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Anja Kling Über ihren Geburtstag, die Ehe und Schönheits-OPs

Anja Kling
© Getty Images
Anja Kling wird 50 Jahre. Mit GALA sprach die Schauspielerin exklusiv über ihre Blitz-Hochzeit, über Neid und den Wunsch nach Langweile. 

Anja Klingt kommt in Jeans und Boots zum Interview ins Berliner "Hotel Q!". Die zweifache Mutter - Sohn Tano ist 19, Tochter Alea 15 Jahre alt - sieht so jugendlich aus, dass man sich gar nicht vorstellen kann, dass sie am Sonntag (22. März) fünfzig wird. Nach drei Jahrzehnten im Filmgeschäft ist die Schauspielerin immer noch beruflich voll ausgelastet, pendelt normalerweise zwischen Filmset und Synchronstudio, ohne zwischendurch überhaupt mal Luft zu holen. 

Anja Kling exklusiv im GALA-Interview 

GALA: Mit welchen Gefühlen feiern Sie Ihren Fünfzigsten?

Anja Kling: Tatsächlich bin ich ein bisschen fassungslos. Man gehört definitiv nicht mehr zu den ganz Jungen ... Eigentlich wollte ich eine große Party machen. Aber wegen der aktuellen Situation lade ich nur meine engsten Freunde ein. Die meisten von ihnen kenne ich schon seit über 30 Jahren.

Sie haben vor zwei Jahren Oliver geheiratet, nach drei Jahren Beziehung. Mit Ihrer Jugendliebe Jens waren Sie zuvor rund 20 Jahre zusammen - ohne Trauschein.

Ja, die ganze Einstellung zum Heiraten hat sich einfach verändert, und das hat tatsächlich mit dem Alter zu tun und nicht damit, dass ich Jens weniger geliebt hätte. Ich habe Jens mit 16 kennengelernt, wir hatten so viele glückliche Jahre zusammen und haben zwei tolle Kinder bekommen. Irgendwann stellte sich für uns die Frage aber einfach gar nicht mehr. Bis dahin habe ich auch immer gesagt: "Ich brauche doch keinen Trauschein." Aber man denkt in der zweiten Lebenshälfte einfach anders über solche Dinge. Und als mir Oliver den Antrag gemacht hat, habe ich "Ja" gesagt.

"Natürlich hat eine Trennung immer auch mit Schmerzen zu tun"

Gab es Stress, als Sie Jens von Ihrer Verlobung erzählten?

Nein, aber natürlich hat eine Trennung immer auch mit Schmerzen zu tun. Wir haben das im Nachhinein wirklich ganz gut hingekriegt. Wir sind befreundet und haben alle einen ganz tollen Kontakt. Jens ist auch ein toller Vater.

Wie haben Ihre beiden Kinder auf Oliver reagiert?

Meine Kinder fanden das sehr auf­ regend. Ich habe auch nie verlangt, dass sie Oli als neuen Papa akzeptieren sollen, denn einen Papa haben sie ja.

Was heißt für Sie Verliebtsein?

Es gibt ja Menschen, die sich alle nase­ lang verlieben. Das ist typabhängig, aber ich war nie so. Ich habe mich immer sehr schwer getan mit dem Verlieben. Ich hatte nur selten diese flatternden Schmetterlinge in meinem Bauch, und deswegen bin ich heute überaus glücklich und dankbar, dass ich das erleben durfte und darf.

"22 Uhr ist das neue Mitternacht"

Wo genau macht sich die 50 noch bemerkbar?

Machen wir uns nichts vor, optisch verändern wir uns natürlich. Wenn ich morgens in den Spiegel gucke, sehe ich schon, dass ich nicht mehr 30 bin. Und für mich ist 22 Uhr das neue Mitternacht. (lacht)

Haben Sie schon mal über Schönheits-Optimierungsmaßnahmen nachgedacht?

Ich habe das früher total verurteilt, ich komme aber nun in ein Alter, in dem ich zumindest mehr Verständnis für diese Themen habe. Wenn jemand sagt, er will etwas machen lassen, wenn zum Beispiel die Schlupflider das Sehfeld einschränken, dann soll er das doch tun. Für mich käme das in Frage, wenn ich etwas für mein persönliches Wohlbefinden machen möchte, aber sicher nicht, um jeman­den zu gefallen oder um vermeintlich jünger aussehen zu wollen.

"Meine Mutter ist gleichzeitig meine Agentin und schärfste Kritikerin"

Haben sich auch die Rollen verändert, die Sie angeboten bekommen?

Ja, klar, die jugendliche Geliebte bin ich nicht mehr. Plötzlich bekommt man erwachsene Kinder in die Rolle geschrieben. Ich bemerke aber, dass es in unserer Branche einen kleinen Ruck gegeben hat und es schon gute Rollen für die Generation 35plus gibt. Meine Mutter ist ja gleichzeitig meine Agentin - und schärfste Kritikerin. Wir haben beide das gleiche Bauchgefühl. Ich habe ihr zu verdanken, dass ich so viele Jahre von Komödie über Drama bis hin zu Kinderfilmen so ziemlich alles im Kino und im Fernsehen, spielen durfte und darf.

Sie sind seit rund 30 Jahren im Geschäft, ohne Skandale und Schlagzeilen. Augenzwinkernd gefragt: Sind Sie langweilig?

Vielleicht liegt es daran, dass ich den Drang, im Rampenlicht zu stehen, noch nie verspürt habe. Viele Kollegen mögen das, den roten Teppich, die Aufmerksamkeit. Aber stimmt, reißerische Schlagzeilen habe ich tatsächlich nicht zu bieten, und wenn das langweilig ist, dann bin ich eben langweilig. (lacht)

Sie klingen ziemlich geerdet...

Das bin ich und sehr harmoniebedürftig. Ich brauche meine Familie und meine Freunde um mich herum. Wir sind einfach immer füreinander da und unterstützen uns. Neid und Missgunst sind mir fremd, das macht das Leben sehr frohsinnig.

"Mich hat dieses Hierarchie-Denken oft gestört"

Begegnen Ihnen solche Eigenschaften denn in ihrem beruflichen Umfeld? 

Ja, schon. Ich weiß aber, dass man auch erfolgreich sein kann, ohne nach unten zu treten oder nach oben zu buckeln. Mich hat schon als junge Schauspielerin dieses Hierachie­-Denken oft gestört. Die Menschen, die du auf dem Weg nach oben triffst, triffst du auch immer wieder auf dem Weg nach unten.

Wo und wie tanken Sie denn mal auf bei Ihrem Pensum?

Ich bin ein sehr hochtourig laufender Mensch. Ich mache auch zu Hause immer was und habe nie Zeit. Mein Mann fragt immer "Wo ist denn dein Aus­-Knopf?" Ich werkle zum Beispiel oft in meinem Garten, genieße ihn aber nie mal vom Liegestuhl aus. Ehrlich? Ich hätte gern mal Langeweile.

Gala

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