Angelina Jolie: Ein Denkmal für Malala

Ein Mädchen soll sterben, weil es zur Schule gehen will? Undenkbar für Angelina Jolie. Hollywoods Powermutter und ihre Kids wollen Malala unterstützen

Die Rollenaufteilung im Hause Jolie/Pitt?

Vergangene Woche sah sie so aus: Er holt mit einem neuen millionenschweren Werbe-Deal das Geld rein, sie stiftet umgerechnet 38.000 Euro für den guten Zweck. Und damit sorgen beide weltweit für Gesprächsstoff. Wobei Brad Pitts Auftritt als erstes männliches Gesicht im Spot für Chanel No 5 (in Deutschland unter anderem auf Youtube zu sehen) auch für Irritation sorgte. "Was redet er denn da?", fragten Blogger und Fans reihenweise. Und in der Tat, der Monolog darüber, dass Reisen enden und dass die Welt sich dreht, lässt viel Raum für Interpretationen. Angelina Jolies Worte der Woche hingegen sind geradeaus - und sprechen Tausenden aus der Seele. Denn sie sind an die kleine Malala gerichtet.

Angelina Jolie

Supermama mit Sexappeal

Oktober 2013: Der frühere olympische Langstreckenläufer und Kriegsheld Louie Zamperini ist die Inspiration für Angelina Jolies zweite Regiearbeit "Unbroken". Der Film erzählt Zamperinis Überlebensdrama im Zweiten Weltkrieg, als der Pilot nach einem Flugzeugabsturz 47 Tage auf einem Floß im Pazifik trieb, bevor er von Japanern gefangen genommen wurde.
4. September 2013  Angelina Jolie ist im Flughafen von Los Angeles mit allen Kindern auf dem Weg zum Flieger nach Sydney.
Mai 2013: Eine Nachricht die bewegt:  Angelina Jolie ließ sich beide Brüste operativ entfernen, um das Brustkrebsrisiko zu verringern. Ihre Mutter Marcheline Bertrand starb 2007 im Alter von 56 Jahren an Krebs.
März 2013: Als Botschafterin des Menschrechts unterwegs.   Angelina Jolie besucht gemeinsam mit dem britischen Außenminister William Hague ein Flüchtlingscamp im Kongo.

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An Malala Yousafzai, die 15-jährige Menschenrechtlerin aus Pakistan, die wegen ihres Einsatzes für bessere Bildung in ihrem Land von Taliban-Kämpfern beschossen wurde und sich mittlerweile im Queen Elizabeth Hospital in Birmingham von den lebensgefährlichen Verletzungen an Kopf, Hals und Rumpf erholt. Am Wochenende konnte sie erstmals das Bett verlassen. Menschen jedes Alters und jeder Herkunft zeigen sich solidarisch mit Malala - allen voran Hollywood-Star Angelina Jolie. "Malala ist der Beweis dafür, dass die Stimme einer einzigen tapferen Persönlichkeit ausreicht, um unzählige Männer, Frauen und Kinder zu inspirieren", kommentiert sie in einem Beitrag für die US-Webseite "The Daily Beast".

Mit ihren Kindern diskutierte Angelina Jolie, 37, Malalas tapfere Tat; vor allem Shiloh und Pax (2. u. 3. v. l.) waren ganz aufgewühlt. Anschließend schrieb die Schauspielerin einen Beitrag für die Webseite "The Daily Beast".

Das Motiv der Schauspielerin: Sie will ihre Bewunderung für das mutige Mädchen ausdrücken und möglichst viele Menschen aufrufen, ebenfalls zu spenden. Das gesammelte Geld geht an die "Women In The World Foundation", die damit den - bisher völlig unzureichenden - Unterricht von Mädchen in Afghanistan und Pakistan unterstützt. "Bildung ist Macht", stellt Angelina Jolie fest. Und sie stehe uneingeschränkt jedem jungen Menschen auf der Welt zu.

Am heimischen Küchentisch wurde ihr das einmal mehr klar, als die größeren ihrer sechs Kinder eines Morgens nicht allzu große Lust hatten, sich für den Tag fertig zu machen. Gemeinsam sei man dann in der Zeitung über die Berichterstattung zu Malalas Schicksal gestolpert: "Für die Kinder war es schwierig, eine Welt zu verstehen, in der Männer versuchen, ein Kind zu töten, dessen einziges Verbrechen es war, zur Schule gehen zu wollen." Die erste Empörung legte sich irgendwann, danach schlug Sohn Pax, 8, laut Angelina Jolie vor, Malala ein Denkmal zu errichten - und eine Leseecke in der Nähe dazu. Shiloh, 6, habe die "typischen Fragen" gestellt, ob Malala denn Haustiere hatte, wer sich jetzt um die kümmert und ob ihre Eltern wohl um sie weinen. "Ich kam zu der Überzeugung, dass sie das sicher tun", schreibt Angelina Jolie. "Aber sie weinen sicher nicht nur um ihre Tochter, sondern auch um alle anderen Kinder, denen der Zugang zu Bildung verwehrt bleibt. Genau wie Malala sind ihre Eltern Symbolfiguren der Tapferkeit."

Seit 2009 setzt sich Malala Yousafzai für Frieden und Gerechtigkeit in Pakistan ein. Nach einem Anschlag, bei dem sie lebensgefährliche Verletzungen erlitt, hält sie sich mittlerweile in einer englischen Klinik auf.

Das Engagement des Vaters von Malala lobt Angelina Jolie, die als humanitäre Helferin selbst schon oft nach Pakistan gereist ist, besonders. Seit Jahren setzt sich der Dichter, Lehrer und Schuldirektor für die Bildung des weiblichen Bevölkerungsteils seines Landes ein. Angelina Jolie: "Die Bildung von Mädchen in Afghanistan, Pakistan und auf der ganzen Welt ist bedroht. Wir müssen uns dagegen wehren." Dass Malala damit im Alleingang, offen und angstfrei angefangen hat, macht sie in den Augen des Hollywood-Stars sogar zu einer Anwärterin auf den Friedensnobelpreis. "Ich finde, die mutige Malala sollte ernsthaft in Betracht gezogen werden. Wenn Mädchen in Pakistan jetzt aufstehen und sagen 'Ich bin Malala', dann sind sie nicht allein. Dieses schreckliche Ereignis markiert den Beginn einer notwendigen Revolution der weiblichen Bildung." In Pakistan wird mittlerweile auf Hochtouren nach den Drahtziehern und Beteiligten für den brutalen Anschlag auf das Mädchen gefahndet. Angelina Jolie will indes zusammen mit ihren Kindern, mit Brad und "unzähligen anderen Müttern, Vätern, Jungen und Mädchen in unzähligen Klassenzimmern und an unzähligen Küchentischen Malala aus der Ferne verehren" - und für ihre Genesung beten. Anna Schunck

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