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Amy Winehouse Sie war doch auf dem richtigen Weg

Warum musste Amy Winehouse mit nur 27 Jahren sterben? Nach Monaten des Rätselratens sind nun endlich die Hintergründe ihres Todes ans Licht gekommen. Und die enthüllen eine neue, besonders tragische Dimension im Suchtdrama um die Soul-Ikone

Der Geruch von Nikotin, Bier und altem Holz liegt in der Luft.

Gerade mal zwei Dutzend Gäste haben sich an diesem regnerischen Oktoberabend in den "Good Mixer" verirrt. Jahrelang zählte die leicht heruntergekommene Eckkneipe im Herzen des Londoner Stadtteils Camden zu den Lieblingspubs von Amy Winehouse. Ihr zu Ehren prangt ein großes, handgemaltes Porträt an der Wand. Hier hing sie mit Freunden ab, spielte Poolbillard - und schaute meist viel zu tief ins Glas.

Zum Beispiel mit Damien, der die Soul-Diva vor fünf Jahren erstmals kennenlernte: "Amy liebte es, gemeinsam mit ganz normalen Leuten zu feiern", erinnert sich der Mann mit Dreitagebart während des Gesprächs mit Gala. Auch er ist geschockt über die Nachricht, die Stunden zuvor die Runde machte: Zum Zeitpunkt ihres Todes am 23. Juli 2011 hatte Amy Winehouse 4,16 Promille im Blut. Sie starb an einer Alkoholvergiftung und hat sich versehentlich zu Tode getrunken. "Das arme Mädchen! Es tut mir so unendlich leid für sie. Sie war dem Ruhm sowie dem Rummel um ihre Person nicht gewachsen und suchte wohl auch deshalb immer wieder Halt im Trinken", sagt der 50-Jährige. Auch im nur ein paar Gehminuten entfernten "The Hawley Arms", das ebenfalls zu Amys favorisierten Pubs zählte, gibt es an diesem Abend nur ein Thema. "Ich bin fassungslos über die Todesumstände - zumal es ja jetzt offiziell ist, dass sie seit Jahren clean war und keine harten Drogen mehr genommen hat", sagt Suzi, 36, die Amy persönlich kannte. "Sie war doch auf dem richtigen Weg und hatte schon viele Kämpfe gegen ihre Sucht gewonnen. Es ist alles furchtbar tragisch!" Wie tragisch, war nachmittags bei der Anhörung im Londoner St. Pancras Coroners Court über die wahre Todesursache von Amy Winehouse ans Licht gekommen.

Ihr plötzlicher Tod sei die "nicht beabsichtigte Konsequenz" ihres Alkoholkonsums gewesen, erklärte die zuständige Untersuchungsrichterin Suzanne Greenway, während Amys Eltern im Gerichtssaal immer wieder in Tränen ausbrachen. Auch Christina Romete, Winehouse’ langjährige Ärztin, kam zu Wort. Die Medizinerin betonte, dass ihre Patientin bereits seit Ende 2008 frei von harten Drogen war. Zudem hatte sie vor dem 23. Juli fast drei Wochen keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken, dafür aber Medikamente gegen die Folgen des Entzugs eingenommen. Die Zeichen, dass es Amy diesmal tatsächlich schaffen könnte, dauerhaft trocken zu werden, standen so gut wie nie. Bis es zum folgenschweren Rückfall kam.

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Laut Angaben ihres Bodyguards hat Amy Winehouse am Abend vor ihrem Tod in ihrem Haus ferngesehen und Musik gehört, dabei immer wieder laut gelacht - und dann im Lauf der Nacht drei Flaschen Wodka geleert, zwei große und eine kleinere, die am Tag danach von der Polizei gefunden wurden. "Der Trink-Rückfall war wohl ihr Todesurteil, gerade weil sie zuvor wochenlang abstinent gelebt hatte und ihr Körper nicht mehr an eine große Dosis Alkohol gewöhnt war", sagt Klaus-Dirk Kampz, Gründer und Geschäftsführer der Suchtklinik "My Betty Ford" in Bad Brückenau. Erschwerend sei laut Meinung des Suchtexperten hinzugekommen, dass Amy Winehouse zu Lebzeiten bei einer Größe von 1,60 Metern nur 40 Kilo auf die Waage brachte: Denn bei Untergewichtigen ist die Blutmenge geringer, sodass der Alkohol noch viel konzentrierter in die Organe eindringen konnte. Für Klaus-Dirk Kampz steht auch fest, warum der Rückfall derart exzessiv ausfiel, dass Winehouse am Ende 4,16 Promille im Blut hatte: "Bei Suchtkranken wird bereits nach der kleinsten Alkoholmenge das Suchtgedächtnis wieder aktiviert." Die Folge: "Ein Suchtdruck wird erzeugt, das berüchtigte 'Craving'- der Zwang, immer mehr Alkohol zu konsumieren", erklärt der Experte.

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Was bleibt, ist die Fassungslosigkeit über die tragischen Umstände, die zu Amys Tod führten. Zumal ihre Ärztin nur wenige Stunden vor dem Ende noch bei ihr war. Da wirkte Winehouse zwar etwas wackelig auf den Beinen, aber durchaus gefestigt. "Sie hatte stets ihren eigenen Kopf und war entschlossen, alles auf ihre eigene Art und Weise zu tun", so Christina Romete. Das bestätigt auch Amys Patentochter Dionne Bromfield gegenüber Gala. Deshalb habe sich die 15-Jährige auch nie getraut, Amy zu fragen, wie es ihr wirklich geht: "Mir gegenüber war sie immer die freche, leicht chaotische und stets lachende Frau, die alles für mich getan hätte. Ihre Probleme dagegen versuchte sie konsequent zu überspielen ..." Eine vermeintliche Stärke, die Amy Winehouse am Ende auf tragische Weise zum Verhängnis wurde. Alexander Nebe Mitarbeit: Hauke Herffs, Ian Tarr

gala.de


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