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Barbara Becker In der Patchwork-Falle

Vielleicht hat sie es unterschätzt, vielleicht zu sehr gewollt. Barbara Becker glaubte daran, dass das Leben mit zwei Familien möglich sei. Darüber verlor sie ihre Liebe

Die Botschaft war ebenso kurz wie herablassend.

Der Absender - ein 17-Jähriger, selbstgefällig und vorwitzig, wie so viele in dieser Lebensphase nun mal sind. Noah Becker twitterte vergangene Woche, kaum hatte Barbara Becker, 45, die Trennung von Ehemann Arne Quinze, 39, bekannt gegeben: "Meine Mutter braucht einen Mann, der größer ist als 1,83. Der letzte war zu klein." Touché! Barbara Becker ist klug genug, sich von solch digitalen Muskelspielen nicht verletzen zu lassen. Die Twitter-Nachricht wird sie dennoch getroffen haben, denn sie belegt, wie brutal ihr Traum vom Patchwork-Glück an der Realität gescheitert ist. Dass ausgerechnet Ex-Ehemann Boris sich beeilte, den Spruch seines Erstgeborenen mit "hahaha" zu kommentieren (und den Eintrag später wieder zu löschen), macht deutlich, wie eng die Bindung von Vater und Sohn ist - und wie fremd, ja beinahe feindlich Noah dem neuen Mann an Mamas Seite offenbar gegenüber stand.

Die Fotos vom Hochzeits-Hopping vor zwei Jahren - im Nachhinein wirken sie wie die Inszenierung einer Idylle, die es gar nicht gab, zumindest nicht so. Erst heirateten Boris und Lilly drei Tage lang in St. Moritz, im September dann Barbara Becker und der belgische Künstler Arne Quinze in Miami und Potsdam. Mittendrin: Rhijn, damals 16, Amber, 14, die Zwillinge Ragnar und Aratt, 6, aus zwei früheren Beziehungen Quinzes sowie Noah und der damals zehnjährige Elias. Alles, sagten diese Bilder, ist gut im großen Becker-Clan, und es sah aus, als hätten da wirklich Ex-Partner neue Lieben und neue Familien und ein zukunftsfähiges Lebensmodell gefunden. Aber an diesen Bildern muss man sich auch messen lassen, wenn es schief geht: "Wenn man seine Hochzeit so groß medial inszeniert und sich dann schon nach zwei Jahren wieder trennt, bleibt ein übler Nachgeschmack. Da fehlt mir einfach das Verantwortungsgefühl, vor allem gegenüber den Kindern", sagt die "FAZ"-Redakteurin Melanie Mühl, Autorin der kürzlich erschienenen Streitschrift "Die Patchwork-Lüge" (Hanser, 176 S., 16,90 Euro), im Gespräch mit "Gala". Provokante These ihres Buchs: Das Patchwork-Modell ist reine Schönfärberei.

Das Projekt Patchwork schien gerade Barbara Becker durchaus nüchtern anzugehen. Im Interview mit "Gala" sagte sie zur Rolle von Arne: "Meine Söhne haben einen Vater, das ist Boris. Arne kann für sie wie ein Freund sein, von dem sie lernen können." Doch das wollten sie offenbar gar nicht. Die Becker-Boys trafen sich lieber mit Boris und Lilly und dem kleinen Amadeus. Anders als angekündigt, lebte Arne Quinze nicht sechs Monate im Jahr in Miami, sondern blieb in Belgien. Wie sollte da eine Beziehung zu Elias und Noah entstehen, von Freundschaft ganz zu schweigen? Ein gemeinsamer Camping-Urlaub mit allen sechs Kindern verlief, gelinde gesagt, turbulent. Die Großen setzten sich sogar einmal für Stunden ab. Klares Signal: ohne uns! "Wenn es hochkommt, sehen sich alle sechs Kinder einmal im Jahr", sagte Barbara Becker. Wie oft mag das gewesen sein in vier Jahren Beziehung?

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Es ist kein Geheimnis, dass der erfolgreiche Künstler Arne Quinze arrogant und kalt wirken kann. Barbara Becker hat ihn selbst anfangs so erlebt - und das, obwohl er von der ersten Begegnung an um sie warb. Barbaras Freundinnen und vor allem ihre Söhne wurden nicht warm mit ihm. "Stiefväter haben es in Patchwork-Konstellationen nie leicht", sagt Melanie Mühl. "Der leibliche Vater ist und bleibt der Held für Trennungskinder. Dass Boris Becker als Wimbledon-Sieger auch noch eine internationale sportliche Institution ist, hat es sicher nicht leichter gemacht." Auch das vermutlich ein Grund, weshalb Quinze den Flug über den Atlantik immer öfter scheute. Barbara hingegen flog oft nach Brüssel, sah häufig auch Arnes Kinder, außerdem traf sie sich ganz selbstverständlich mit Boris' neuer Familie. Doch wo Boris’ Frau Lilly wie Boris und Barbara viel dafür tat, die Verbindungen zu festigen, eine enge Beziehung zu den Jungs zu halten, verhielt sich Arne Quinze offenbar sehr ruhig. Und Barbara Becker wird sich immer häufiger gefragt haben, ob sich der ganze Aufwand lohnt. Für die Sommerferienplanung mussten die Kalender von sechs Erwachsenen nebeneinandergelegt werden. "Eine Ehe zwischen zwei Städten zu führen ist schon schwer, aber zwischen zwei Kontinenten? Ein solches Lebensmodell ist das Gegenteil von Stabilität", analysiert Melanie Mühl. "Im Grunde führt jeder sein bisheriges Leben weiter. Wenn man so viel Wert auf Unabhängigkeit legt, scheut man jede Art von Festlegung." Das Patchwork-Modell könne auf diese Weise nur scheitern.

Für die Jungs wird sich nun nicht viel ändern, dafür war Arnes Einfluss zu gering. Noah ist ohnehin auf dem Absprung - er wird im Januar 18. Elias wird seine Mutter wieder mehr für sich haben, und nach dem geplanten Berlin-Umzug im kommenden Jahr ist auch Papa Boris nur eine Flugstunde entfernt. Seine zwei wichtigsten Bezugspersonen können ihm dann Halt geben, wenn er sich in Deutschland eingewöhnen muss. Immerhin: Bei allen Patchwork-Problemen - dass Barbara Becker und Arne Quinze kein gemeinsames Kind bekommen haben, war eine ganz bewusste Entscheidung. Dies zumindest könnte die Trennung nun weniger schmerzvoll machen. Bettina Klee

gala.de

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