Wie ungewöhnlich in Ihrer Generation.
Das war von meinen Eltern so gewollt. Es war aber nicht die Angst davor, dass die Glotze uns Kinder verderben konnte - sie hatten einfach selbst keine Zeit, weil sie als Selbstständige so viel um die Ohren hatten. Und wenn man etwas nie hatte, dann vermisst man es auch nicht.

Was stand stattdessen auf dem Programm, wenn draußen schlechtes Wetter war?
Es gab bei uns in der Wohnung eine Wand, die wir immer wieder nach Lust und Laune bunt anmalen durften. Meine Mutter hat die dann immer wieder mit weißer Farbe übergemalt - und der Spaß ging wieder von vorne los. Auch einige Fenster durften wir mit Fensterstiften anmalen.

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Natürlich!

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Haben Sie sich als Kind in Fantasiewelten geträumt?
Klar, und zwar regelmäßig. Wir haben uns zum Beispiel vorgestellt, dass wir in einem fantastischen Land sind, in dem alles möglich ist. Ein Land, in dem wir zaubern und fliegen können. Manchmal war unsere Küche ein Raumschiff oder das Wohnzimmer ein Dschungel.

Kann man durch Spiele-Klassiker wie "Mensch-ärgere-Dich-nicht" fürs Leben lernen?
Auf jeden Fall. Es hilft dabei, verlieren zu lernen - auch wenn das Spiel dabei mal durchs Zimmer fliegt. (lacht) Zudem spiegelt es das Leben wider: Du denkst, du bist ganz vorne ran - und zack! Plötzlich bist du wieder ganz hinten. Wir alle müssen lernen, dass es uns auch ganz schnell wieder schlecht gehen kann, wenn doch eigentlich gerade alles super läuft. Und natürlich auch andersrum: Du hängst ganz weit hinten und denkst, dass du nie mehr gewinnen kannst. Und am Ende schaffst du es doch. Es ist eine Parabel aufs Leben.

Konnten und können Sie gut verlieren?
Nein, das fiel mir ehrlich gesagt schon immer ziemlich schwer.

Ich bin eine Frau, die gerne gewinnt und im Leben Ziele anstrebt. Wenn ich spiele, dann um zu gewinnen. Ich gebe immer Hundert Prozent.

Wer waren die Helden Ihrer Kindheit?
Pipi Langstrumpf fand ich super. Und ich habe Vicky Leandros und ihre Lieder geliebt. Die beständigste Liebe neben meiner Familie war und ist einfach der Schlager.

Was vermissen Sie aus der Kindheit am meisten?
Natürlich die Unbeschwertheit und dass ich keine Verantwortung übernehmen musste. Wobei ich sagen muss, dass bisher jede Phase in meinem Leben sowohl wunderbar leichte als auch beschwerliche Seiten hatte. Auch als Kind spürst du ja Druck, zum Beispiel in der Schule. Wenn du ein Kind bist, dann sehnst du dich danach, endlich groß zu sein und als Erwachsener ist es oft umgekehrt. Viele verklären die eigene Kindheit. Jeder hat in seiner aktuellen Lebensphase Aufgaben, Pflichten und auch mal Schwierigkeiten - und sei es nur als Kind morgens rechtzeitig aufzustehen und es pünktlich zur Schule zu schaffen. (lacht)

Waren Sie eine gute Schülerin?
Wenn ich mich in der Klasse und mit den Lehrern wohlgefühlt habe, konnte ich Höchstleistungen bringen. Und wenn es nicht passte, ist auch mal das Gegenteil passiert. Das war wirklich extrem bei mir. In der Oberstufe musste ich deshalb sogar mal eine Klasse wiederholen.

Sollten wir uns die bedingungslose Ehrlichkeit aus der Kindheit ins Erwachsenenalter retten?
Ich musste lernen, dass es einfach besser ist, wenn ich gewisse Dinge lieber nicht sage.

Ich bin nämlich grundsätzlich eine Frau, die sehr ehrlich ist und Leuten die Wahrheit gerne ins Gesicht sagt. Heuchelei liegt mir einfach nicht.

Aber damit bin ich inzwischen schon ganz schön angeeckt und weiß nun, dass es manchmal eben doch besser ist, zu schweigen…

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