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Angelina Jolie + Brad Pitt "Ja, wir wollen!"

Auf der Berlinale zeigt Angelina Jolie ihr Regiedebüt "In a Land of Blood of Honey". Vorab sprach sie exklusiv mit "Gala" über diese Erfahrung - und ihre Hochzeitspläne mit Brad Pitt

Gedankenverloren legt Angelina Jolie ihre Hand auf Brad Pitts Oberschenkel -

ihr Strahlen hat mit dem, was gerade auf der Bühne vor ihr stattfindet, nichts zu tun. Die Hand ruht dort viele Minuten lang, als wären die beiden ganz allein auf der Welt und würden einfach nur die Gegenwart des anderen genießen. Als Brad Pitt, der bei den SAG Awards an diesem Abend als bester Hauptdarsteller nominiert ist, leer ausgeht, schenkt sie ihm ein Lächeln, das signalisiert: Für mich bist du sowieso die Nummer eins. Angesichts all der Trennungen, die man zurzeit in Hollywood erlebt, wirkt die Beziehung von Angelina Jolie und Brad Pitt total stabil, ihre Liebe auch nach sieben Jahren so stark wie eh und je. Wenn nicht stärker. Eine Tatsache, die der Schauspieler vergangene Woche mit einer spektakulären Ankündigung bekräftigte: "Ja, wir wollen gern heiraten", sagte Pitt im Interview mit dem Magazin "The Hollywood Reporter". "Wir bekommen viel Druck von unseren Kids, es bedeutet ihnen sehr viel", schob er wenige Tage später in einem TV-Interview hinterher. Nachdem seine sechs Kinder ihn lange gedrängt hätten, "Mama einen Ring zu schenken", hätte er schließlich eingelenkt ("Okay, ich mache es! Ich mache es.").

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Keine leichte Entscheidung - zumal beide Partner stets betont hatten, erst dann heiraten zu wollen, wenn in Amerika alle Menschen, auch lesbische und schwule Paare, das Recht bekommen, eine Ehe zu schließen. Doch kein Grund, an der Ernsthaftigkeit ihres politischen Engagements zu zweifeln. Bestes Beispiel: Angelina Jolies neuester Film "In The Land Of Blood And Honey" (Kinostart: 23. 2.), bei dem sie erstmals auch das Drehbuch schrieb und Regie führte. Am zweiten Februarwochenende will sie ihn auf der Berlinale vorstellen; im "Gala"-Interview spricht die Sonderbotschafterin der Vereinten Nationen schon jetzt exklusiv über ihre Selbstzweifel und darüber, weshalb das Kriegsdrama ohne Brad nie in die Kinos gekommen wäre.

Ihr Regiedebüt erzählt die oft grausame Geschichte einer Bosnierin in einem serbischen Gefangenenlager während des Balkankriegs. Warum haben Sie dieses Thema gewählt?

Im Lauf der vergangenen zehn Jahre bin ich in über vierzig Länder gereist, in denen von Kriegen gezeichnete Menschen in Flüchtlingslagern leben und oft bis heute bedroht sind - ohne Aussicht auf ein Eingreifen der internationalen Gemeinschaft. Nach vielen Gesprächen, in denen es immer wieder darum ging, wie normal und glücklich ihr Leben ohne Terror hätte verlaufen können, begann ich eine Geschichte zu schreiben. Ein Drehbuch. Nur für mich, ganz privat. Ich wollte beschreiben, wie der Krieg funktionierende Sozialgefüge verändert und Freunde plötzlich zu Todfeinden macht, weil sie sich auf unterschiedlichen Seiten politisch motivierter Gewalt wiederfinden.

Dieses Buch ließen Sie dann Produzenten zukommen - warum über Dritte und unter Pseudonym?

Ich hatte nie zuvor ein Drehbuch geschrieben und mir war gleichgültig, ob es gute oder schlechte Reaktionen hervorrufen würde. Aber ich wollte ehrliche Einschätzungen. Völlig losgelöst von meinem Namen oder meiner bisherigen Arbeit im Filmgeschäft.

Die sechs Kinder Zahara, 7, Knox, 3, Maddox, 10, Pax, 8, Shiloh, 5, (verdeckt) und Vivienne, 3, (v. l.) drängen ihre Eltern Brad
Die sechs Kinder Zahara, 7, Knox, 3, Maddox, 10, Pax, 8, Shiloh, 5, (verdeckt) und Vivienne, 3, (v. l.) drängen ihre Eltern Brad Pitt und Angelina Jolie zum Heiraten. Außerdem verriet der Oscar-Kandidat jetzt: "Unsere Familienplanung ist noch nicht abgeschlossen."
© Splashnews.com

Hatten Sie Angst, nicht ernst genommen zu werden?

Was über mich persönlich gedacht wird, ist mir schon lange egal. Ich kann es ja doch nicht beeinflussen. Aber dieses Projekt lastete lange sehr schwer auf meinen Schultern. Es ist nicht Teil meiner Karriere, sondern ein Thema, das mir menschlich unglaublich am Herzen liegt.

Sie scheuen nicht davor zurück, Massenvergewaltigungen oder Morde an Babys und Senioren zu zeigen. War dieser harte Realismus unvermeidbar?

Jeder, der den Krieg kennt, weiß, dass die Realität noch hundertmal härter war. Aber ich wollte, dass sich das Publikum unwohl fühlt und eine Ahnung davon bekommt, wie es ist, wenn an jeder Ecke der Tod lauert. Ich habe sogar Szenen herausschneiden müssen, weil sie zu unerträglich anzuschauen gewesen wären.

Wie hat Brad Sie bei der Arbeit unterstützt?

Brad ist immer für mich da. Er wusste, dass ich mich trotz aller Panik dieser Aufgabe stellen musste, um meinen Frieden zu finden.

Panik?

Ich hatte keine Ahnung vom Drehbuchschreiben. Oder welche Kamera man für welche Einstellung braucht. Doch Brad hielt mir die ganze Zeit den Rücken frei. Er war auch der Erste, der das Buch zu lesen bekam. Da wimmelte es zwar noch von Fehlern. Aber er ermutigte mich, steuerte Ideen bei und glaubte an mich. Allein hätte ich das Ganze unmöglich zu Ende gebracht.

War Ihre Familie bei den Dreharbeiten dabei?

Ja, und ich überschüttete sie jeden Abend mit Liebe und Wärme, um die Schwere der Drehtage ein wenig auszugleichen. Es gibt ja im Film nicht eine einzige fröhliche oder glückliche Szene. Deshalb durften die Kinder auch nie mit zum Dreh, sondern spielten abseits des Sets im künstlichen Schnee.

Ist die Großfamilie ein gutes Training, um als Regisseurin eine Filmcrew zu leiten?

(lacht) Es hilft jedenfalls, wenn man daran gewöhnt ist, den ganzen Tag lang mit Fragen bombardiert zu werden. Aber aufs Regieführen hat mich nichts vorbereitet. Es ergab sich eher, weil ich zu eng mit der Geschichte verwuchs, um sie dann noch mal aus den Händen zu geben.

Werden wir weitere Filme von der Regisseurin Angelina Jolie sehen?

Ich weiß es nicht, aber ich hoffe es. Es gibt eine Geschichte aus Afghanistan, die mir ähnlich unter den Nägeln brennt. Aber das ist nur eine ganz ferne Idee, nicht spruchreif. Mein Hauptjob bleibt einstweilen die Schauspielerei. Stefanie Richter Interview: Roland Huschke

gala.de

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