Andreas Bourani: "Jetzt erst Recht"

Andreas Bourani schaffte es mit der WM-Hymne "Auf uns" an die Spitze der Charts. Mit GALA sprach der Sänger über seinen Erfolg, die lange Durststrecke

am Anfang und sein Motivations-Rezept

Seit Wochen läuft sein Song im Radio und auf jeder Fußball-Fanmeile in Deutschland rauf und runter: "Auf uns" von Andreas Bourani ist offizieller WM-Titel der ARD und zählt schon jetzt zu den Hymnen des Jahres. Der Charts-Kracher transportierte die Begeisterung und das dynamische Lebensgefühl während der Weltmeisterschaft perfekt. Nach seinem Debüt-Hit "Nur in meinem Kopf" von 2011 hat Bourani mit "Auf uns" den Durchbruch als erfolgreicher Singer-Songwriter geschafft.

GALA traf den 30-Jährigen in Brasilien – einem kleinen Ort am Ostseestrand in Schleswig-Holstein.

Miley Cyrus

Süße Hommage an ihre Patentante Dolly Parton

Dolly Parton und Miley Cyrus
Countrysängerin Dolly Parton ist die Patentante von Miley Cyrus. Die beiden stehen sich sehr nah, sodass es für Miley sicher immer wieder eine Freude ist, die Lieder von Dolly zu singen.
©Gala

Wird Ihnen der Mega-Erfolg von "Auf uns" nicht langsam ein wenig unheimlich?

Ich habe so lange darauf hingearbeitet, dass meine Musik viele Menschen erreicht. Warum sollte es mir also unheimlich sein? Ich freue mich riesig! Aber dass er als offizieller ARD-WM-Song im Fernsehen und auf den Fan-Meilen läuft, die Nummer Eins der Charts war usw. – das ist für mich nicht so richtig greifbar. Wenn aber ein mir unbekannter Mann auf der Straße auf mich zukommt und erzählt, dass er gestern auch zu den Klängen von "Auf uns" geheiratet hat – und mein Song fortan für immer eine große Bedeutung in seinem Leben haben wird, dann wird es konkret. Dann merke ich, dass ich die Menschen bewegen kann. Ein super Gefühl!

Hit-Album: Auch zwei Monate nach der Veröffentlichung steht "Hey", das zweite Album von Andreas Bourani, noch in den deutschen Top-20. Alle 13 Songs stammen aus seiner Feder (Vertigo/Universal).

Wann haben Sie zum ersten Mal bemerkt, dass "Auf uns" perfekt zur WM passt?

Anfang des Jahres. Da meinte der Regisseur zum Videoclip zu mir, dass wir beim Dreh doch auch mit Fußball- und WM-Motiven arbeiten könnten. Ich war aber wenig begeistert, da es in dem Lied ja eigentlich um andere Dinge geht: Mein Ziel war und ist es, die sinnliche Freude an Freundschaft, Gemeinschaft und am Leben rüberzubringen.

Sehen Sie WM-Spiele lieber zu Hause oder mögen Sie auch Public Viewing?

Auf der Couch zu Hause kann man doch das ganze Jahr TV sehen. Ich mag kleinere Public-Viewing-Locations in Berlin sehr, wo die Menschen zusammen grillen und feiern. Die Mega-Fanmeile vor dem Brandenburger Tor wäre mir aber too much. Generell liebe ich die WM! Da entwickelt sich alle vier Jahre eine ganz spezielle Energie und mitreißende Stimmung, die sich durch die ganze Gesellschaft zieht.

Was sind für Sie No-Gos bei einer WM?

Wenn bei einigen Menschen im nationalen Taumel die Stimmung ins Aggressiv-Negative umkippt und der sportliche Gedanke dabei verloren geht. Wenn sich Hooligans lautstark bemerkbar machen und Gewalt ins Spiel kommt. Dann wird es echt unangenehm.

Der Song ist Ihr bislang größter Hit. Vor dem Durchbruch 2011 mit "Nur in meinem Kopf" mussten Sie eine jahrelange Durststrecke überstehen.

Ich habe immer wieder mit den falschen Leuten zusammengearbeitet und sogar ein ganzes Album produziert, das nie veröffentlicht wurde. Das war extrem frustrierend. Ich hatte starke Selbstzweifel und dachte mir: Was soll das Ganze eigentlich noch?! Offenbar bin ich doch nicht gut genug.

Auch in finanzieller Hinsicht war das sicher eine extrem angespannte Phase …

Von meiner Musik allein konnte ich lange nicht leben. Ich musste Gelegenheitsjobs annehmen.

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Bastian Schweinsteiger

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Ich habe im Getränkemarkt Kisten gestapelt oder am Fließband Computerteile montiert. Das war extrem nervig, gleichzeitig aber auch ein großer Antrieb für mich. Wenn ich von den Aushilfsjobs wegwollte, musste ich eben weiter beharrlich daran arbeiten, mein Ziel zu erreichen: eine CD auf den Markt zu bringen. Ich wollte mir unbedingt beweisen, dass ich das schaffen kann.

Fällt es nicht schwer, sich immer wieder selbst zu motivieren, wenn es einfach nicht laufen will?

Es gab Momente, wo ich meine Träume von einer Musikkarriere für immer begraben wollte und schlimme Existenzängste hatte. Zeiten, in denen ich mir die Frage stellen musste, wie ich überleben soll. Zudem war die Zeit mein Feind: Ich hatte das Gefühl, dass sie mir davonläuft. Der Frust provozierte in mir aber auch eine "Jetzt erst recht!"-Haltung. Man muss eben schon ein bisschen verrückt sein in diesem Geschäft, innere Ängste einfach ausblenden und Risiken ignorieren.

Gab es für Sie nie einen Plan B?

Nein! Ich habe die Schule vor dem Abi geschmissen, gerade weil ich schon immer Musiker werden wollte. Ich dachte mir: Dafür brauchst du doch keinen Abschluss oder gar ein Studium.

Wie waren Sie als Kind und Teenager? Heute wirken Sie eher ruhig und nachdenklich.

Glauben Sie mir: Ich kann mit Kumpels auch ordentlich auf den Putz hauen und hemmungslos herumalbern. Ich wirke wahrscheinlich so, weil meine Musik grundsätzlich eher ruhig ist. Als Kind habe ich viele Streiche ausgeheckt und in der Schule immer Probleme mit Autoritäten gehabt. Ich hatte etwas Rebellisches in mir.

Wann wurde es Ihnen das erste Mal bewusst, dass Sie auf der Bühne stehen möchten?

Meine Mutter hat mich schon als Kind oft mit ins Theater, Konzert oder Ballett mitgenommen – und das hat mich von Anfang begeistert. Ich war schon immer fasziniert von dem Gedanken, dass man Menschen durch Schauspiel, Musik, Gesang oder Tanz in ganz andere Welten entführen kann.

Wie würden Sie Ihren Charakter beschreiben?

Ich glaube, dass ich mich sehr gut in andere Menschen hineinversetzen kann. Ich höre den Menschen zu, bin empathisch und habe eine gute Beobachtungsgabe.

Und was sind Ihre Schattenseiten?

Ich bin zuweilen furchtbar unpünktlich. Ich kann es leider nur sehr schwer einschätzen, wie schnell die Zeit am Ende tatsächlich vergeht. Oft werde ich nicht rechtzeitig fertig und lasse dann Menschen gerne mal eine halbe Stunde warten.

Es gibt Schlimmeres…

Erzählen Sie das mal meiner Crew. Die sieht das sicher völlig anders. (lacht)

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