Ann Romney: Die Frau, die Michelle Obama herausfordert

Zum ersten Mal ist der US-Wahlkampf auch ein Duell der Ehefrauen: Ann Romney will dafür sorgen, dass ihr Mann Präsident wird

Ann Romney

Welche First Lady sie denn besonders schätze,

wurde Ann Romney dieser Tage in Iowa gefragt. Lächelnd nannte sie Barbara Bush, die sei immer so "geradeheraus". An Nancy Reagan wiederum bewundere sie deren unendliche Liebe zu Ronald. Kurze Nachfrage: Und die aktuelle First Lady? Keinen Millimeter verrutschte Ann Romneys Lächeln: "Jede an dieser Stelle versucht, ihr Bestes zu geben." Ein kleiner Giftpfeil, als Lob getarnt - Wahlkampf vom Feinsten! Ann Romney jedenfalls will es "an dieser Stelle" besser machen als Michelle Obama. Wenn sie nämlich, so ihr Plan, nach den Präsidentschaftswahlen im November mit Ehemann Mitt ins Weiße Haus einzieht.

Am 21. März 1969, exakt vier Jahre nach dem ersten Date, heirateten Ann und Mitt in Michigan; dort sind beide aufgewachsen. Sie war bei der Hochzeit 19, er 22.

Wobei Mitt Romney das eigentliche Problem ist. Klar hat der 65-Jährige alles, was einen Mann vertrauenswürdig macht: ein markantes Kinn, graue Schläfen, 250 Millionen Dollar, und außerdem versichert er, dass er weiß, wie es den Amerikanern besser gehen könnte. Doch irgendwie kommt das nicht an. Die Umfragewerte des Republikaners, der als Herausforderer von Barack Obama quasi feststeht, sind schlecht. Viele empfinden Romneys Worte mal als berechnend, mal als ungelenk, und sein Geld ist ihnen suspekt, weil er es als "Heuschrecke" an gehäuft hat, als Finanzinvestor. Jetzt soll "The Ann behind the Man" zeigen, dass er auch emotional sein kann. Seit ein paar Wochen ist sie bei fast allen Auftritten dabei. Wenn er fordert: "Runter mit den Sozialleistungen!", schiebt sie nach: "Wir wollen doch unseren Kindern keine Schulden hinterlassen, oder?"

Die Idee ist nicht neu: Auch Michelle Obama soll ihren Mann softer erscheinen lassen. Doch viel mehr haben die beiden Frauen nicht gemeinsam. Michelle ist die Top-Juristin, die ihre Karriere nur für ein paar Jahre auf Eis gelegt hat. Zwar hat auch Ann einen Hochschulabschluss (Schwerpunkt: Französisch), doch sie beschreibt sich als Hausfrau aus Leidenschaft. Michelle hat zwei Teenie-Töchter - Ann fünf erwachsene Söhne, dazu fünf Schwiegertöchter und derzeit 16 Enkel. Michelle macht in Talkshows Liegestütze - Ann punktet mit Mütterlichkeit. Nachdem ein Kommentator kürzlich von ihrer weiblichen Figur geschwärmt hatte, stellte Mitt Romney seine Frau in Ohio nicht mit dem üblichen "mein Sweetheart" vor, sondern mit den Worten: "Ich präsentiere Ihnen meinen Schwergewichts-Champion!" Raunen im Publikum. Romney bemerkt seinen Patzer, versucht zu erklären: "Ich meinte nicht ihr Gewicht ... mehr ihre Stärke ... in der Familie ..." An dieser Stelle reicht es Ann. Spontan greift sie zum Mikrofon: "Also, wenn wir noch lange auf Wahlkampftour sind, werde ich wirklich zum Schwergewicht. Man kommt ja kaum dazu, gesund zu essen!" Befreites Lachen im Saal. Und wieder mal wird klar, warum Romney seine Frau nicht nur "Sweetheart" nennt, sondern auch "die Quelle meiner Weisheit".

Mitt Romney mit seinen fünf Söhnen Tagg, Ben, Josh, Matt und Craig bei einer Wahlkampfveranstaltung 2008.

Ann und der zwei Jahre ältere Mitt kennen sich seit der Schulzeit. Zu ihrem 16. Geburtstag ist auch er eingeladen - an diesem Tag funkt es. Doch Mitt stammt aus einer Mormonenfamilie, Sex vor der Ehe ist tabu. Die beiden gehen ins Kino oder spazieren. Bei solch einer Gelegenheit sagt Mitt, er würde Ann gern heiraten. Ann sagt Ja. Zuerst haben Mitts mormonische Glaubensbrüder aber andere Pläne: Traditionsgemäß wird er auf Mission geschickt, 1966 geht er für 30 Monate nach Frankreich. Nur selten darf er mit Ann telefonieren, noch seltener sie bei Heimat besuchen treffen, und dann nur unter Aufsicht. Ann konvertiert in dieser Zeit zum Mormonentum. Nach zwei Jahren kommt plötzlich ein Brief in Frankreich an, der bei Mitt alle Alarmglocken schrillen lässt: Ann schreibt, sie habe sich wohl in einen anderen Mann verliebt, denn er sei Mitt so ähnlich! Doch der will sich nicht geschlagen geben. Mitt kehrt zurück in die USA. Ann erwartet ihn am Flughafen. Noch auf der Heimfahrt erneuert er seinen Heiratsantrag. In diesem Moment erkennt Ann - wie sie später oft erzählen wird -, wen sie wirklich liebt. 1969 heiraten die beiden, 1970 wird ihr erster Sohn geboren.

Barack Obama

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43 Jahre sind sie jetzt ein Ehepaar. Skandalfrei. Zum Hochzeitstag produzierte Romneys Wahlkampfteam gerade das Video "A Love Story". Zu Familienfotos berichtet Ann dort, dass sie sich oft als "Mutter von insgesamt sechs Söhnen" gefühlt habe, weil Mitt so spitzbübisch wie die Jungs war. Andererseits falle ihm zu jedem Problem eine Lösung ein. Und wer das "in der Familie schafft, der schafft es auch als Präsident". Ann Romney erzählt ihre werbewirksamen Happy-go-lucky-Geschichten so frisch und frei und freundlich in die Kamera, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Dabei ist sie noch nicht lange eine öffentliche Person. Ihr Mann hatte schon einmal ein hohes Staatsamt inne, von 2003 bis 2007 als Gouverneur von Massachusetts - Ann war da für die Presse "die unsichtbare First Lady". Dass sie nun, wo es drauf ankommt, ins Rampenlicht tritt, gefällt den Amerikanern. Also alles perfekt beim Vorzeigepaar? "Auch wir hatten zu kämpfen", sagt sie. Zweimal wurden bei ihr schwere Krankheiten diagnostiziert: 1998 Multiple Sklerose, 2007 dann DCIS, ein Brustkrebs-Typ. Mit einem Mix aus Operationen und Therapien "aus der westlichen und der östlichen Welt", wie sie sagt, bekam sie die Krankheiten in den Griff. Heute sitzt sie im Vorstand der National Multiple Sclerosis Society. Manchmal spricht Mitt Romney davon, wie sehr ihn die beiden Diagnosen trafen: "Ohne meine Frau bin ich nämlich handlungsunfähig." Das ist wohl keine Übertreibung. Hin und wieder muss Ann Romney jetzt im Wahlkampf pausieren, an Tagen, an denen sie sich körperlich etwas schwach fühlt. Vor solchen Tagen zittern Mitt Romneys Wahlkampfmanager. Sabine Kobes

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