Avicii (†): Er schluckte 20 Pillen am Tag

Die Nachricht von seinem plötzlichen Tod erschütterte im vergangenen Jahr die Musikszene. Am 20. April war Aviciis erster Todestag - nun kommen erschütternde Details ans Tageslicht

Der Mensch hinter dem Star: Tim Bergling war ein zurückhaltender und schüchterner junger Mann

Er war einer der berühmtesten DJs weltweit: Avicii, mit bürgerlichem Namen Tim Bergling, ist bekannt für Songs wie "Levels" (2011), "Wake Me Up" (2013) und "Hey Brother" (2013). Seine Tracks hielten sich teils wochenlang in den Charts - in seinem Heimatland Schweden blieb er mit drei Hits fortlaufend 20 Wochen lang auf Platz eins. "Wake Me Up" war in über 20 Ländern auf dem ersten Platz der Single-Charts. Doch der Mensch hinter dem DJ-Star Avicii kam mit dem Leben im Scheinwerferlicht nicht gut zurecht.

Das Star-Leben für Avicii war hart

In einem Statement schrieb Aviciis Familie laut der schwedischen Zeitung "Aftonbladet" kurz nach seinem Tod: "Tim war nicht für die Maschinerie gemacht, in der er landete. Er war ein feinfühliger Junge, der seine Fans liebte und das Rampenlicht scheute." Er sei eine "zerbrechliche Künstlerseele" gewesen. Schon Jahre vor seinem tragischen Tod hatte er mit gesundheitlichen Problemen gekämpft. In der Dokumentation "Avicii: True Stories" (dt. Wahre Geschichten) wird dem Zuschauer bewusst, wie sehr Tim Bergling unter seinem Star-Leben gelitten haben muss: "Anfangs habe ich mich nicht getraut, Alkohol zu trinken. Aber dann habe ich gemerkt, dass ich mit ein paar Drinks einfach viel lockerer drauf war." 

"Es wird mich umbringen"

"Letztendlich hat es mir geholfen, die Shows durchzustehen", so Avicii. Alkohol- und Suchtprobleme führten zu schlimmeren Folgen: Nach einer Bauchspeicheldrüsenentzündung wurden ihm 2014 Blinddarm und Gallenblase entfernt. Über sein Leben auf Tour sagte er: "Es wird mich umbringen."

Die Abschiede 2019

Um diese Stars trauern wir

4. Oktober 2019: Diahann Carroll (84 Jahre)  Schauspielerin und Sängerin Diahann Carroll ist nach langer Krebserkrankung in Los Angeles verstorben. Die Oscar-Gewinnerin spielte Mitte der 80er Jahre u. a. in der Erfolgsserie "Denver-Clan", Stars wie Halle Berry und Barbra Streisand trauern um die Hollywood-Legende.
1. Oktober 2019: Karel Gott (80 Jahre)  Die "goldene Stimme aus Prag" ist für immer verstummt: Der tschechische Schlager-Star Karel Gott, der u.a. mit der Titelmelodie zur Kinderserie "Biene Maja" große Erfolge feierte, ist im Alter von 80 Jahre nach langer Krebserkrankung verstorben. Er hinterlässt seine Ehefrau Ivana und vier Töchter.
27. September 2019: Robert Garrison (59 Jahre)  Der US-amerikanische Schauspieler wurde vor allem durch seine Rolle in "Karate Kid" bekannt. Im Alter von 59 Jahren ist er in einem Krankenhaus in West Virginia für immer eingeschlafen, das berichten mehrere US-Medien übereinstimmend.
26. September 2019: Jacques Chirac (86 Jahre)  Der frühere französische Präsident Jacques Chirac ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Zwölf Jahre lang, von 1995 bis 2007, war der konservative Politiker Frankreichs Staatsoberhaupt.

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Avicii (†): Er schluckte 20 Pillen am Tag

Gegen die Schmerzen hatten ihm die Ärzte einen Medikamentencocktail verschieben - von dem er schließlich abhängig wurde. In der Dokumentation sagte er: "Ich habe 20 Pillen am Tag geschluckt, aber sagte mir trotzdem, ich sei nicht abhängig. Ich hatte immer noch Angstzustände und musste dann wieder zu touren beginnen." 

Aviciis Konsequenzen: Er zieht sich zurück

2016 zog Avicii Konsequenzen: Nach seinem Auftritt beim Ultra Music Festival gab er Ende Februar bekannt, dass er sich aus dem Rampenlicht zurückziehen werde. Als Grund nannte er gesundheitliche Probleme. Von der Musik verabschiedete er sich freilich nicht: Im Jahr darauf veröffentlichte er die EP "Avicii". Die Single-Auskopplung "Without You" landete wieder in mehreren Ländern in den Charts: Der Erfolg ging weiter.

Plötzlicher Tod des DJs war eine Schock-Nachricht

Im April 2018 unternahm er eine Reise in den Oman - und kehrte davon nicht lebend zurück. Mit nur 28 Jahren starb die DJ-Legende: Avicii wurde in einem Anwesen der omanischen Königsfamilie tot aufgefunden. Die Nachricht schockierte Menschen auf der ganzen Welt, die Welle der Anteilnahme war riesig. Zunächst war die Todesursache nicht bekannt: Die Polizei konnte sie zwar feststellen, veröffentlichte sie aber nicht.

