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Mental Health Matters Amy Macdonald offenbart emotionale Störung

Amy Macdonald
© Roger Deckker
2012 wurde viel um Amy Macdonalds Gesundheitszustand spekuliert. Im "Mental Health Matters"-Gespräch räumt die Sängerin nun mit den Gerüchten auf und spricht über ihre wirklichen Probleme. Mit der Interviewreihe möchte GALA das Thema mentale Gesundheit in den Mittelpunkt rücken.

Manche Personen leiden an einer emotionalen Störung, die immer zum Jahreszeitenwechsel auftritt. Amy Macdonald, 33, ist eine von ihnen. "So was nennt sich saisonal-affektive Störung", erzählt die "This Is The Life"-Sängerin im GALA-"Mental Health Matters"-Interview. Betroffene verspüren laut klinischer Definition dann eine Lethargie und große Lustlosigkeit.

Amy spricht offen über psychische Probleme. Ihr ist es wichtig, dass man sich nicht dafür schämt. Auch sonst nimmt die britische Singer-Songwriterin kein Blatt vor den Mund. Was sie besonders schlimm findet: beleidigende Nachrichten in sozialen Medien, ihren Karrierebeginn und die medialen Lügen um ihren Gesundheitszustand.

Amy Macdonald offenbart emotionale Störung

GALA: Auf Ihrem aktuellen Album geht es unter anderem ums Älterwerden und den Umgang mit Depressionen. Ist es Ihr bisher persönlichstes Album?
Amy Macdonald: Ja, ich denke, es ist sehr persönlich. Es handelt vom Leben und den Höhen und Tiefen und all den Zwischentönen. Aber ich denke auch, dass die Themen, über die ich singe, Dinge sind, die wahrscheinlich jedem passiert sind. Ich denke, egal wer man ist, wir machen alle die gleichen Hoffnungen, Ängste und Emotionen durch. Auch wenn es um meine eigenen Erfahrungen geht, denke ich, dass die Leute sich wahrscheinlich in diesen Songs wiederfinden können.

Nach vier Nummer-eins-Alben ist am 30. Oktober 2020 Amy Macdonalds fünftes Album "The Human Demands" erschienen.
Nach vier Nummer-eins-Alben ist am 30. Oktober 2020 Amy Macdonalds fünftes Album "The Human Demands" erschienen.
© Roger Deckker

In der Single "Strong Again" wollen Sie Menschen, die an Depressionen leiden, Mut machen. Warum ist Ihnen dieses Thema so wichtig?
Sehr enge Freunde von mir hatten mit Depressionen zu kämpfen. Ich habe sie am tiefsten Punkt erlebt, den man sich vorstellen kann. Als Freundin wollte ich ihnen am liebsten helfen, den Schmerz zu nehmen, aber das konnte ich nicht. Diese Emotionen habe ich in Songs verarbeitet.

Haben Sie auch selbst psychische Probleme erlebt?
Ich war noch nie an dem Punkt, dass ich Depressionen hatte. Aber ich bin ziemlich stark betroffen, wenn die Jahreszeiten vom Sommer in den Herbst und den Winter übergehen.

Vor ein paar Jahren hatte ich tatsächlich das Gefühl, das Haus nicht mehr verlassen zu können. Es fühlte sich so an, als würde ein schweres Gewicht auf mir lasten.

Ein paar Tage vergingen und ich spürte zum Glück, dass das Gewicht immer mehr von mir abfiel. So was nennt sich saisonal-affektive Störung. Ich leide nicht immer darunter, aber es wirkt sich ab und zu auf mich aus.

Was hat Ihnen in dieser schwierigen Zeit geholfen?
Für mich war es wichtig, Menschen um mich zu haben, mit denen ich reden kann. Man sollte sich nicht schämen, darüber zu sprechen. Auch das Songschreiben ist ein guter Bewältigungsmechanismus und war wie eine Therapie für mich.

Amy Macdonald räumt mit Burn-out-Gerüchten auf

Ich habe gelesen, dass Sie durch den ganzen Arbeitsstress 2012 auch ein Burn-out hatten. Stimmt das?
Es ist viel über diese Zeit geschrieben worden, aber nein, das stimmt nicht. Ich habe einen niedrigen Blutdruck und neige dazu, manchmal ohnmächtig zu werden. Im Jahr 2012 wurde ich ohnmächtig und habe mich schrecklich gefühlt. Das hatte zur Folge, dass ich eine TV-Show, die ich gerade drehte, absagen musste.

