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Baptiste Giabiconi "Bis zum Schluss hat Karl Lagerfeld wie ein Krieger gekämpft"

Karl Lagerfeld und Baptiste Giabiconi
Karl Lagerfeld und Baptiste Giabiconi
© Getty Images
Baptiste Giabiconi war Karl Lagerfelds enger Vertrauter. In GALA erzählt er, was Meister und Muse wirklich verband.

"Er gehört zu einem übernatürlichen Geschlecht der Schönheit“, sagte Karl Lagerfeld über Baptiste Giabiconi, 30. Der Modeschöpfer verschaffte dem jungen Franzosen, der zuvor in einer Fabrik gearbeitet hatte, 2008 einen Senkrechtstart als Model, buchte ihn für Kampagnen und schickte ihn auf den Laufsteg. Anlässlich des ersten Todestags von Karl Lagerfeld am 19. Februar begleitete RTL-Reporterin Martina Neuen jetzt Baptiste Giabiconi auf den Spuren des Meisters durch Paris.

Baptiste Giabiconi im Interview

Sie waren ein Teil jener Familie enger Freunde, die er um sich geschart hat.
Das stimmt. Karl hatte keine nahen Angehörigen mehr, also schuf er sich seine eigene Familie. Dafür wählte er die Personen aus, die er bei sich haben wollte. Er sagte zu mir, wenn er eines Tages den Löffel abgeben müsse, wolle er nicht, dass wir danach für jemand anderen arbeiten. Das war sein Wille.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit ihm empfunden?
Karl liebte die Exklusivität, er wollte, dass man nur ihm gehörte. Manchmal hatte ich das Gefühl, Karl war wie ein Vampir, immer auf der Suche nach frischem Blut. Ich war 18, als ich anfing, für ihn zu arbeiten. Als ich ihn mal um etwas Freizeit bat, merkte ich schnell, dass mein Anliegen für ihn inakzeptabel war. Doch nach vier, fünf Jahren intensiver Arbeit mit Karl kam ich an einen Punkt, an dem es für mich nicht mehr weiterging. Es war zu intensiv.

Sie blieben aber enge Freunde. Gab es einen Menschen, den er wirklich geliebt hat?
Er erzählte mir von Jacques de Bascher. Er war der wichtigste Mensch in seinem Leben. Als er im September 1989 starb, zog Karl sich zurück. Er wollte damals allein sein, verließ selten das Haus und zeigte sich kaum in der Öffentlichkeit.

Karl Lagerfelds Katze gehörte eigentlich Baptiste

Stimmt es, dass Lagerfelds Katze Choupette eigentlich Ihnen gehörte?
Ja, ich habe Choupette im Oktober 2011 zum Geburtstag bekommen. Anderthalb Monate später wollte ich in den Süden, um dort Weihnachten mit meiner Familie zu feiern. Ich fragte Karl, ob er auf sie aufpassen könne. Am Anfang sagte er nein, er wisse nicht, wie man sich um eine Katze kümmere, es sei zu kompliziert. Am Ende willigte er ein. Ich fuhr also in den Süden, und in den ersten zwei Tagen fragte ich noch, ob alles okay sei, und er antwortet mir, ja ja, kein Problem.

Ab dem dritten Tag keine Antwort mehr, kein Bild, keine Nachricht von Choupette, bis ich wieder nach Paris zurückkam. Er hatte sich in der Zwischenzeit Hals über Kopf in die Katze verliebt. Er war wie in Ekstase. Ich kam bei ihm vorbei, um Choupette abzuholen, und da sagte Karl zu mir: "Das tust du mir also an, du nimmst sie mir weg?" Wir haben fast eine Woche lang nicht miteinander gesprochen. Da habe ich Choupette eingepackt, bin zu ihm gefahren und habe sie ihm als Geschenk überreicht.

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Es heißt, er habe ihr sein Vermögen vererbt.
Na klar, er hat ihr eine Insel gekauft. (lacht) Nein, im Ernst: Choupette lebt heute glücklich bei einer Dame, die Karl für sie ausgesucht hat. Allerdings hat sie nichts geerbt, denn ob in Frankreich oder woanders, ein Tier kann kein Vermögen erben. Karl erzählte immer gerne solche Geschichten. Es gehört zum Mythos von Karl Lagerfeld, solche Geschichten zu erfinden.

"Ich sagte ihm, dass ich immer für ihn da sein würde, bis zum Schluss"

Wann erfuhren Sie von seiner Krankheit?
Es war Anfang 2016, ich besuchte ihn in seiner Pariser Wohnung am Quai Voltaire. Mir fiel auf, dass er gebrechlich wirkte. Ich ahnte, dass er krank war und dass er nicht mit mir darüber sprechen wollte. Ich löcherte ihn mit Fragen, auf die er nur nickend antwortete. So erfuhr ich, dass er an Prostatakrebs litt. Ich sagte ihm, dass ich immer für ihn da sein würde, bis zum Schluss. Doch Karl wollte nicht weiter über seine Krankheit sprechen. Für ihn ging das Leben weiter. Es war nicht das Ende, er wollte nach vorn blicken.

Bis zum Schluss hat er gegen die Krankheit wie ein Krieger gekämpft.

Wann haben Sie das letzte Mal von ihm gehört?
In den zwei Monaten vor seinem Tod schrieben wir uns SMS, und ich rief ihn morgens und abends an. Nicht immer konnte er antworten, weil er sich im Krankenhaus vielen Untersuchungen unterziehen musste. Bei unserem letzten Telefonat hörte ich, dass seine Stimme angeschlagen war. Man hatte Wasser aus seiner Lunge gepumpt.

Karl Lagerfeld: "Baptiste, nächste Woche wird es nur noch schlimmer sein"

Erinnern Sie sich noch an das Gespräch?
Ich versuchte, ihn aufzumuntern und sagte ihm, dass es ihm in der nächsten Woche bestimmt besser gehe. Aber er sagte nur: "Baptiste, nächste Woche wird es nur noch schlimmer sein". Mir war klar, dass er mich auf etwas vorbereiten wollte. Es war, als ob er mir sagen wollte, dass er genug von all dem hatte.



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