Amy Winehouse Wer trauert wirklich um Amy?

Amy Winehouse
Amy Winehouse
© Reuters
Vier Wochen sind seit dem tragischen Tod von Soul-Ikone Amy Winehouse vergangen. Während ihr Patenkind Dionne Bromfield sehr unter dem Verlust leidet, wittern andere das große Geld

Plötzlich wird ihre Stimme brüchig.

Immer wieder blickt Dionne Bromfield auf den Bühnenboden. Nur mit Mühe singt sie den Amy-Winehouse- Song "Love Is A Losing Game" zu Ende. Dann kann sie ihre Gefühle nicht mehr zurückhalten, Tränen laufen ihr übers Gesicht, und sie beginnt zu schluchzen. Die Fans beim "Big Chill Musikfestival" in Herefordshire sind gerührt.

Kurz zuvor hatte die 15-Jährige in einer kleinen Ansprache Amy Winehouse gedacht: "Sie war eine großartige Künstlerin, meine Mentorin, und es fühlt sich an, als sei mit ihr auch ein Stück meiner Seele gegangen!" Seit dem Tod der geliebten Patentante, die nur zwölf Jahre älter war als sie selbst, liegt ein Schatten über dem Leben der jungen Soul-Sängerin. Das Radio hat Dionne Bromfield seit Wochen nicht mehr eingeschaltet. Viel zu oft spielen Londons Sender in diesen Tagen "Rehab" oder "Back To Black". Viel zu schmerzhaft wäre es für sie, Amys Stimme zu hören. "Ich habe es einfach noch nicht begriffen. Es wird so viel über sie geredet, überall sieht man Amy, im Fernsehen und in Zeitungen - es ist, als wäre sie noch da", so Dionne im Interview mit BBC Radio 1. Beim letzten Treffen vor ihrem Tod sei Amy Winehouse super drauf gewesen. "Umso schrecklicher, dass sie drei Tage später gestorben ist. Das ist das Schlimmste von allem!", sagt ihre Patentochter, in deren Trauer sich jetzt auch Hilflosigkeit und Enttäuschung mischen. Hilflosigkeit darüber, dass immer mehr Menschen beim Geschäft mit Amys Tod mitverdienen wollen, Enttäuschung darüber, dass ein Streit um das Erbe der Soul-Ikone entfacht ist.

Denn nun erhebt auch Blake Fielder-Civil, Amys Ex-Mann, Anspruch auf einen Teil des Elf-Millionen-Euro-Vermögens, das bislang eigentlich unter ihren Eltern Janis und Mitch sowie ihrem Bruder Alex aufgeteilt werden soll.

"Er behauptet, dass ihre Familie und die Plattenbosse sie gezwungen hätten, ihn aus dem Testament zu streichen", heißt es aus Fielder-Civils Umfeld. Zudem brüstet er sich damit, dass ihm Amy zuletzt in Telefonaten ihre Liebe bekundet und auf eine Versöhnung gehofft habe. Er wolle deshalb für die "Umsetzung ihrer wahren Wünsche" kämpfen. Ob die Veröffentlichung eines Enthüllungsbuchs das richtige Mittel dazu ist, darf allerdings bezweifelt werden. Fielder-Civil hat so ein Werk inzwischen angekündigt. "Er besitzt noch massenhaft unveröffentlichtes Material über Amy, wartet nur noch auf das richtige Angebot und wittert bereits das große Geld", zitierte "The Sun" einen Insider.

Ähnliche Motive haben wohl auch die unbekannten Diebe getrieben, die in das Londoner Haus der Sängerin einbrachen, um dort auf Beutetour zu gehen. Dabei verschwanden neben Schmuck, Notebooks und einer ihrer Lieblingsgitarren auch zwei Bücher mit bislang unveröffentlichten Songs. Persönliche Dinge, die auf dem Online- Auktionsportal Ebay ein fettes Geschäft versprechen: In den USA wechselte bereits eine handsignierte "Rolling Stone"-Ausgabe mit Amy auf dem Cover für 3000 Dollar den Besitzer; die Internet-Domain www.Amy- WinehouseRecords.com wurde zwischenzeitlich sogar für eine Million Dollar angeboten, fand allerdings bislang keinen Käufer. Vor allem Papa Mitch Winehouse äußerte sich empört über den Einbruch. Plagt ihn in Wahrheit die Sorge, dass sich die Veröffentlichung des dritten Amy-Albums wegen des Song-Diebstahls nun verzögern könnte? Noch ist zwar nichts offiziell, Branchenkenner gehen aber davon aus, dass Amys Plattenlabel Universal ihr musikalisches Vermächtnis rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt bringen möchte. Millionenumsätze wären garantiert - Umsätze, die Amy Winehouse selbst nichts bedeutet hätten.

"Sie war stets bescheiden und vor allem dann froh, wenn sie mit ihrem Geld anderen Menschen helfen konnte", sagt Mutter Janis. Ein Beispiel für ihre Großzügigkeit, das jetzt bekannt wurde: Während ihres Aufenthalts in St. Lucia finanzierte sie einem Freund eine 4500 Euro teure Leisten-OP. Dionne Bromfield, ihrer engsten Freundin und Vertrauten, fällt es besonders schwer, Amys Tod zu verarbeiten. Dionnes Mutter Julie und Mitch Winehouse sind seit 20 Jahren eng befreundet, Amy war Dionnes Babysitterin, brachte ihr das Gitarrespielen bei und impfte ihr das nötige Selbstbewusstsein ein, ebenfalls eine Gesangskarriere anzustreben.

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"Wir haben so viel gemeinsam. Ohne ihre Unterstützung wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Sie hat es geliebt, für mich zu kochen und zu singen. Sie war ein so lieber Mensch und für mich wie eine zweite Mutter", sagte Dionne in dem BBC-Interview.

Heute steht die talentierte Sängerin, deren zweites Album "Good For The Soul" demnächst auch in Deutschland veröffentlicht werden soll, unter einem viel größeren Druck, als ihr lieb sein kann: Weil sie mit einer genauso eindringlichen Stimme wie Amy Winehouse gesegnet ist, erwarten manche, dass sie vielleicht auch ihr musikalisches Erbe übernehmen könnte. Ein Druck, dem Dionne Bromfield hoffentlich standhält. Alexander Nebe Mitarbeit: Arndt Striegler, Judith Nieke

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