Ich bekam dann mit, dass in den Medien geschrieben wurde, dass ich einen Schlaganfall oder so etwas hatte.

Ich fand das so unverantwortlich, einfach über diese verrückten Gesundheitsprobleme zu schreiben, die auf nichts beruhen.

Immerhin weiß ich heute, was ich tun muss, um nicht mehr ohnmächtig zu werden.

Eigentlich war Ihre Europatour für dieses Frühjahr geplant. Aber die musste auf 2022 verschoben werden. Was machen Sie stattdessen?
Nicht viel, um ehrlich zu sein. Ein Album herauszubringen, ist in normalen Zeiten schon ziemlich hart. Es war sehr schwierig, Shows zu spielen und die Platte zu promoten. Ich hoffe, dass ich Ende des Jahres ein paar Gigs in Großbritannien spielen kann, das wäre toll. Und ich hoffe, dass ich nächstes Jahr zurück nach Deutschland und dem Rest von Europa kommen kann.

Amy Macdonald: "Es ist schwer, nichts zu haben, auf das man sich freuen kann."

Welche mentalen Auswirkungen hat die Pandemie auf Sie?
Es ist schwer, nichts zu haben, auf das man sich freuen kann. Als Menschen machen wir eigentlich Pläne und freuen uns darauf. Das konnten wir jetzt seit einem Jahr nicht mehr tun. Ich möchte einfach mein Leben zurückhaben, das ich die letzten 15 Jahre meiner Karriere kannte. Es fühlt sich komisch an, das nicht zu haben.

Was hilft Ihnen aktuell gegen den Lockdown-Blues?
Ich versuche, mich an eine Routine zu halten. Ich denke, das hilft. Ich achte darauf, dass ich regelmäßig meine Übungen mache, versuche spazieren zu gehen und stelle sicher, dass ich regelmäßig mit meiner Familie und meinen Freunden rede. Aber das Wichtigste für mich ist die Bewegung - sie hält mich mental am meisten fit.

Sie sehen auch wirklich fit aus!
Vielen Dank. Wenn meine Musikkarriere morgen enden würde, würde ich in der Gesundheits- und Fitnessbranche arbeiten. (lacht)

Wenn etwas Schlimmes passiert, rufen Sie als erstes Ihre Mutter an. Was sind das für Situationen?
Das kann alles sein, nicht nur schlimme Dinge. Sie ist die erste Person, zu der ich gehe, das war sie schon immer. Manchmal können es beleidigende Nachrichten in den sozialen Medien sein oder schlechte Neuigkeiten, die meine Karriere betreffen. Auch wenn ich Streit mit meinem Mann hatte, ist sie diejenige, mit der ich zuerst rede. (lacht)

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"Ich weiß nicht, wie ich diese Zeit überlebt habe"

Als Ihr erstes Album herauskam, waren Sie noch ein Teenager. Was empfinden Sie heute, wenn Sie an diese aufregende Zeit zurückdenken?
Wenn ich zurückblicke, weiß ich nicht, wie ich diese Zeit überlebt habe. Ich war damals erst 19 – und plötzlich änderte sich mein ganzes Leben über Nacht. Es ist eine schwierige Branche. Erst kannte mich niemand und auf einmal hatte jeder eine Meinung über mich, über mein Aussehen, mein Gewicht und darüber, wie meine Stimme klingt. Als junge Frau ist das sehr schwer zu verkraften. Es war eine stressige Zeit.

Wie sind Sie damals mit diesen negativen Kommentaren und der Kritik umgegangen?

Ich habe mich schrecklich gefühlt und das tue ich immer noch – als gäbe es kein Entrinnen.

Solche Kommentare können einem wirklich den Tag oder die ganze Woche ruinieren. Ich habe einen Filter auf all meinen Social-Media-Kanälen, um jeden unangenehmen Inhalt herauszufiltern. Es ist besser für mich, wenn ich Negatives einfach nicht sehe. Denn das kann dein Leben übernehmen und du fühlst dich dann einfach schrecklich wegen dir selbst.

Was haben Sie aus den Tiefpunkten und den schwierigen Phasen Ihrer Karriere gelernt?
Für mich ist es am wichtigsten, Menschen in meinem Leben zu haben, die mich unterstützen, denen ich vertrauen kann und die sich wirklich um mich kümmern. Doch viele in der Musikbranche haben das nicht. Bei jungen Musikern geht anderen meist darum, mit ihnen Geld zu verdienen. Das war bei mir zum Glück anders.

Verwendete Quelle: eigenes Interview, klinisches Online-Wörterbuch pschyrembel.de

Gala

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