Nach einem Statement von Berglings Familie und mehreren Medienberichten musste man aber von einem Suizid ausgehen. "Er hat wirklich gerungen mit dem Nachdenken über den Sinn, das Leben, das Glück. Jetzt hat er es nicht länger geschafft. Er wollte Frieden haben", so die Familie.

Jetzt, ein Jahr später, bleiben immer noch viele Fragen offen - vor allem für Tim Berglings Familie und enge Freunde. Allen voran die Frage nach dem Warum. In einem Interview mit der "New York Times" Anfang April sprach sein Vater, Klas Bergling, offen über seinen Tod. "Es ist nicht einmal ein Jahr her, seit es passiert ist", sagte er, "die Familie ist sehr traumatisiert. Wir wollen Frieden."

Einen Abschiedsbrief habe es nicht gegeben. Der Tod des DJs ist umso tragischer, als seine Freunde ihn nicht kommen sahen: Er sei in der besten Stimmung gewesen, in der sie ihn seit über einem Jahr erlebt hätten. "Er hatte so viele Pläne", sagte ein enger Schulfreund. "Er wollte noch so viele Dinge tun und Orte bereisen."

Kann Aviciis Musik Fragen beantworten?

Einer dieser Pläne war ein neues Album: Nach der Oman-Reise wollte Avicii die Arbeit dafür aufnehmen, wie sein Musikproduzent Carl Falk der "New York Times" bestätigte. Dieses Album mit dem einfachen Titel "TIM" wird nun am 6. Juni veröffentlicht: Es beinhaltet Songs, die Tim Bergling in den letzten drei Monaten seines Lebens geschrieben hat. Das Meiste war bereits vor seinem Tod fertiggestellt. Für das jetzige Album konzentrierten sich die Produzenten auf Notizen, die er auf seinem Handy und seinem Computer hinterlassen hatte.

"Ich habe versucht, es durch die Augen und Ohren eines anderen zu produzieren - jemand, der nicht da ist. Es war sehr hart, sich nicht die ganze Zeit selbst zu kritisieren: Würde ihm das gefallen? Wie hätte er das gemacht?", sagte Carl Falk. Der Song "SOS" aus dem neuen Album "TIM" ist bereits verfügbar. Der Text, gesungen von Aloe Blacc (40), lässt viel Raum für Spekulation: "Can you hear me SOS, help me put my mind to rest" (dt. Kannst du mich hören, SOS, hilf mir, mich zu beruhigen) kann als ein Hilfeschrei interpretiert werden.

"Wichtiges Thema, das man ansprechen und teilen muss"

Für Produzent Carl Falk sagen die Songtexte viel über Tim Bergling aus: "Wenn ich jetzt zuhöre, höre ich eine einsame Person mit vielen großen Emotionen, und er hatte nicht genug Leute, mit denen er darüber sprechen konnte", sagte er der "New York Times". "Ich glaube, diese Musik war seine Art, etwas davon auszudrücken. Das macht es zu einer wirklich wichtigen Platte. Was immer Tim sagen wollte, ist hier." Die Antwort auf die Frage nach dem "Warum" lässt sich also vielleicht in seiner Musik finden.

Auch für Sänger Aloe Blacc ist klar, dass Avicii in der Single seine Probleme verarbeitet hat. "Er schrieb den Songtext offensichtlich über einige seiner Kämpfe. Ich denke, das ist ein wirklich wichtiges Thema, das man ansprechen und teilen muss, vor allem mit seiner Sichtbarkeit und seinem Zugang zu Ohren und Herzen. Um den Leuten die Worte zu geben, mit denen sie fähig sind zu sagen: 'Ich brauche Hilfe'", sagt er über "SOS" laut einer Pressemitteilung.

Großzügigkeit des DJs berührt

Der Erlös des Album-Verkaufs fließt in eine neu gegründete Stiftung: Aviciis Familie rief kürzlich die "Tim Bergling Foundation" ins Leben, die auf psychische Krankheiten und Suizidprävention aufmerksam machen soll. Weitere Einsatzgebiete der Stiftung sind Entwicklungshilfe und Naturschutz. "Tim wollte etwas bewegen. In seinem Namen eine Stiftung zu gründen, ist unser Weg, um sein Andenken zu ehren und weiterhin in seinem Sinne zu handeln", sind die Worte seiner Familie laut einer Pressemitteilung.

Avicii war nicht nur einer der bekanntesten DJs weltweit, er war auch einer der bestbezahltesten. Laut der Zeitschrift "Mirror" spendete er mehrere Millionen an Hilfsorganisationen, unter anderem für "Feeding America". Er setzte sich gegen Hunger, Bandengewalt und Menschenhandel ein. "Als ich anfing, Geld zu verdienen, fand ich heraus, dass ich es nicht wirklich brauchte", sagte er 2013 in einem Interview. "Wenn man so viel Geld hat, das man nicht braucht, ist das Vernünftigste, Menschlichste und Offensichtlichste, es Menschen in Not zu geben."

Hilfe bei Depressionen bietet die Telefonseelsorge unter der kostenlosen Rufnummer: 0800/111 0 111

Video zu: Sein Tod hinterlässt viele Fragen

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