VG-Wort Pixel

Amber Heard "Ich würde so gerne mit meinem Leben weitermachen"

Amber Heard im Gerichtssaal mit Johnny Depp. 
Amber Heard im Gerichtssaal mit Johnny Depp
© Jim Lo Scalzo / Getty Images
Jeden Tag kehrt Amber Heard vor Gericht ihr Innerstes nach außen. Was schenkt ihr jetzt Hoffnung?

Der Blick flackert, der Kopf zuckt. Ein unaufhörliches Auf und Ab – als könne Amber Heard, 36, das Verhör von Johnny Depps taffer Anwältin Camille Vasquez kaum noch ertragen. Quälend lange muss sie zum Beispiel darüber Auskunft geben, ob sie ihren damaligen Ehemann geschlagen habe ("Ja, aber nur zur Verteidigung."). Oder ob sie ihm eine Badezimmertür ins Gesicht knallte ("Nein."). All das soll bei der Klärung des eigentlichen Prozessgegenstands helfen: Johnny Depp, 58, fordert wegen eines von Amber verfassten Zeitungsartikels, in dem sie ihn als Frauenschläger bezeichnete, 50 Millionen Dollar. Sie konterte mit ihrer 100-Millionen-Dollar-Gegenklage.

Die Öffentlichkeit ist gegen sie

Der härteste Richter hat schon lange vor den Schlussplädoyers sein Urteil gesprochen: die Öffentlichkeit. Online verfolgen Millionen Zuschauer live die Auseinandersetzung des Ex-Paares. Die Sympathien liegen mehrheitlich bei Johnny Depp, dem einstigen "Fluch der Karibik"-Star. Auch vor dem Gerichtsgebäude in Fairfax, vor dem sich jeden Morgen Fans mit selbst gebastelten Schildern versammeln, geht er als gefühlter Sieger hervor.

Womöglich liegt es daran, dass der stets mit schleppender Stimme sprechende Johnny mitleiderregender aussieht als die manchmal doch kühl wirkende Amber. Auch dass sie die sieben Millionen Dollar, die sie als Scheidungsabfindung erhielt, nicht wie angekündigt komplett gespendet hat, nimmt man ihr übel. Und dann noch die im Prozess enthüllte Affäre mit James Franco – kurz vor der Trennung des Paares. Lauter Minuspunkte. Doch Amber setzt auf alles oder nichts. Sie geht trotzdem volles Risiko. Denn die Argumente gegen sie geben Johnny Depp noch lange nicht Recht.

Amber Heard

Tochter ist der "Beginn vom Rest meines Lebens"

"Ich würde so gerne mit meinem Leben weitermachen", bricht es während des Verhörs einmal aus Amber heraus. Ihr Leben? Was ihre Karriere als Schauspielerin angeht, wird davon wenig übrig bleiben. Schon jetzt gilt sie bei Produzenten als Kassengift. Ihr Part im Fantasy-Drama "Aquaman 2", das 2023 in die Kinos kommt, wurde gerade auf ein Minimum gekürzt.  Glücklicherweise gibt’s für sie mehr als die Arbeit: Vor einem Jahr wurde Amber Heard Mutter einer Tochter. Auch das war – wie so vieles in ihrem im Leben – nicht einfach. Weil sie nach eigener Aussage keine Kinder bekommen kann, ließ sie das Baby von einer Leihmutter austragen. Ihr Mädchen sei der wunderbare "Beginn vom Rest meines Lebens", jubelte Amber nach der Geburt der Kleinen. Die Chance auf echte Liebe, nach der sie sich seit ihrer eigenen Kindheit so sehr sehnt.

So wuchs Amber Heard auf

Zu Hause in Texas erlebte Amber Schlimmes. Ihr Vater David, ein Bauunternehmer, schlug ihre Mutter Paige, sobald er Alkohol getrunken hatte. Und das machte er fast ständig. Ob er auch Amber misshandelte? Dazu äußert sie sich nicht. Trotz allem buhlte sie um Daddys Zuneigung, wie Kinder das so tun. Sie lernte reiten, angeln und schießen, weil er sich eigentlich einen Sohn gewünscht hatte.

Der Albtraum soll endlich enden

Mit 17 Jahren zieht sie von zu Hause aus. Sie möchte Schauspielerin werden, hält sich zunächst mit Model-Jobs über Wasser. Talentiert ist sie: Amber kann vor der Kamera eine große Bandbreite an Charakteren verkörpern. Ein persönlicher Meilenstein: Vor einigen Jahren outet sie sich als bisexuell. Als Amber dann 2009 am Set von "The Rum Diary" Johnny Depp kennenlernt, ist sie zwar fest liiert, sie trennt sich jedoch nach einigem Hin und Her – inklusive öffentlicher Handgreiflichkeiten – von ihrer Partnerin Tasya van Ree. Im Gegenzug beendet Johnny Depp seine zwölfjährige Beziehung mit Vanessa Paradis, 49, der Mutter seiner beiden Kinder. Die Französin hat er nie geheiratet, Amber hingegen möchte er so schnell wie möglich ehelichen – sie scheint die Eine für ihn zu sein.

In Wahrheit ist es wohl so, dass in dieser Verbindung zwei verletzte Persönlichkeiten aufeinanderprallen. Zwei Menschen, die glauben, dieses Gegenüber sei die Lösung. Ein fataler Irrtum: Miteinander haben die größten Probleme von Johnny Depp und Amber Heard überhaupt erst begonnen. Dieser Albtraum solle endlich zu Ende gehen, hört man aus Ambers Umfeld. Nichts wünsche sie sich mehr. Aber danach hat Johnnys Anwältin nicht gefragt.

Gala


Mehr zum Thema


Gala entdecken